Schroders zur Inflation Notenbankgeld verfehlt die Wirtschaft

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Welche Konsequenzen haben die Lockerung der Fiskal- und Geldpolitik sowie das Wachstum der Geldmenge tatsächlich? Könnten sie dazu führen, dass auch die Preise steigen? Diese und weitere Fragen beantwortet Keith Wade, Chefvolkswirt bei Schroders.

21.07.2020, aktualisiert 22.07.2020 - 16:2522.07.20 - 16:25
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Fed-Chef Jerome Powell im Zeichen des Virus
Fed-Chef Jerome Powell im Zeichen des Virus: Marktteilnehmer sehen im beschleunigten Wachstum der Geldmenge in den USA einen Vorboten für steigende Preise© imago images / Xinhua

Viele Kapitalmarktakteure denken, wenn sich die Wirtschaftsaktivität wieder normalisiert, wird die Inflation ansteigen. Die Treiber: Eine stärkere Nachfrage infolge der anhaltend lockeren Geld- und Fiskalpolitik gekoppelt mit einem beschränkten Angebot, das durch die Auswirkungen von Covid-19 auf die Lieferketten bedingt ist. Doch wir sind anderer Meinung.

Zeichen deuten auf Deflation

Erste Indikatoren zeigen: Sowohl die Konjunktur als auch die Preissteigerungen lassen deutlich nach – die Corona-Krise hat stark deflationäre Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Der Einbruch der Nachfrage hat die Ölpreise in Mitleidenschaft gezogen und zu niedrigeren Energiekosten geführt. In den USA waren die Rohstoffpreise auch während der vergangenen Rezession und der Abkühlung zur Zyklusmitte im Jahr 2015 gefallen – und sie signalisieren auch jetzt eine anhaltend schwache Inflation in den kommenden Monaten.

Gleichzeitig erleben wir eine Flut von Schnäppchenangeboten im Einzelhandel, wo Anbieter bemüht sind, die infolge des Lockdown voll gebliebenen Lager zu räumen. Wenn Fluggesellschaften und Hotels allmählich wieder den Betrieb aufnehmen, erwarten wir weitere Preisnachlässe und wären nicht überrascht, in Europa und den USA in den kommenden Monaten eine negative Gesamtinflation zu sehen.

Neues Geld bleibt bei den Banken

Wird die Lockerung der Fiskal- und Geldpolitik die Nachfrage – und damit die Preise – nach oben treiben? Marktteilnehmer sehen insbesondere im beschleunigten Wachstum der Geldmenge in den USA einen Vorboten für steigende Preise. In der Tat beobachten wir ein außergewöhnliches Wachstum der Geldmenge M2, welche ein Maß für Bareinlagen und sonstige liquide Instrumente, einschließlich Publikumsfonds, ist. Mit Blick auf die potenziell disruptiven Auswirkungen von Covid-19 für die Angebotsseite der Wirtschaft erkennen einige Marktbeobachter nun einen Wendepunkt hin zu mehr Volatilität und einer höheren Inflation. Der Handlungsspielraum der Notenbanken für lockere Geldpolitik und Niedrigzinsen, den die geringe Teuerungsrate ermöglichte, wäre damit weg – und die Unterstützung für Risikoanlagen entfiele.