Schwellenländer-Aktien, Teil I „Der Markt hat Nachholbedarf“

Mehr Binnenkonsum, anziehende Weltkonjunktur: Uwe Röhrig, Aktienspezialist bei UBS Asset Management, berichtet im Interview über die neue Dynamik der Schwellenmärkte und die Strategie des UBS Global Emerging Markets Opportunity Fund.

05.10.2017, aktualisiert 11.07.2018 - 15:4911.07.18 - 15:49
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Schaltschrank-Fertigung in Tumakuru bei Bangalore in Indien: Die Reformen unter Premier Narendra Modi bewirken einen Modernisierungsschub
Schaltschrank-Fertigung in Tumakuru bei Bangalore in Indien: Die Reformen unter Premier Narendra Modi bewirken einen Modernisierungsschub© Getty Images

der fonds: Herr Röhrig, Schwellenländer-Aktien waren mehrere Jahre lang bei den Anlegern unbeliebt. Seit einigen Monaten ändert sich die Stimmung. Warum?

Uwe Röhrig: Seit 2009 blieb in den Schwellenländern die Profitabilität auf der Strecke, was zu der großen Enttäuschung bei den Investoren in den vergangenen Jahren führte.

Die Unternehmen hatten stark an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt, obwohl vor der Finanzkrise noch viel investiert worden war – allerdings nicht immer in rentable Projekte. Die Folge: Anders als die USA, die in den vergangenen Jahren zum großen Outperformer wurden, hatte sich die Asset-Klasse Schwellenländer deutlich schwächer entwickelt.

Bis ins Jahr 2011 floss noch Kapital in die Schwellenländer, doch jetzt kommen die Investitionen langsam wieder zurück. Ein Mix aus dem Abbau von Überkapazitäten, anziehendem Binnenkonsum, und wettbewerbsfähigeren Währungen verbessert die Gewinnsituation deutlich. Weltweit steigen 400 Millionen Haushalte von der Mittelklasse in die gehobene Mittelklasse auf – das bleibt nicht ohne Folgen.

Seit 2016 ändert sich das Bild…

Röhrig: Ja. Seither schwenken die Schwellenländer wieder auf den Wachstumspfad ein. Nicht zuletzt aufgrund der anziehenden Weltkonjunktur und der stabilisierten Rohstoffpreise. Im Herbst 2016 kam dann die von Donald Trump angestoßene Protektionsmus-Debatte auf, woraufhin ein Dämpfer erfolgte.

Im Nachhinein bot sich damals nochmals ein guter Einstiegszeitpunkt, denn in den vergangenen Monaten hat der Markt weiter Fahrt aufgenommen. Anleger decken sich mit Schwellenländer-Aktien ein. Der Effekt im UBS Global Emerging Markets Opportunity Fund: Wir sind im laufenden Jahr mit 30 Prozent im Plus.

Welche Faktoren können als gute Vorzeichen für die zukünftige Wertentwicklung von Schwellenländer-Aktien gesehen werden?

Röhrig: Bei Schwellenländern handelt es sich um kräftig wachsende Volkswirtschaften, die zugleich demografisch zukunftsfest aufgestellt sind. Die Urbanisierung setzt sich immer weiter fort. Es werden zunehmend höhere Einkommen erwirtschaftet. Der Binnenkonsum steigt. All das zieht Investitionen nach sich.