Stolls FondseckeSchwellenländer und Nachhaltigkeit sind kein Widerspruch

Nachhaltigkeit und Schwellenländer passen auf den ersten Blick nicht zwingend zueinander. Dass sich die Kombination renditetechnisch dennoch auszahlen kann, beweist Fondsmanager Alexander Mozer mit dem Ökoworld Growing Markets. Unser Gastautor Sven Stoll hat den Fonds unter die Lupe genommen.

11.06.2021 - 09:00 Uhr11.06.21 09:00
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Die Ever Given steckte im März tagelang im Suezkanal fest
Die Ever Given steckte im März tagelang im Suezkanal fest: Das Schiff wird von der Reederei Evergreen Marine Corp. betrieben – aktuell die größte Position des Fonds © IMAGO / Xinhua

Nach schwierigen Jahren zieht es viele Investoren wieder in die Schwellenländer. Das verwundert wenig: Viele Staaten der Emerging Markets gehören zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt.

Gleichzeitig legen Investoren jedoch immer mehr Wert auf Nachhaltigkeit. Die Umwelt- und Sozialstandards in den Schwellenländern sind im Vergleich zu jenen in den Industriestaaten allerdings oftmals niedriger. Das zügellose Wirtschaften vergangener Jahrzehnte hat in vielen Staaten zu einer massiven Belastung von Luft, Gewässern und Böden geführt – und damit auch für starke gesundheitliche Beeinträchtigungen beim Menschen gesorgt. Viele Unternehmen in den Schwellenländern halten sich zudem weniger an Corporate Governance, sprich: Die Prinzipien guter Unternehmensführung.

Schwellenländeranleger sind gerade deshalb gut beraten, neben den traditionellen Fundamentaldaten auch Nachhaltigkeitsaspekte zu berücksichtigen. Denn typischerweise weisen Schwellenländer, die nach ESG-Faktoren schlecht bewertet sind, auch höhere Risiken auf. Beispiele dafür sind politische und soziale Unruhen oder Umweltkatastrophen. Durch die Vermeidung von Staaten und Unternehmen mit schlechteren ESG-Bilanzen können Anleger das Risiko plötzlicher Verluste verringern, die mit traditionellen makroökonomischen Modellen schwer vorherzusagen sind.

Kleine und mittelgroße Unternehmen im Fokus  

Eine Vorreiterin in Sachen ökologische Kapitalanlagen ist die 1995 gegründete KAG Ökoworld, die sehr konsequent auf Ökologie und Nachhaltigkeit setzt. In einem komplexen Screening- und Filterverfahren filtert ein unabhängiges Expertengremium zunächst für alle Fonds der Gesellschaft geeignete Unternehmen heraus. Seit 2012 wird dieses Verfahren auch beim Ökoworld Growing Markets 2.0 (ISIN: LU0800346016) angewendet. Der Fonds investiert in Unternehmen in den Emerging Markets und berücksichtigt Titel, deren Tätigkeitsfeld sich auf die Schwellenmärkte fokussiert.

Fondsmanager Alexander Mozer wird hauptsächlich bei kleinen und mittelgroßen, in der Regel aber schnell wachsenden Unternehmen fündig, die auf den Binnenmarkt fokussiert sind. Themen wie Bildung, Kommunikation, regenerative Energien, Wasser und neue Mobilität spielen dabei eine große Rolle. Konkret investiert Mozer aktuell in den chinesischen Elektro-Autobauer Nio oder die taiwanische Fahrradschmiede Giant Manufacture. Größte Fondsposition ist derzeit Evergreen Marine Corp. (EMC). Die Containerschiff-Reederei gehört zu den größten fünf der Welt und sitzt im taiwanesischen Taipeh. Evergreen Marine bedient mit ihren Schiffen zahlreiche Linien vor allem in Ostasien, Europa und an der amerikanischen Westküste. Weltweit in die Schlagzeilen kam die Reederei durch den Unfall des Containerschiffes Ever Given, das im März 2021 den Suezkanal blockierte.

Strenge Ausrichtung nach ökologischen, ethischen und sozialen Kriterien

Aber auch Titel aus Industriestaaten mit Schwellenländerbezug finden sich im Portfolio. Japanische Aktien kommen so auf ein Gewicht von immerhin 8 Prozent. Ein Unternehmen hat es dem Fondsmanager besonders angetan: ,,KDDI bietet als zweitgrößter Telekommunikationsanbieter in Japan Festnetz- und Mobilfunkdienste, Breitbandinternet- und Netzwerkdienstleistungen nicht nur dort an, sondern auch in den Schwellenländern Asiens, beispielsweise in Kambodscha und der Mongolei. Die breite Abdeckung mit LTE ermöglicht eine flächendeckende Internetnutzung und Telekommunikation. KDDI unterhält Bildungsangebote zum Jugend- und Kinderschutz bei der Internetnutzung und hat eine App speziell zum Verstehen von Textnachrichten für Blinde entwickelt."

Ein weiterer Mobilfunkplayer im Portfolio ist die aus Norwegen stammende Telenor: ,,Das Unternehmen ist nicht nur in den skandinavischen Staaten, sondern insbesondere in Indien, Osteuropa und Asien aktiv“, schreibt Mozer im aktuellen Monatsbericht. „Dort bietet Telenor auch mobile Finanz- und Gesundheitslösungen an, vor allem in ländlichen Gegenden. Telenor engagiert sich im Bildungsbereich für die Förderung der Medienkompetenz von Älteren, Kindern und Jugendlichen sowie generell von Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern."

Auf Länderebene dominieren im ÖkoWorld Growing Markets aktuell Titel aus Taiwan (17 Prozent), China (14 Prozent), Südkorea (12 Prozent), Indien (12 Prozent), Japan (8 Prozent) und den USA (6 Prozent). Mit seiner Fondsstrategie beweist das Ökoworld-Team, dass aktiv gemanagte Schwellenländer-Investments mit einer strengen ökologischen, ethischen und sozialen Ausrichtung sowohl aufgrund der zukunftsweisenden Thematik Sinn machen als auch für ordentlich Rendite obendrauf sorgen. Seit der Auflage des Fonds im September 2012 übertrifft Mozer den MSCI Emerging Markets (plus 74 Prozent) trotz happiger Gebühren von 2,4 Prozent um satte 90 Prozentpunkte.

Über den Autor: Sven Stoll beschäftigt sich bereits seit den 1990er-Jahren mit Investmentfonds und betreibt auf Facebook den Blog World of Investmentfonds.

Hinweis: Es handelt sich hierbei um keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung. Die Geldanlage am Kapitalmarkt ist mit Risiken verbunden. Aus Wertentwicklungen in der Vergangenheit lässt sich nicht auf künftige Wertentwicklungen schließen.