Schwellenländer Wall-Street-Experten raten zum Ausstieg

Achtung, Verlustgefahr! Wall-Street-Experten warnen vor Investments in Schwellenländern. Ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um riskante Assets abzustoßen?

28.08.2017 - 13:4428.08.17 - 16:05
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Traubenernte in Stellenbosch, Südafrika: Die gesamte Warenproduktion am Kap ist im vergangen Jahr um 2 Prozent zurückgegangen
Traubenernte in Stellenbosch, Südafrika: Die gesamte Warenproduktion am Kap ist im vergangen Jahr um 2 Prozent zurückgegangen© Getty Images

Immer mehr Experten an der Wall Street kommen im Moment auf den gleichen Nenner: Assets aus Schwellenländern sind überbewertet. Tatsächlich bringen Staatsanleihen aus Emerging Markets in diesen Wochen sogar noch weniger Rendite ein als schlecht bewertete US-Firmenanleihen.

Altgediente Veteranen der Wall Street sehen nicht nur Überbewertungen, sondern empfehlen Anlegern schlichtweg, aus diesen Märkten auszusteigen. Jeff Gundlach, Mitbegründer und Chief Executive Officer der Investmentgesellschaft Double Line Capital, meint zum Beispiel, dass Investoren "sich schnell zum Ausgang bewegen sollen“.

Ray Dalio, Gründer des Hedgefonds Bridgewater Associates, spricht von einer notwendigen „taktischen Risikoreduzierung“. Die Situation erinnere ihn sehr stark an die Zeit vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs: „Der Populismus ist auf dem Vormarsch, Demokratien sind bedroht und Kriege können aktuell sehr leicht ausbrechen“, warnt Dalio im sozialen Netzwerk LinkedIn. Besonders Schwellenländer seien vor diesem Hintergrund kein sicherer Boden für Investments.

Schwellenländer wirtschaftlich noch nicht ausreichend reformiert

Recht bekommen die beiden Wall-Street-Veteranen unter anderem von der Investorengruppe Janus Capital Management. Hier ist man ebenfalls der Meinung, Assets aus den Emerging Markets besser zügig abzustoßen. „Die Bewertungen sind bereits zu hoch. Es ist ein guter Zeitpunkt, um sich von den Anlagen zu trennen“, sagt Janus-Fondsmanager Chris Diaz bei Bloomberg.

Besondere Gefahr droht den Experten zufolge vor allem in Südafrika, Brasilien und in der Türkei. Diese Länder kommen auf dem Weg zur Reform ihrer jeweiligen Volkwirtschaften nicht weiter, obwohl die Notwendigkeit für Veränderungen schon seit langem bekannt ist.

Südafrika kann die eigenen Ziele nicht erfüllen

In Südafrika zum Beispiel gab der Staat bereits im Jahr 2000 die Zielsetzung aus, extremen Hunger und Armut bekämpfen zu wollen, die Umwelt zu schonen und globale Partnerschaften für wirtschaftlichen Erfolg abzuschließen. Passiert ist seither wenig: Die Zahl der in Armut lebenden Menschen in Südafrika ist nach offiziellen Angaben seit 2008 sogar von 23,5 auf 27,9 Prozent gestiegen.

Der Rohstoffhandel macht noch immer ein Drittel der Exporte Südafrikas aus, die Rohstoffpreise sind in den vergangenen Jahren gefallen. Für umweltfreundliche Technologien ist schlichtweg kein Geld da. Zwar kann das Land seit dem vergangenen Oktober ein Handelsabkommen mit der EU vorweisen, dennoch schrumpfte die Warenproduktion in 2016 um 2 Prozent im Jahresvergleich. Die politischen Proteste gegen Präsident Jacob Zuma reißen zudem nicht ab und sorgen für weitere Unsicherheit.

Handelsdefizit und hohe Inflation bedrohen die Türkei

Auch in der Türkei und in Brasilien sprechen die Zahlen für sich. Zwar sanken in den vergangenen Monaten die Arbeitslosenzahlen auf 10,2 (Türkei) beziehungsweise 13 Prozent (Brasilien). Die Wachstumsraten der Bruttoinlandsprodukte (BIP) bleiben jedoch in beiden Ländern weit hinter der Inflationsrate zurück. Zum Vergleich: In der Türkei wird ein Wachstum von 1,4 Prozent bei einer Teuerungsrate von 9,7 Prozent erwartet. In Brasilien liegt das BIP-Wachstum bei 1 Prozent, die Inflationsrate bei 2,7 Prozent. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan muss zudem ein über 5 Milliarden Euro hohes Handelsdefizit begleichen.

Wegen der vielen Schwierigkeiten bekommen die Staatsanleihen der drei Volkswirtschaften von Ratingagenturen keine guten Bewertungen. Die Ratingagentur Moody’s stufte brasilianische Anleihen bereits im vergangenen November auf die Note BB ab. Südafrika und die Türkei bekamen im Juli noch die leicht bessere Note BB+. Überraschend dabei: Im Vergleich dazu stehen Kolumbien, Rumänien und Thailand mit der Bewertung BBB besser da.