Sie besuchen der fonds mit einem veralteten Internet Explorer. Darstellung und Nutzungserlebnis sind deshalb nicht optimal.
Aktuelle Version kostenlos herunterladen »

„Erst im dritten Jahr des ökonomischen Aufschwungs“

02.05.2018 14:22 Uhr | Von: 

Sind Sie auch in Frontiermärkten investiert?

Antonioli: Wir schauen uns hier eher auf der Anleihenseite um. Die Bonds-Märkte in den Grenzmärkten sind liquide, was sich von den entsprechenden Aktienmärkten nicht behaupten lässt. Unsere Meinung: Es gibt genügend Opportunitäten im aktuellen Umfeld, den Risiken in den Grenzmärkten muss man sich nicht aussetzen.

Welche Sektoren in den Schwellenmärkten sollten Anleger bevorzugt in den Blick nehmen?

Antonioli: Überspitzt gesagt: Schwellenmärkte werden ja heute fast gleichgesetzt mit Alibaba, Tencent und Baidu. Es wird fast nur noch von Technologie oder Internet geredet. Wir sehen viele weitere Sektoren mit Potenzial. In den nächsten fünf Jahren werden weltweit eine Milliarde Menschen in die Mittelschicht aufsteigen. Für eine Familie bedeutet das: Ihr jährliches Einkommen steigt über 10.000 US-Dollar. 90 Prozent dieser Menschen leben in den Schwellenländern. Indien, China und Indonesien sind die Länder mit den größten Zuwächsen.

In welche Sektoren investiert die neue Mittelklasse ihr Geld?

Antonioli: Zuerst einmal in die Ausbildung ihrer Kinder. Jede dritte Familie in China investiert in Privatschulen für ihre Kinder. An zweiter Stelle kommen Versicherungsprodukte. Wenn die Menschen in Schwellenländern arbeitslos oder krank werden, greifen keine staatlichen Unterstützungen; sie müssen sich also absichern. Nicht zuletzt beginnt der neue Mittelstand massiv in Konsumgüter zu investieren: Etwa in Autos oder Reisen. Der Tourismus ist ein Riesenthema! Die Menschen, die in den Mittelstand aufsteigen, fangen an zu reisen. Beim Investieren dreht sich also nicht alles nur um neue Technologien und das Internet. Es geht vorrangig um die Anlageschwerpunkte Bildung, Versicherungen und Konsumgüter.

Demgegenüber sehen wir in alten regulierten Industrien kaum Potenzial. Telekommunikation, Stromversorgung sind regulierte Sektoren, in denen der Staat Firmen im Allgemeinen nicht gestattet, überdurchschnittlich hohe Renditen zu erzielen. Auch mit Blick auf Firmen, die mehrheitlich im Besitz des Staates sind, gehen wir davon aus, dass sie, salopp formuliert, nicht immer vollumfänglich auf die Interessen des Minderheitsaktionärs ausgerichtet sind.

Wir haben über Chancen gesprochen. Risiken bestehen jedoch ebenfalls: Spielen Währungsrisiken noch die große Rolle vergangener Jahre?

Antonioli: Währungsrisiken bleiben ein zentrales Thema. Einige Länder haben höhere Währungsrisiken als andere, aber es gibt strukturell ganz klar einen Trend: Währungsrisiken sind heute weniger relevant als vor einem Jahrzehnt.