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„Erst im dritten Jahr des ökonomischen Aufschwungs“

02.05.2018 14:22 Uhr | Von: 

Was sind die Gründe?

Antonioli: Die Auslandsverschuldung der Schwellenländer hat abgenommen. Ein Beispiel: Vor zehn Jahren konnte eine russische Firma, die Geld aufnehmen wollte, um eine Fabrik zu bauen, in Russland keine Anleihe begeben – es gab keinen Anleihenmarkt in Russland. Geld wurde entweder in Euro oder US-Dollar aufgenommen. Wertete dann die Währung, also der Rubel, ab, gab es die typischen Probleme. Wir erinnern uns auch an die ungarischen Hypotheken, die auf Schweizer Franken lauteten. Als der Forint um 50 Prozent abwertete, kamen sehr viele Immobilienkäufer in große Schwierigkeiten – ihre Verschuldung stieg um 50 Prozent.

Heute haben die meisten Schwellenländer einen heimischen Obligationenmarkt, das heißt, die Unternehmen verschulden sich in der eigenen Währung. Aber auf der Währungsseite hat sich noch etwas verändert. Vor 15 Jahren exportierten 60 Prozent der Schwellenländer vor allem Rohstoffe, allen voran Lateinamerika und Russland. Asien hingegen exportierte nur zu 45 Prozent Rohstoffe. Heute gibt es nur noch ein einziges Land in Asien, das Rohstoffe in großem Umfang exportiert: Malaysia. Alle anderen Länder in Asien sind Rohstoffimporteure. Damit sind die Schwellenmärkte nicht mehr in so starkem Umfang wie früher von den Rohstoffpreisen abhängig.

Vorsicht gilt mit Blick auf die Türkei: Hier sehen wir die Gefahr einer Währungsabwertung. Das Land wächst viel zu schnell, die Inflation ist viel zu hoch; hier besteht ein hohes Risiko.

Viele Analysten meinen: Der Konjunkturzyklus in den Industrieländern dürfte sich in ein bis zwei Jahren deutlich abschwächen. Gehen dann Schwellenländer-Aktien mit nach unten?

Antonioli: Die Handelsverbindungen der Schwellenländer mit den westlichen Industrieländern haben sich verändert. Vor zehn Jahren beliefen sich die Handelsgeschäfte der Schwellenländer untereinander auf durchschnittlich 26 Prozent. Heute haben sich die Geschäfte der Schwellenländer untereinander auf 47 Prozent erhöht. Damit gehen doppelt so viele Exporte als vor zehn Jahren aus den Schwellenländern in die Schwellenländer. Samsung beispielsweise exportiert nicht mehr länger vorrangig in die USA, sondern vor allem auch nach China.

Ihre Schlussfolgerung?

Antonioli: Die Industrieländer werden immer abhängiger von den Schwellenländern, weil diese so rasch wachsen und inzwischen so dominant geworden sind. In den vergangenen Jahren haben wir einen parallelen Wachstumsanstieg auf der ganzen Welt verzeichnet.

Bei den Bewertungen hingegen bestehen weiterhin Unterschiede. US-Aktien weisen nach neun Jahren Bullenmarkt ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 3,4 auf, gemessen am MSCI USA. Schwellenländeraktien hingegen haben ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,6. Wenn im Jahr 2020 der Aufschwung in den Industrieländern auslaufen dürfte, sind die Schwellenländer erst im fünften oder sechsten Jahr ihres Zyklus – ihr Aufschwung könnte noch etwas länger anhalten. Anleger sollten daher jetzt noch die Zeit nutzen, um am Aufschwung in den Schwellenländern zu partizipieren.