HSBC-Umfrage Schwellenländerinvestoren fürchten steigende Inflation

Der Optimismus der Investoren hinsichtlich der aufstrebenden Volkswirtschaften nimmt ab. Vor allem Inflationssorgen trüben die Stimmung der Anleger, die aufgrund des unsicheren Marktumfeldes immer zögerlicher agieren. Das zeigt eine Umfrage der britischen Großbank HSBC.

26.05.2021 - 10:3026.05.21 - 10:30
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Blick in die Glaskugel
Blick in die Glaskugel: Die erhöhte Volatilität und ein unsicheres globales Makroumfeld machen es Anlegern schwer, eine starke mittelfristige Perspektive zu entwickeln © IMAGO / NurPhoto

Die Einschätzung der Perspektiven für die Kapitalmärkte in den Schwellenländern hat sich seit dem Jahreswechsel rapide verschlechtert. Das ist das Ergebnis der aktuellen HSBC Emerging Markets Sentiment Survey, für die 164 Investoren von 152 Institutionen befragt wurden, die in den aufstrebenden Volkswirtschaften zusammen ein Vermögen von 575 Milliarden US-Dollar verwalten.

Nur 34 Prozent der Anleger sind optimistisch, was die Aussichten für die Schwellenländer in den kommenden drei Monaten angeht. Zum Vergleich: Zum Jahreswechsel war das noch bei 73 Prozent der Fall. Fast die Hälfte der Befragten hat inzwischen eine neutrale Haltung eingenommen und den Cash-Anteil der Portfolios erhöht. Nur 21 Prozent von ihnen planen, diese Barmittel kurzfristig zu verwenden.

„Obwohl das Jahr 2021 mit großen Erwartungen seitens der Anleger begann, machen es die erhöhte Volatilität im ersten Quartal und ein unsicheres globales Makroumfeld schwierig, eine starke mittelfristige Perspektive zu entwickeln“, sagt Murat Ulgen, Global Head of EM-Research bei HSBC. „Zu diesen Herausforderungen gesellt sich, dass nahezu die Hälfte der Investoren Inflation sowie höhere Zinsen in den USA und weltweit als das größte Risiko für den Ausblick der Schwellenländer identifiziert.“

Risikobereitschaft gesunken

So erwarten rund 77 Prozent der Umfrageteilnehmer in den nächsten zwölf Monaten eine höhere Inflation in den Schwellenländern, während 38 Prozent der Befragten mit steigenden Leitzinsen in den nächsten drei Monaten rechnen. Zudem zeigt die Umfrage, dass die Risikobereitschaft der Anleger, gemessen auf einer Skala von 0 bis 10 (wobei 10 das höchste Risiko darstellt) von 6,86 im Januar auf aktuell 6,04 gesunken ist. Die Anzeichen für eine zunehmend zögerliche Haltung unter Investoren resultieren aus dem Wiederanstieg der Covid-19-Fälle in Volkswirtschaften wie Indien und Brasilien. Dennoch zeigt sich, dass die Inflation – in den USA und weltweit – Covid-19 als größte Herausforderung für die Aussichten der Schwellenländer überholt hat. Ganze 48 Prozent der Anleger nennen sie als Hauptrisiko.

Dies könnte die Befürchtung widerspiegeln, dass eine Reflation und eine potenzielle Rückführung der Anleihekäufe durch die Zentralbanken zu einem Ausverkauf von EM-Anlagen führen könnten, ähnlich dem „Taper Tantrum“ von 2013.

Asien als Stabilitätsanker

Laut Ulgen könnten diese Sorgen dennoch übertrieben sein: „Obwohl wir einen Anstieg der Volatilität an den Finanzmärkten nicht ausschließen, insbesondere, wenn sich die finanziellen Bedingungen aufgrund der Tapering-Entscheidungen verschärfen sollten, gibt es signifikante fundamentale Unterschiede. Diese könnten Emerging-Markets-Anlagen unserer Meinung nach bis zu einem gewissen Grad abschirmen.“

Aufgrund der aktuellen Unsicherheit scheint es Schwellenländeranleger wieder hin zur relativen Stabilität Asiens zu ziehen. Die Stimmung für diese Anlageregion bleibt über alle Anlageklassen hinweg positiv. Lateinamerika weist dagegen als einzige Region über alle Anlageklassen einen negativen Stimmungswert auf.

Inflationsanstieg als Übergangsphase

„Die Unsicherheit, die die Umfrage zutage gefördert hat, ist allerdings auch ein Luxusproblem“, erläutert Dr. Axel Cron, Chefanlagestratege bei HSBC Asset Management Deutschland. „Vor gerade mal einem Jahr haben wir vor allem darüber gesprochen, ob und wie schnell das Wachstum zurückkommt. Darüber redet heute kaum jemand mehr. Investoren sorgen sich derzeit mehr um eine Überhitzung der Wirtschaft und eine daraus resultierende höhere Inflation. Das gab es schon lange nicht mehr.“

Cron rät daher dazu, den Blick auf die längerfristigen Entwicklungen zu richten. „In den Jahren vor der Pandemie war ein geringes bis moderates Wachstum der Wirtschaft gekoppelt mit einer niedrigen Inflation der Normalzustand. Das hat uns alle entwöhnt. Jetzt schießen die Raten plötzlich in Höhen, die wir lange Zeit nicht gesehen haben. Angesichts dessen neigen die Anleger zu Überreaktionen und Fehlschlüssen. Doch das dürfte nur eine Übergangsphase sein. Spätestens dann, wenn sich mit Fortschreiten der Impfkampagne das weltweite Wachstum angleicht, dürfte sich die Stimmung wieder beruhigen.“

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