Schwellenmärkte „Nicht mit Kleingeld zufrieden geben – sondern in die Zukunft schauen“

Robert Marshall-Lee verantwortet bei der BNY Mellon Investment-Boutique Newton das Schwellenländergeschäft. Im Interview wirft er einen Blick auf die Branche, skizziert das aktuelle Investment-Umfeld und empfiehlt Anlegern, nicht vermeintlich schnellen Renditen nachzujagen, sondern – viel einträglicher – vorausschauend den Kapitalzuwachs zu planen.

08.06.2017 - 15:2709.06.17 - 09:05
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Studenten auf einer Jobmesse in Shenyang: Der privatwirtschaftliche Bildungssektor spielt eine immer größere Rolle in der Bildungspolitik Chinas
Studenten auf einer Jobmesse in Shenyang: Der privatwirtschaftliche Bildungssektor spielt eine immer größere Rolle in der Bildungspolitik Chinas© Getty Images

der fonds: Herr Marshall-Lee, mit Ihrem Team betreuen Sie den BNY Mellon Global Emerging Markets Fund. Warum könnte es sich derzeit wieder lohnen, in Schwellenmärkten zu investieren?

Robert Marshall-Lee: Wir müssen hier einige Punkte klarstellen: Im vergangenen Jahr sahen wir eine erneute Rally bei Rohstoffen. Diese hat sich jetzt wieder abgeschwächt, wie wir erwartet hatten. Die Wette auf steigende Rohstoffpreise erscheint uns derzeit nicht sonderlich interessant. Warum? Nach der Finanzkrise hatte China die Rohstoffnachfrage gestärkt. Diese Nachfrage hat aber mittlerweile stark nachgelassen. Dennoch ist das Rohstoffangebot reichlich vorhanden, so dass es unwahrscheinlich ist, dass die Preise nachhaltig steigen

China ist hier aber eine Ausnahme oder?

Marshall-Lee: Vorerst dürfte Chinas Verbrauch von Rohstoffen weiterhin hoch bleiben, das Land wächst derzeit mit immer noch rund 6 Prozent jährlich. Weil die Bevölkerung von China zunehmend reicher aber auch älter wird – ähnlich der Entwicklung in Westeuropa –, bieten sich im Reich der Mitte jedoch vor allem Engagements in der Konsumgüter- und Dienstleistungsindustrie an. Darüber hinaus sind wir in Internet, im Gesundheitswesen und im Bildungssektor investiert. Wir erwarten, dass es hier Unternehmen gibt, deren Gewinne jährlich 20, 40 und sogar 50 Prozent zulegen – und zwar auf Sicht vieler Jahre.