Schwellenmarkt China IWF fordert Privatisierungs-Offensive

China – Motor der Weltwirtschaft. Oder Antrieb der Vergangenheit? Statt Wachstumsrekorden beherrschen derzeit Skandale und schlechte Wirtschaftsdaten die Meldungen aus dem „Reich der Mitte“. IWF-Analysten fordern Pekings Führungsriege deshalb immer deutlicher auf, marode Staatsbetriebe in private Hände zu überführen.

12.09.2016 - 09:1912.09.16 - 09:39
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Ruhe in China? Derzeit nicht absehbar. Weit mehr als ein Jahrzehnt war das Mega-Reich im fernen Osten Motor der Weltwirtschaft. Mit Wachstumsraten, die jenseits des Vorstellbaren lagen, und einem entsprechenden Hunger nach Rohstoffen, Industrieausrüstung und Konsumgütern hielt die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt die globale Konjunktur im Takt.

Doch seit einiger Zeit stottert der Motor. Chinas Schulden sind rasant gewachsen. Im März kündigte Premierminister Li Keqiang als Ziel für 2016 ein Haushaltsdefizit von 2,18 Billionen Yuan an. Das ist das höchste Minus seit der Gründung der Volksrepublik im Jahr 1949. Analysten wittern bereits die nächste Finanzkrise. Weltwirtschaft und Aktienmärkte reagieren nervös.

Denn auch wenn Chinas Wirtschaft weiterhin wächst – Analysten des Internationalen Währungsfonds (IWF) rechnen für 2016 mit einer Wachstumsrate von 6,6 Prozent – so tut sie dies doch mit dem geringsten Wert seit einem Vierteljahrhundert.

Aus Regierungsberichten geht hervor, dass sich das Wachstum der Industriebetriebe im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat nur um sechs Prozent erhöht hat. Experten gingen von einem Wachstum von 6,3 Prozent aus. In der Einzelhandelsbranche und bei den Investitionen zeichnet sich ebenfalls keine Erholung ab: Der Umsatz im Einzelhandel lag im Juli laut der Regierung in Peking 10,2 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Das Investitionsvolumen stieg um 8,1 Prozent. Beide Raten liegen weit unter den Erwartungen.