Schutz des Vermögens Aufwärtspotenzial beim Goldpreis

Seit dem Höchststand im August 2020 haben viele Anleger das Interesse an Gold verloren. Das könnte ein Fehler sein. Welche Argumente für eine kurzfristige Erholung des Goldpreises sprechen, erklärt Alexander Posthoff, Senior Portfolio Manager bei Bantleon.

22.03.2021, aktualisiert 25.03.2021 - 09:4425.03.21 - 09:44
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Paletten mit Goldbarren im Tresor eines Bankhauses
Paletten mit Goldbarren im Tresor eines Bankhauses: Gold bleibt langfristig ein wichtiger Sicherheitsanker in einer ausgewogenen Asset-Allokation© IMAGO / Newscast

Der Goldpreis erreichte im August 2020 ein neues Allzeithoch von 2075 US-Dollar je Unze. Ausschlaggebend waren eine Reihe von Faktoren: Die gestiegene Risikoaversion im Zuge der Corona-Pandemie, die Liquiditätsschwemme der Notenbanken und die damit verbundenen niedrigen Zinsniveaus. Im zweiten Halbjahr ging die Risikoaversion der Investoren dann merklich zurück und machte einer Euphorie bei Aktien und anderen Risikoanlagen Platz. In der Folge rutschte der Goldpreis bis auf 1676 US-Dollar ab und hat sich seitdem oberhalb der Marke von 1700 US-Dollar eingependelt.

Wie geht es weiter?

Generell ist bekannt, dass ein sehr enger Zusammenhang zwischen dem allgemeinen Zinsniveau, der Inflationsrate und dem Goldpreis besteht: Fallende oder negative Realzinsen, stützen den Goldpreis. Die Realzinsen ergeben sich dabei aus der Rendite lang laufender Staatsanleihen abzüglich der Inflationsrate. Genau dieser Zusammenhang war allerdings die Ursache dafür, dass der Goldpreis zuletzt sank. Denn seit Juli 2020 fielen die Realzinsen nicht mehr, sondern tendierten seitwärts und zuletzt – besonders seit Mitte Februar 2021 – sogar aufwärts. Deshalb führten die steigenden nominalen Renditen bei US-Staatsanleihen zu anziehenden realen Renditen und damit zu einer neuen Dynamik beim Goldpreisrückgang.

Daran dürfte sich auch bis Ende 2021 nichts ändern: „Tendenziell ist mit weiter steigenden Renditen zu rechnen, weshalb die Realzinsen von ihrem historisch niedrigen Niveau langsam nach oben klettern sollten. Das bedeutet weiteren Gegenwind für den Goldpreis“, erklärt Posthoff.

Allerdings gibt es gleichzeitig auch einige Argumente, die für eine kurzfristige Erholung des Goldpreises sprechen. „Denn die Zentralbanken beobachten den Zinsanstieg sehr genau und die EZB deutete jüngst an, dass sie kein Interesse an unkontrolliert steigenden Zinsen in der Eurozone hat. Auch die Fed bestätigte, an der aktuellen Niedrigzinspolitik festzuhalten. Daher wäre eine Verschnaufpause bei den Renditen denkbar – ein gutes Umfeld für moderat steigende Goldnotierungen.“

Hinzu kommt, dass die Inflation weiter leicht steigen dürfte, weshalb der Realzins zumindest kurzfristig nicht weiter anziehen sollte. Darüber hinaus sprechen technische Faktoren für eine Erholung des Goldpreises, denn die weltweiten ETF-Volumina sind auf den niedrigsten Stand seit Juni 2020 gesunken. Damit ist auch die Risikoaversion des vergangenen Jahres weitgehend ausgepreist.

Plötzlich auftretende Rückschläge an den Finanzmärkten könnten somit wieder zu einer Flucht in die sicheren Häfen führen, zu denen auch Gold zählt. Bei dieser komplexen Gemengelage sind Kursprognosen allerdings noch schwieriger als sonst. „Tritt die Unterstützung durch die beschriebenen Faktoren ein, so ist ein Goldpreis von etwa 1.850 US-Dollar bis zum Sommer jedoch möglich.“

Kryptowährungen – das neue Gold?

Ob der kometenhafte Aufstieg der Kryptowährungen dem gelben Edelmetall schadet, ist unklar. Zwar werden Bitcoin und Co gelegentlich als das neue digitale Gold bezeichnet, aber diese Aussage darf bezweifelt werden. Denn obwohl Gold genau wie die Kryptowährungen keinen Ertrag bringt, hat es immerhin einen praktischen Nutzen: In vielen industriellen Anwendungen und in der Schmuckindustrie ist es nicht zu ersetzen. Und während Anleger Gold seit Jahrhunderten zum Schutz ihres Vermögens einsetzen, betrachten sie Kryptowährungen häufig als rein spekulative Anlage.

Langfristig bleibt Gold als Sicherheitsanker also ein wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen Asset-Allokation. Denn neben den oben genannten ist ein Treiber für den Goldpreis aktuell in Vergessenheit geraten: Die Zentralbanken haben sich 2020 mit Käufen zurückgehalten. War in den vergangenen Jahren vornehmlich ein Goldabfluss in Richtung Asien zu beobachten, so dürfte das Interesse an einem Ausbau der Goldreserven inzwischen weiter verbreitet sein. Auch deshalb könnte der Goldpreis in den kommenden Jahren wieder auf ein neues Allzeithoch zusteuern.