ESG-FaktorenFünf Aktien für Social Empowerment

Anleger, Politiker und Unternehmer realisieren, dass es höchste Zeit ist, nachhaltiger zu handeln. In den vergangenen Jahren standen vor allem Umweltaspekte im Vordergrund. Die Nordea-Portfoliomanager Thomas Sørensen und Olutayo Osunkunle sind jedoch überzeugt, dass es nun an der Zeit ist, soziale Komponenten in den Fokus zu rücken.

20.07.2021 - 14:40 Uhr20.07.21 14:40
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Online-Sprechstunde beim Arzt
Online-Sprechstunde beim Arzt: Telemedizin kann dazu beitragen, das staatliche Gesundheitssystem zu entlasten und die Gesundheitsversorgung in schwer zugänglichen Regionen zu verbessern© IMAGO / MASKOT

„Es ist eine natürliche Entwicklung, dass wir anfangen, die sozialen Herausforderungen umfassender zu betrachten und darüber nachdenken, wie wir zur Entwicklung einer integrativen und grünen Wirtschaft beitragen können“, erklärt Thomas Sørensen, Portfoliomanager bei Nordea Asset Management. Dabei gehe es unter anderem um die Frage, wie Unternehmen ihre Mitarbeiter und andere an der Lieferkette beteiligte Menschen behandeln.

„Das ‚S‘ in ESG sollte sich nicht darauf beschränken, den Schaden möglichst gering zu halten, sondern vielmehr darauf abzielen, die Gesellschaft zum Guten zu verändern. Indem beispielsweise der Zugang zum Arbeitsmarkt oder zum Gesundheitssystem verbessert wird“, sagt Olutayo Osunkunle, Portfoliomanager bei Nordea Asset Management.

„Beim Umweltschutz hat sich bereits gezeigt, was mit der gezielten Allokation von Kapital erreicht werden kann“, sagt Sørensen. „Wir sind deshalb fest davon überzeugt, dass innovative Ansätze im sozialen Bereich ein ebenso großes Potenzial entfalten.“ Der wirtschaftliche Aspekt sei dabei ein wichtiger Teil der Strategie. „Das Investment in Unternehmen, die Lösungen finden, funktioniert nur, wenn diese auch wirtschaftlich sinnvoll sind. Sobald eine Lösung kosteneffektiv ist, wird die Übernahme zur Selbstverständlichkeit – was sowohl dem Planeten als auch dem Hersteller und damit auch dem Investor zugutekommt“, so Sørensen.

Die beiden Portfoliomanager stellen fünf Unternehmen vor, die eine Vorreiterrolle beim Thema Social Empowerment einnehmen:

Bezahlbares Wohnen

Die LEG Immobilien AG ist als Vermieter von Wohnungen zu fairen Mieten ausschließlich am deutschen Markt engagiert, der sich durch extrem hohe Nachfrage und ein viel zu knappes Angebot an erschwinglichem Wohnraum auszeichnet. Das Unternehmen hat in diesem Marktsegment einen Anteil von 10 Prozent und verlangt im Durchschnitt 30 Prozent niedrigere Mieten bei geringeren Mietpreissteigerungen. „Trotz der vergleichsweise niedrigen Renditen ist das Unternehmen als sehr solide einzustufen und glänzt mit einem attraktiven Risiko-Rendite-Profil“, weiß Osunkunle.

Finanzielle Inklusion

Safaricom zählt als größter Telekommunikationsanbieter in Kenia zu den profitabelsten Unternehmen in Ost- und Zentralafrika. Da nur 12 Prozent der kenianischen Bevölkerung Zugang zu festem Breitbandinternet haben, nutzen die meisten Kenianer ihr Smartphone, um online zu gehen. „Hinzu kommt, dass nicht einmal 40 Prozent der Einwohner Kenias über ein Bankkonto verfügen“, sagt Osunkunle. „Der von Safaricom entwickelte mobile Zahlungsdienst M-Pesa schafft hier Abhilfe und leistet somit einen wesentlichen Beitrag zur finanziellen Inklusion.“

Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen

Die Plattform Ping An Good Doctor ging 2015 an den Start und ist mit 300 Millionen registrierten Nutzern (rund 21,5 Prozent der chinesischen Bevölkerung) bereits das größte Online-Gesundheitsportal Chinas. Patienten profitieren hier sieben Tage die Woche rund um die Uhr von online bereitgestellten medizinischen Dienstleistungen, einer E-Commerce-Plattform für Gesundheitsprodukte und Consumer-Healthcare-Dienstleistungen.

„Die Kombination aus einem internen Medizinerteam und modernster KI-Technologie macht das Angebot so einzigartig“, erklärt Sørensen. Mehr als 500 Millionen Chinesen leben in ländlichen Regionen, wo der Zugang zu Gesundheitseinrichtungen oft begrenzt ist. Die Plattform trage dazu bei, das staatliche Gesundheitssystem zu entlasten und zugleich die Gesundheitsversorgung in schwer zugänglichen Teilen des Landes zu verbessern.

Buchhaltungssoftware für kleine und mittelgroße Unternehmen

Das neuseeländische Technologieunternehmen Xero möchte mit seiner cloudbasierten Buchhaltungssoftware kleinen und mittelgroßen Unternehmen helfen, ihre Finanzen zu organisieren und so nicht nur Zeit und Kosten zu sparen, sondern auch die Produktivität zu verbessern.

„Bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen ist der Einsatz von Technologielösungen zur Verbesserung von Geschäftsprozessen im Vergleich zu Großunternehmen eher gering“, weiß Osunkunle. „Unternehmen dieser Größenordnung spielen im weltwirtschaftlichen Gefüge jedoch eine zentrale Rolle, da sie Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge für rund 50 Prozent der Arbeitsplätze verantwortlich sind.“

Kleinkredite

Als zweitgrößte Bank Indonesiens zählt Bank Rakyat zu den erfolgreichsten Mikrofinanzinstituten der Welt. „Da weite Teile der Bevölkerung in Indonesien keinen Zugang zu einem Bankkonto haben, sind viele Familien auf Kleinkredite angewiesen, um eigene Kleinbetriebe zu gründen und erfolgreich zu betreiben“, erläutert Sørensen.

„Bank Rakyat kann Darlehen zu bezahlbaren Konditionen gewähren, weil ihre Quote an notleidenden Krediten im Vergleich zu herkömmlichen Bankfinanzierungen sehr gering ist.“ Nutznießer seien nicht nur die Bank selbst und ihre Anleger, sondern auch die Gesellschaft als Ganzes.