Realzinsen auf Rekordtief Sparen ist teuer wie nie zuvor

Berücksichtigt man die Inflation, sind die Sparzinsen tief im roten Bereich. Ist Besserung in Sicht? Nein, sagt Ivan Mlinaric, Geschäftsführer bei Quant.Capital Management. In Europa sind steigende Zinsen in den kommenden Monaten nicht zu erwarten.

15.11.2021 - 16:4516.11.21 - 09:24
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Geld abheben
Geld abheben: Die Hoffnung auf steigende Zinsen ist unbegründet© Imago Images / ecomedia/robert fishman

Die Realzinsen, also die Zinsen nach Abzug der Inflation, lagen im Oktober bei minus 4,4 Prozent und damit niedriger als je zuvor. Besserung ist nicht in Sicht: „Unsere Inflationsprognose und die Daten der Bundesbank zeigen einen eindeutigen Trend nach unten, der sich auch noch weiter fortsetzen wird“, sagt Ivan Mlinaric, Geschäftsführer von Quant.Capital Management. Angesichts der europaweit diskutierten Ausweitung der Neuverschuldung oder auch gemeinsamer europäischer Schulden sei nicht zu erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen bald spürbar anhebt.

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„Die Euro-Staaten haben von den niedrigen Zinsen sehr profitiert und durch Umschuldungen ihre Schuldenlast sowohl getreckt als auch die Zinslast verringert“, sagt Mlinaric. Er rechnet sogar damit, dass die Schuldenberge weiter wachsen: Für den klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft und die Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie dürften sich viele Länder noch mehr Geld leihen. „Es ist zu erwarten, dass dafür weitere Schulden aufgenommen werden“, so Mlinaric. „Das erhöht den Druck auf die EZB, die Zinsen noch möglichst lange niedrig zu halten.“

Längere Phasen negativer Realzinsen seien historisch betrachtet keine Seltenheit. „Wir erwarten, dass die aktuelle Phase negativer Zinsen uns noch über viele Monate erhalten bleiben wird“, sagt Mlinaric. Selbst in der Vergangenheit haben solche Phasen oft mehrere Jahre gedauert. „Was allerdings derzeit die Sparer stärker denn je belastet, ist die Höhe der Negativzinsen.“ Mlinaric warnt: „Dauert diese Phase länger als ein Jahr an, wird der Verlust an Kaufkraft auf die gesamte Wirtschaft durchschlagen.“

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