Stimmen von Analysten zur britischen Parlamentswahl Big Ben tickt lauter

Als Ergebnis der Wahl dürfte das britische Pfund abwerten. Steigende Staatsausgaben und eine anziehende Inflation sind zu erwarten. Ein harter Brexit wird wegen des politischen Patts wahrscheinlich. Vorgezogene Neuwahlen zum Jahreswechsel 2018/19 sind denkbar.

09.06.2017 - 10:5509.06.17 - 12:00
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TV-Kamera am Morgen des 9. Juni 2017 vor dem Amtssitz von Theresa May in London: Die Tories haben die absolute Mehrheit verloren
TV-Kamera am Morgen des 9. Juni 2017 vor dem Amtssitz von Theresa May in London: Die Tories haben die absolute Mehrheit verloren© Getty Images

Statt 2020 haben die Parlamentswahlen in Großbritannien nach dem Willen von Tory-Chefin Theresa May nun gestern stattgefunden – und es wurde für sie ein Fiasko. Angesetzt hatte May die Wahlen im Wissen um einen Vorsprung der Tories von rund 20 Prozent zur nächststärksten Kraft in Großbritannien. Dieser Vorsprung hat sich nun als null und nichtig erwiesen: Die konservative Partei von Premierministerin May verliert die absolute Mehrheit im britischen Unterhaus. Es droht ein „Hung Parliament“ und ein politisches Patt. Die Tories müssen nun alles daran setzen, eine Koalition zu bilden oder eine Minderheitsregierung zu stellen.

Jeremy Corbyn, Chef der Labour Party, forderte die Regierungschefin zum Rücktritt auf. May habe „Wählerstimmen, Rückhalt und Vertrauen verloren“, sagte der Labour-Chef nach der Wahl. Trotz der knapp verpassten Mehrheit sind die erheblichen Stimmenzuwächse für Labour ein Erfolg, der Corbyn nicht zugetraut worden war.

Die politische Unsicherheit ist zurück

Wie reagiert die Finanzbranche auf das politische Patt in Großbritannien? Wie gehen Analysten mit der neuen Unsicherheit um? Und was bedeutet das „Hung Parliament“ für die anstehenden EU-Austrittsverhandlungen?

Azad Zangana, Senior European Economist bei Schroders, kommt zu der Einschätzung: „Ein verheerendes Ergebnis für die Conservative Party, das Fragen nach der Zukunft von Theresa May als Premierministerin aufwirft. Als aber immer noch größte Partei nach den Wahlen dürften die Konservativen weiterhin die Regierungsgeschäfte leiten, wenn auch als Minderheitsregierung, womit sie auf Gedeih und Verderb von der Unterstützung der Opposition im Parlament abhängig sind. Wir haben es also mit einer geschwächten Regierung zu tun, die Zugeständnisse machen muss und sogar bei den kleinsten Änderungen in der Gesetzgebung auf einen gemeinsamen Nenner mit der Opposition kommen muss.“