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Alan Greenspan (l.) mit Journalistin Andrea Mitchell und Schauspieler Morgan Freeman bei einer Gala am 1. November 2017: Das Zinsrätsel ist zurück

„Straffungsparadox“ BIZ warnt Märkte vor gefährlichem Gleichmut

Claudio Borio von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat Grund zur Sorge: Trotz Zinsstraffung kennen die Finanzmärkte kein Halten mehr. Parallelen zum Jahr 2005 sind für ihn unübersehbar.

04.12.2017 - 11:52 Uhr | Von:  in Märkte

Viele Marktteilnehmer reiben sich verwundert die Augen: Obwohl viele Zentralbanken eine Straffung ihrer Geldpolitik einleiten oder zumindest in Aussicht gestellt haben, zeigen die Finanzmärkte keinerlei Reaktion – sie haben offenbar eine unaufhaltsame Eigendynamik entwickelt. Der Gleichmut der Marktteilnehmer äußert sich in boomenden Börsen und einer beharrlich niedrigen Volatilität. Der Volatilitätsindex für den S&P 500 (S&P 500 VIX Index) ist Anfang Oktober auf den historisch extrem niedrigen Wert von 9 Punkten gefallen und liegt derzeit bei 11 Punkten. Die Anleiherenditen wiederum können sich von ihrem niedrigen Niveau nicht lösen.

Experten vor einem neuen Zinsrätsel

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Dachorganisation der Notenbanken, spricht in ihrem am 3. Dezember veröffentlichten Quartalsbericht von einem „Straffungsparadox“: Die Finanzierungsbedingungen haben sich trotz des Anziehens der geldpolitischen Zügel auch 2017 weiter gelockert.

Claudio Borio, Chefvolkswirt der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), hat sich über die Gründe Gedanken gemacht. Seiner Einschätzung nach weist das Straffungsparadox Parallelen zum  „Zinsrätsel“ aus dem Jahr 2005 aus. Damals bewegten sich die Langfristzinsen nur wenig, obwohl die Fed unter Alan Greenspan (Fed-Chef von 1987 bis 2006) ihre Leitzinsen schrittweise erhöhte: Erst acht Zinsschritte und zwölf Monate später zeigte sich eine gewisse Reaktion an den Bondmärkten.

Marktteilnehmer erklärten das Phänomen mit der Globalisierung und der Demographie. Diese Faktoren wurden schon damals als die entscheidenden strukturellen Ursachen der niedrigen Kapitalmarktzinsen angesehen. Borio zufolge kam damals jedoch noch etwas hinzu, was die Marktteilnehmer einlullte: Ein Mix aus Gradualismus und Vorhersehbarkeit der Fed-Zinsschritte sorgten für die Wirkungslosigkeit der geldpolitischen Straffung der USA.

Auch heute setzt die Fed alles daran, ihre Zinsschritte den Marktteilnehmern behutsam anzukündigen. Janet Yellen sprach vor einigen Monaten von einem ereignislosen Vorgehen der Fed, das „Farbe beim Trocknen zuzusehen“ ähnele. Heute wie im Jahr 2005 sollen die Marktteilnehmer kein böses Erwachen erleben.