Swisscanto-Experte Gerhard Wagner „Mit Nachhaltigkeitsfonds haben Anleger keinerlei Nachteile“

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Nachhaltige Fonds bringen weniger Rendite als konventionelle Anlageprodukte, munkelt man in der Finanzbranche. Swisscanto-Experte Gerhard Wagner räumt im Interview mit diesem Gerücht auf und verrät, was bei Investitionsprojekten zu beachten ist.

28.06.2017 - 17:2029.06.17 - 12:02
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Dr. Gerhard Wagner, Leiter des Bereichs ESG Solutions im Asset Management der Zürcher Kantonalbank
Dr. Gerhard Wagner, Leiter des Bereichs ESG Solutions im Asset Management der Zürcher Kantonalbank

der fonds: Herr Wagner, erst mal eine allgemeine Frage zur Klimapolitik: Donald Trump hat den Pariser Vertrag gekündigt. Was bedeutet das für nachhaltige Investments?

Gerhard Wagner: Klimapolitik ist heute langfristig angelegt. Das Zwei-Grad-Ziel soll bis zum Jahr 2050 erreicht werden. Trump wird die politische Bühne wahrscheinlich in vier oder fünf Jahren wieder verlassen. Seine Agenda hat also keinen allzu großen Einfluss. In einem Fall wird es aber gefährlich: Wenn andere Länder dem US-Kurs folgen.

Trump plant außerdem weitreichende Infrastrukturinvestments – die entsprechenden Märkte dürften davon profitieren. Welche Segmente sind hier für die Nachhaltigkeitsfonds von Swisscanto interessant?

Wagner: Wir haben ein Auge auf die Wasserinfrastruktur der USA geworfen. Hier wurde über Jahrzehnte hinweg zu wenig investiert. Wenn Trump entsprechende Programme aufsetzt, ergeben sich sicher Chancen. Es ist allerdings unklar, ob etwas in der Richtung geschehen wird. Wir warten erst einmal ab.

Auch Emmanuel Macron hat Pläne für den Energiesektor: Im Gegensatz zu Trump will er die Energiewende aber vorantreiben. Welche Auswirkungen erwarten Sie von dieser Politikrichtung?

Wagner: Emmanuel Macron ist unseres Erachtens nach ein Politiker, der stark auf nachhaltige Wirtschaftskonzepte setzt und die ‚Old Economy‘ hinter sich lässt. Deshalb beobachten wir seine Politik genau. Wir wollen herausfinden, welchen Unternehmen seine Agenda nützt und gegebenenfalls investieren. Es ist aber noch zu früh, konkrete Schlüsse zu ziehen. Macron ist noch nicht lange im Amt.

Nachhaltigkeit ist auch ein zentrales Thema des neuen Fünf-Jahresplans der chinesischen Regierung. Wo investieren Sie in China?

Wagner: Mit dem Swisscanto (LU) Equity Fund Green Invest Emerging Markets investieren wir in den chinesischen  Gesundheits- und Umweltsektor. Der Zugang zu Versicherungen und Bildung ist ein wichtiges Thema. Im Umweltsektor stehen schadstoffarme Energieerzeugung, Abfallwirtschaft, Wasserwirtschaft und Elektromobilität im Mittelpunkt des Anlegerinteresses.

Können Sie ein Investitionsbeispiel aus dem Bildungsbereich nennen?

Wagner: Wir investieren in China zum Beispiel in die New Oriental Education & Technology Group. Das Unternehmen bietet neben Sprach- und Informatikseminaren Vorbereitungskurse für Universitäten. Außerdem sind wir an der Beijing Enterprises Water Group beteiligt. Die Firma bereitet Abwasser in großen Städten auf. Der Investitionsbedarf ist sehr hoch –  Chinas Wasserinfrastruktur ist marode.