Deutliche Kursrücksetzer Technologieaktien zwischen Himmel und Hölle

Der Börsenaufschwung der vergangenen Jahre wurde maßgeblich von den großen Technologiekonzernen angetrieben. Die Corona-Pandemie hat die Digitalisierung weltweit zusätzlich massiv beschleunigt. Zuletzt geriet die Technologiebranche aber stark unter Druck. Was ist passiert und wie geht’s weiter?

18.01.2022 - 16:0018.01.22 - 18:25
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Konterfei von Beethoven
Konterfei von Beethoven: Eine künstliche Intelligenz hat die 10. Sinfonie des Komponisten vollendet© Imago Images / Future Image

Starke Firmen, innovative Geschäftsmodelle und immer neue Rekorde: Die Kurse an der US-Technologiebörse Nasdaq schienen lange nur eine Richtung zu kennen – aufwärts. Der Nasdaq-100 Index, der die wichtigsten Firmen der Technologiebranche zusammenfasst, hat wichtige Kursbarometer wie den Dax oder den Weltaktienindex MSCI World in Sachen Performance in den vergangenen zwölf Jahren in den Schatten gestellt.

Vor allem die sogenannten FAANG-Aktien, also Meta Platforms (ehemals Facebook), Apple, Amazon, Netflix und Google haben die Wertenwicklung angetrieben. Die Entwicklung im Techsektor verläuft so rasant wie in keiner anderen Branche. Das Metaverse ist in aller Munde, etablierte Social-Media-Plattformen sehen sich mit schnell wachsenden Konkurrenten wie TikTok konfrontiert. Und Technologien wie 3D-Druck oder Blockchain schreiten voran. Kurz: Was noch vor wenigen Jahren als Science-Fiction galt, ist heute Realität. Und was heute kaum vorstellbar scheint, ist morgen vielleicht schon möglich.

Technologie spielt für viele Branche eine Rolle

Technologie-Unternehmen treiben auch künftig den Fortschritt branchenübergreifend voran. Profitiert haben lange Zeit Manager:innen wie Starinvestorin Cathie Wood, die sich dem disruptiven Wandel verschrieben hatten. Die US-amerikanische Investorin und Gründerin von Ark Invest galt noch vor Kurzem als beste Investorin der Welt. Ihr ARK Innovation ETF, der die rechtlichen Voraussetzungen für den Handel in Deutschland nicht erfüllt, zog meilenweit an der Nasdaq vorbei: Dank des Aufstiegs von Unternehmen wie Salesforce, Square oder Tesla, die sie im Portfolio hatte.

Im vergangenen Jahr aber verlor ihr ETF deutlich an Wert. Das Phänomen der „Mean Reversion“, also die Rückkehr weitgelaufener Aktien zum Mittelwert, holte sie vom Investorenhimmel auf den Boden der Tatsachen zurück. Die Rotation zu Substanzaktien macht Woods Portfolio zu schaffen: Ihr ETF verlor im vergangenen Jahr 24 Prozent, auf Sicht eines Monats 15 Prozent an Wert.

BIT-Global Internet Leaders: Nach starken Gewinnen zuletzt schwach

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Serienunternehmer und Investor Jan Beckers. Auch sein Fonds lag lange vor der Nasdaq. Der gebürtige Münsteraner hat 25 Internetunternehmen mitbegründet und investiert in sogenannte High-Growth-Aktien, darunter viele Nebenwerte technologiegetriebener Zukunftsbranchen aus den USA und China. Zudem wirft Beckers ein Auge auf Fintechs und Unternehmen rund um die Blockchain-Technologie.

Quelle Fondsdaten: FWW 2022

Mit dem Fokus auf 30 bis 60 innovative Unternehmen gehörte sein Flaggschiff, der BIT - Global Internet Leaders (ISIN: DE000A2N8127) lange Zeit zu den besten europäischen Aktienfonds überhaupt. Von der Fondsauflage Anfang 2019 bis zu seinem Allzeithoch rund zwei Jahre später gelang dem Manager eine sagenhafte Wertentwicklung von 500 Prozent Plus! Anleger:innen  pumpten daraufhin Milliarden in die Fonds der Berliner Gesellschaft.

Beckers sieht Einstiegschancen bei Technologieaktien

Ab Mitte 2021 aber kippte der Trend und der negative Lauf beschleunigte sich ab November deutlich. Allein in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres ist das Tech-Portfolio mit einem Minus von 35 Prozent regelrecht abgestürzt. Der Grund: Investoren setzen angesichts hoher Inflation und der bevorstehenden Zinswende lieber auf günstige Value-Titel und Zykliker, deren heutige Cashflows im Umfeld steigender Zinsen mehr wert sind als Gewinne in ferner Zukunft.

Der dramatische Kursverfall weckt Erinnerungen an die Dotcom-Blase. Kurt Ochner und Wassili Papas waren im Jahr 2000 ähnlich populär und galten als die Gurus des Neuen Marktes. Mit ihren Fonds erzielten sie exorbitant hohe Gewinne in ähnlicher Geschwindigkeit und Größenordnung, die mit dem Platzen der damaligen Blase in Verlusten von über 90 Prozent mündeten. Sie investierten in Aktien, die für die damalige New Economy standen und denen unbegrenztes Wachstum prophezeit wurde. Sprachen die Manager von den Chancen des Internets, klang das in den Ohren renditehungriger Anleger sehr überzeugend.

Seltene Einstiegschance in der Technologiebranche

Auch Beckers verbreitet Optimismus. Wie er in seinem Anlegerschreiben Mitte Januar informierte, investiert er einen zweistelligen Millionenbetrag mit der Begründung: „Die aktuellen Kursrückgänge sind für uns eine selten günstige Einstiegschance und wir sehen mehr als 30 Unternehmen, die über ein Kurspotenzial von mehr als 100 Prozent in den nächsten Jahren verfügen. Einzelne Titel, in die wir investieren, haben trotz solidem Wachstum ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter vier, das heißt, sie benötigen weniger als vier Jahre um ihren gesamten Unternehmenswert durch die aktuellen Gewinne zu erwirtschaften.“

Was er schreibt, skizziert ein Stück weit den Unterschied zur Jahrtausendwende: Damals basierten Prognosen auf Versprechen und frommen Wünschen statt auf realistischen Geschäftsmodellen. Bei zahlreichen heutigen Technologiefirmen stehen hinter den Kurszuwächsen hingegen echte Gewinne. Viele der zuletzt unter Druck geratenen Wachstumsunternehmen dürften sich daher früher oder später wieder erholen.

Die Sigavest Vermögensverwaltung zeigt sich von Beckers‘ Fonds weiter überzeugt: „Wir trauen Jan Beckers zu, auch in schwierigerem Fahrwasser sein Portfolio so zu steuern, dass er damit wieder in die Erfolgsspur kommt,“ sagt Dachfondsmanager Guido Hoheisel zu derfonds.com. Die Berliner Vermögensverwalter sind mit ihrem Sigavest Vermögensverwaltungsfonds (ISIN: DE000A0MZ317) seit Mai 2020 investiert und haben ihre Position angesichts steigender Kurse mehrfach reduziert und Gewinne mitgenommen.

Threadneedle Global Technology: Technologie-Alternative mit Momentum

Zu den besten Technologie-Fonds auf Sicht eines Jahres und insbesondere der vergangenen Monate zählt der Threadneedle Global Technology (ISIN: LU0444971666). Während die Fonds von BIT-Capital und ARK Invest im letzten Quartal 2021 mit ihrer aggressiven Strategie nahezu ein Drittel an Wert verloren haben, legte der von Paul Wick gemanagte Fonds in diesem Zeitraum fast 13 Prozent zu.

Dabei zeigt sich, dass der Technologiebereich ein sehr breit gefächertes Anlagesegment und alles andere als eine homogene Branche ist. Wick ist ein sehr erfahrener Manager, der bereits seit 1987 im Technologiesektor nach aussichtsreichen Aktien Ausschau hält. Zusammen mit seinem 13-köpfigen Team sucht er vom Silicon Valley und New York aus anhand fundamentaler Analysen nach technologischen Trends und Firmen, die bislang aus seiner Sicht vom Markt vernachlässigt wurden.

Quelle Fondsdaten: FWW 2022

„Wir weichen sehr stark von der Benchmark ab und zeigen unsere Stärke als aktiver Asset-Manager. In das Portfolio kaufen wir maximal 55 bis 75 Titel, allein die Top-10-Positionen machen über 40 Prozent aus“, erklärt Florian Preissler, Sales Manager bei Threadneedle, die Strategie im Gespräch mit fondsdiscount.de. Zu den Schwergewichten im Portfolio zählen der Halbleiterspezialist Lam Research sowie Apple und Alphabet. Geografisch liegt der Fokus mit 94 Prozent klar auf den USA. Auch auf der Langstrecke zeigt der Fonds, dass er zu den Besten zählt: Seit Auflage im März 2010 kratzt Wicks Portfolio an der 800-Prozentmarke.

Gehört Technologie weiterhin ins Depot?

Trotz der jüngsten Kursrücksetzer: Ohne Technologiewerte im Portfolio geht’s nicht – das findet zumindest Wolfgang Habermayer. Der Gründer und Geschäftsführer von Merito Financial Solutions hält es für „undenkbar“, den Technologiesektor auszusparen. Die Pandemie habe den technologischen Wandel und den Strukturwandel beschleunigt. Nicht nur, was Klimawandel und Metaverse betreffe: In allen Bereichen sei Technologie gefragt, sagte er gegenüber presse.com.

Hinweis: Es handelt sich hierbei um keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung. Die Geldanlage am Kapitalmarkt ist mit Risiken verbunden. Aus Wertentwicklungen in der Vergangenheit lässt sich nicht auf künftige Wertentwicklungen schließen. Quelle Fondsdaten: FWW (2022). Bitte beachte die Hinweise unter: https://www.issgovernance.com/iss-fww-disclaimer/ (Haftungsausschluss). Für Inhalte und Richtigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Stand der Daten: 18. Januar 2022.