Thomas Kirchmair im Interview „Investoren kommen an Schwellenländern nicht vorbei“

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Thomas Kirchmair, Fondsmanager des Swisscanto (LU) Bond Fund Global Credit Opportunities, spricht im Interview über Chancen in Argentinien, Brasilien & Co. und richtige Antworten auf turbulente Märkte.

06.06.2017 - 08:4006.06.17 - 08:41
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Karneval in Rio de Janeiro. Brasilien bietet trotz der Krise um Präsident Michel Temer Anlagechancen.
Karneval in Rio de Janeiro. Brasilien bietet trotz der Krise um Präsident Michel Temer Anlagechancen.© Pixabay

der fonds: Durch die Rally am europäischen Aktienmarkt konnten Anleger zuletzt Gewinne einstreichen. Da stellt sich die Frage: Wohin fließt das Geld nun? Sind Schwellenländer eine attraktive Investitionsmöglichkeit?

Thomas Kirchmair: Im aktuellen Marktumfeld bieten sich Investitionen in Schwellenländer an. Aktien sind dort im Vergleich zu ihren US-Pendants günstig bewertet. Und Anleihen sind aufgrund des vorsichtigen Zinszyklus der US-Notenbank attraktiv. Auch das global robuste Wachstum stützt die Märkte.

Besonders für langfristig orientierte Investoren führt kein Weg daran vorbei, zumal sich die meisten Länder in einer besseren Verfassung befinden als vor der letzten Finanzkrise. Das sieht man auch an den Kapitalzuflüssen, die im laufenden Jahr sehr positiv auf die Region gewirkt haben. Als gutes Zeichen werten wir die gesunkenen Ansteckungsgefahren aus Krisen wie kürzlich in Brasilien, die nicht mehr so hoch sind wie in der Vergangenheit. Der Markt hat gelernt zu diversifizieren.

Schwellenländer-Mischfonds haben seit Jahresbeginn eine Rendite von 6,41 Prozent erzielt. Die Wachstumsprognose für Schwellenländer liegt bei 3,4 Prozent. Bleiben sie im weiteren Jahresverlauf empfehlenswert?

Kirchmair: Anleger sollten beachten, dass die politische Unsicherheit global zugenommen hat und sich die Volatilitäten in allen Asset-Klassen trotzdem nahe der historischen Tiefs befinden. Die politische Krise rund um den brasilianischen Präsidenten Michel Temer hat gezeigt, dass schlechte Neuigkeiten große Kursbewegungen auslösen können. Auch die Lösung der Kreditblase in China macht uns Sorgen. Wir empfehlen, Anteile an Schwellenland-Assets schwach zu kaufen, aber dem Markt nicht nachzulaufen.

In welchen Regionen sehen Sie besonders große Chancen?

Kirchmair: Nach der heftigen Korrektur in Brasilien sehen wir dort nach wie vor interessante Investitionsmöglichkeiten. Wir gehen davon aus, dass sich der Reformprozess zwar verzögert, aber am Ende aufrechterhalten wird. Argentinische Wertpapiere bieten ebenfalls Chancen. Außerdem sollten Anleger sich in Indonesien umsehen. Das Land wurde kürzlich in den Investmentgradebereich hochgestuft. Wir sehen dort wie in Indien und Russland am lokalen Anleihenmarkt Chancen. Generell gilt: Wir streuen unsere Investitionen breit und versuchen uns mit Anlagen in Unternehmen aus Schwellenländern vom weiter fortgeschrittenen Kreditzyklus der USA unabhängig zu machen. So haben wir beispielsweise hochverzinsliche Anleihen eines Infrastrukturunternehmens aus Buenos Aires ins Portfolio aufgenommen. In Südafrika investieren wir in den größten lokalen Versorger und in der Ukraine konzentrieren wir uns auf Unternehmen aus dem Agrarsektor mit hoher Exportquote.