Trump oder Biden? Was Investoren nach der US-Wahl erwartet

Was können Investoren von den beiden Präsidentschaftskandidaten und von einer neuen Zusammensetzung des Kongresses erwarten? Wie wird sich die Unternehmens- und Börsenstimmung verändern? Randeep Somel, Portfoliomanager bei M&G Investments, bezieht Stellung.

07.10.2020 - 14:4407.10.20 - 17:09
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TV-Duell zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten
TV-Duell zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten: US-Wahlen dürften für Volatilität an den Aktienmärkten sorgen© imago images / UPI Photo

Zum Thema Steuern: Die Demokraten sind eher die Partei der hohen Steuern und Ausgaben. Um fiskalische Anreize zu finanzieren, ist das Ziel der von Joe Biden vorgeschlagenen Steuererhöhungen, etwa 3,2 Billionen US-Dollar über zehn Jahre aufzubringen. Die Lohnsteuern für die Sozialversicherung würden steigen, der Spitzensteuersatz der Einkommenssteuer sich von 37 Prozent auf 39,6 Prozent erhöhen, die Körperschaftssteuer von 21 Prozent auf 28 Prozent. Das würde zwar besonders den Bankensektor treffen.

Dennoch würden die Erhöhungen geringer als unter der Präsidentschaft von Barack Obama ausfallen, als viele US-Unternehmen Kapital im Ausland parkten, um höhere inländische Steuern zu vermeiden. Biden könnte sich außerdem um eine Anhebung des Mindestlohns auf 15 US-Dollar pro Stundeengagieren. Dies dürfte die diskretionären Ausgaben erhöhen, würde sich aber negativ auf kleine Arbeitgeber und Einzelhändler auswirken, die bereits während der Lockdowns zu gebeutelt wurden.

Zu den Klimakosten: Biden plädierte für eine Rückkehr zum Pariser Abkommen, das die USA unter Trump verlassen hatten. Dafür stellte er bereits einen Plan zur Erreichung von Netto-Null-Emissionen bis 2050 vor. Biden hat Ausgaben in Höhe von 2 Billionen US-Dollar über einen Zeitraum von vier Jahren angekündigt, um die Nutzung sauberer Energie im Verkehrs-, Elektrizitäts- und Bausektor deutlich zu erhöhen.

Der Vorschlag zielt darauf ab, Wirtschaftswachstum zu schaffen, die Infrastruktur zu stärken und gleichzeitig den Klimawandel zu bekämpfen. Unternehmen für fossile Brennstoffe und energieintensive Konzerne hingegen werden wohl unter Trump deutlich augestellt sein.

Das Gesundheitswesen ist ein weiteres Wahlschlachtfeld. Biden will politische Maßnahmen zu einem breiteren Zugang zur Gesundheitsversorgung ergreifen. Trump hat unterdessen auch die Rhetorik über die Arzneimittelpreise in den USA verschärft. Er will die Preise, die in den USA im Allgemeinen höher sind, auf internationales Niveau senken. Dies könnte zu einer gewissen Kursvolatilität bei Aktien des Gesundheitswesens führen.

Neben der US-Präsidentschaftswahl werden ebenfalls Entscheidungen darüber fallen, welche Partei beide Kammern der Legislative kontrollieren wird. Das gesamte Repräsentantenhaus und ein Drittel des US-Senats stehen zur Wahl. Gegenwärtig kontrollieren die Demokraten das Unterhaus und die Republikaner den Senat. Um eine legislative Agenda erfolgreich umsetzen zu können, müssten die Demokraten in beiden Kammern des Kongresses mehrheitlich vertreten sein.

Was der Ausgang der US-Wahl für Anleger bedeutet

Und wo bleibt der Enthusiasmus? Umfragen zufolge, sind weniger als ein Viertel der registrierten US-Wähler von Biden begeistert, selbst unter seinen Anhängern ist weniger als die Hälfte von ihm überzeugt. Dies könnte sich auf die Wahlbeteiligung auswirken, zumal Trump unter seinen Anhängern mit 65 Prozent Zustimmung findet.

Es wird wahrscheinlich knapp, und somit wird sich Nervosität ebenfalls in den Finanzmärkten einschleichen. Investoren werden mit der politischen Unsicherheit zu kämpfen haben. Im Bush-Gore-Rennen 2000 ließ eine Nachzählung in Florida das Ergebnis wochenlang in der Schwebe. Der S&P-500-Index fiel damals im Laufe des Novembers um etwa 8 Prozent. Die Entscheidung ging an den Obersten Gerichtshof, der für George W. Bush stimmte.

Mit der Zunahme der Briefwahl, deren Auszählung einige Zeit in Anspruch nehmen wird, ist eine Wiederholung der Wahl von 2000 möglich. Wenn es Anzeichen für einen Wahlbetrug gibt, könnte jeder Kandidat die Annahme des Ergebnisses verweigern und die Wahl könnte wie 2000 vom Obersten Gerichtshof entschieden werden.

Die Amtseinführung des nächsten US-Präsidenten wird zwar erst am 20. Januar 2021 stattfinden, aber ein umstrittenes Ergebnis würde die Märkte zweifellos verunsichern, bis es einen legitimen und offiziellen Sieger gibt.