Türkei-Schock Wie Anleger die typische Phase der Risikoaversion nutzen

Stuart Canning, Analyst im Multi-Asset-Team von M&G Investments, analysiert die aktuelle Lage der türkischen Wirtschaft und rät Anlegern gezielt zuzugreifen, sollte sich die Türkei-Panik undifferenziert auf weitere Schwellenländer ausbreiten.

14.08.2018 - 14:1614.08.18 - 14:45
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Die Außenminister von Russland und der Türkei bei einer Pressekonferenz in Ankara am 14. August: Erdogan und Putin rücken näher zusammen und werfen den USA gemeinsam „Schikane“ vor
Die Außenminister von Russland und der Türkei bei einer Pressekonferenz in Ankara am 14. August: Erdogan und Putin rücken näher zusammen und werfen den USA gemeinsam „Schikane“ vor© Getty Images

Die aktuelle Eskalation in der Türkei manifestiert lokale wirtschaftliche Probleme, die sich bereits seit einiger Zeit abgezeichnet haben. Der Sturz der türkischen Lira am vergangenen Freitag zählt zu den größten Währungsbewegungen eines Tages innerhalb der vergangenen zehn Jahre – vergleichbar mit der Abwertung des Rubels Ende 2014, der Deckelung des Schweizer Frankens, der Brexit-Abstimmung oder auch einigen der Horror-Tage 2008.

Die Dramatik dieser Bewegungen spiegelt sich in den Marktkommentaren wider. Die Türkei hat die Schlagzeilen in einer Art und Weise dominiert, die üblicherweise der westlichen Politik, US-Tech-Aktien oder einem Ereignis wie dem Brexit vorbehalten ist. Ein Großteil der Beobachter hat sich auf die Frage konzentriert, inwiefern Donald Trumps Twitter-Ankündigung, die US-Zölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei zu verdoppeln, die Lira-Abwertung verschärft hat.

Sind die US-Zölle nur ein Ablenkungsmanöver?

Dabei dürften die direkten Auswirkungen dieser Zölle begrenzt sein. Die türkischen Exporte sind relativ diversifiziert: Nur 5 Prozent der Ausfuhren gehen in die USA und nur 18 Prozent davon entfallen auf Nicht-Edelmetalle. Auch die türkische Stahlindustrie könnte sich recht widerstandsfähig zeigen und in anderen Teilen der Welt neue Kunden finden.