UBS-Experte Andreas Köster über Zinspolitik und Puffer im Portfolio „Die Fed will nicht die Rechnung für Europa zahlen“

Die Geldpolitik in Europa, Japan und den USA lässt die Risikopolster in Multi-Asset-Fonds schmelzen. Wo Anleger aktuell noch überraschend stabile Anleihenmärkte finden und was die USA davon abhält, die Zinsen weiter zu erhöhen, hat uns Andreas Köster, Leiter Multi Asset bei UBS Asset Management, im Gespräch verraten.

10.05.2016 - 18:2210.05.16 - 18:47
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Andreas Köster, Leiter Multi Asset bei UBS Asset Management, im Gespräch mit Redakteurin Ann-Kathrin Scholz
Andreas Köster, Leiter Multi Asset bei UBS Asset Management, im Gespräch mit Redakteurin Ann-Kathrin Scholz

der fonds: Das erklärte Ziel der US-Notenbank Fed ist es, den Zinssatz innerhalb der nächsten drei Jahre auf 3,5 Prozent anzuheben. Jetzt zögert sie Zinsschritte hinaus. Warum?

Andreas Köster: Im Dezember 2015 hat die Fed die Anhebung des Zinssatzes eingeleitet. Sie müsste daher dieses Jahr noch ein bis zwei Zinserhöhungen umsetzen. Dafür müssen allerdings die Wirtschaftszahlen stimmen – und zwar nicht nur in den USA. Das hat Notenbankchefin Janet Yellen in ihrer Ansprache im März deutlich betont.

der fonds: Welche Rolle spielt die US-Wahl für die amerikanische Geldpolitik?

Andreas Köster: Normalerweise hält sich die Zentralbank aus dem Wahlzirkus raus. Da die Fed ihren Quartals-Rhythmus bereits unterbrochen hat, kann sie diesen auch nicht durch die Wahlkampfmonate weiterführen. Sie könnte jetzt im Juni noch einmal Zinsen erhöhen und müsste dann zwischen der Nominierung der Kandidaten im Juli bis nach der Wahl im Dezember stillhalten.

der fonds: Wie lange geht die gegenläufige Entwicklung der Fed und der Europäischen Zentralbank noch gut?

Andreas Köster: In den USA zeigt die Zinserhöhung die Anfänge einer Normalisierung der Märkte. Es können aber durchaus Probleme entstehen, wenn die Amerikaner den Zins auf 3 Prozent erhöhen, während alle anderen Zentralbanken die Zinsen bei 0 halten. Denn dann werden amerikanische Anleihen attraktiv, der Dollar wird zu stark, und die Europäer und Japaner können sich auf Kosten der Fed regenerieren. Wir wissen zwar, dass die Fed gerne die Leiter-Rolle übernimmt, aber nicht für alle die Rechnung zahlen will. Deswegen werden sie die Differenz der Zinssätze sicher nicht auf 3 Prozent kommen lassen.

der fonds: Werfen wir ein Blick in ihr Portfolio. Welche Rolle spielt der Dollar hier?

Andreas Köster: Wir glauben, dass der Dollar kurzfristig zu günstig ist und wir eigentlich in einem stärkeren Dollar-Umfeld sind. Deswegen haben wir eine „Pro-Dollar“-Position aufgebaut. Dagegen erscheinen uns US-Aktien jedoch kurzfristig eher teuer. Sie sind auf einem Allzeithoch, gleichzeitig fallen die Gewinne seit zwei Quartalen. Das kann ein Problem werden. Denn jetzt müssen die Gewinne in die Kurse reinwachsen – oder die Kurse kommen wieder runter. Deswegen blicken Fondsmanager im Moment weniger auf die Zentralbanken als auf die Quartalsberichte.