Ungeregelter Brexit Britische Markterholung wird zur Makulatur

Das unmittelbarste Risiko stellt nun das Misstrauensvotum gegen die May-Regierung dar, kommentiert Karen Watkin, Portfoliomanagerin All Market Income bei AllianceBernstein (AB), die Ablehnung des Austrittsvertrags durch das britische Unterhaus und das Misstrauensvotum gegen Theresa May.

16.01.2019, aktualisiert 22.07.2020 - 12:4822.07.20 - 12:48
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Karen Watkin, Portfoliomanagerin bei AllianceBernstein (AB)
Karen Watkin, Portfoliomanagerin bei AllianceBernstein (AB)© AB

Die größer als erwartet ausgefallene Niederlage der Regierung von Theresa May signalisiert den Anfang einer Entscheidung für die Brexit-Frage. Auch wenn das Abkommen, das May mit der Europäischen Union (EU) ausgehandelt hat, abgelehnt wurde: Die meisten Parlamentarier sind bestrebt, einen ungeregelten Austritt zu vermeiden. Damit sind ein geänderter Deal und sogar gar kein Brexit durchaus immer noch das realistischste Ergebnis.

Bei einer Einigung, Verzögerung oder – und vor allem – einer Annullierung des Brexit würde das Pfund wahrscheinlich ansteigen, und auch britische Staatsanleihen dürften kurzfristig positiv reagieren. Der Londoner Aktienmarkt dürfte ebenfalls profitieren, da mehr politische Sicherheit das britische Wachstum unterstützen dürfte. Europäische Aktien könnten ebenfalls gewinnen, da eine große politische Krise der EU vermieden wurde – auch wenn diese weiterhin vor Herausforderungen steht, wie etwa eine Verlangsamung der Konjunkturdynamik oder die Gefahr weiterer Handelskonflikte mit den USA.

Neuwahlen sind nun wahrscheinlich

Das unmittelbarste Risiko stellt nun das Misstrauensvotum gegen die May-Regierung dar. Sollte May verlieren, werden Neuwahlen ausgerufen und es müsste binnen zwei Wochen eine neue Regierung gebildet werden. Die Labour-Opposition rechnet sich in diesem Fall durchaus Siegeschancen aus. Die Aussicht auf einen Labour-Sieg könnte zu erheblichem Druck auf die britischen Anleihen- und Devisenmärkte führen.

Bis es zum Brexit mehr Klarheit gibt, dürften Aktien ebenfalls unter Druck bleiben, da die Gefahr einer größeren Unsicherheit die Investitionsbereitschaft dämpft und das Vertrauen der Unternehmen und Verbraucher beschädigt. Es gilt aber auch zu bedenken: Brexit ist nicht das einzige Thema für Großbritannien. Die Verbesserung der Öl- und Rohstoffpreise in diesem Jahr dürfte ebenfalls ein starker Treiber für den britischen Aktienmarkt sein.

Kurzfristig dürfte die Volatilität sicherlich anhalten, was die Anleger dazu veranlassen könnte, ihr Risikoengagement weiterhin gering zu halten. Dies könnte die Erholung seit der Jahreswende ersticken. Da das Endergebnis des Brexit immer noch so unvorhersehbar ist, müssen Investoren sorgfältig abwägen, welche Risiken sie an den britischen Anleihen- und Devisenmärkten eingehen wollen.