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Freiheitsstatue auf Liberty Island vor New York

Aktienmarktprognose Unternehmensgewinne gut, alles gut?

Die Unternehmensgewinne weltweit erholen sich rasant. Dieser Trend dürfte sich nach Einschätzung von Paul Quinsee, Aktienchef bei J.P. Morgan Asset Management, bis ins kommende Jahr fortsetzen. Eine „grüne Blase“ sieht er indes nicht.

02.06.2021 - 16:00 Uhr | in Nachhaltigkeit

Die Erholung der Unternehmensgewinne hat sich seit dem kurzen, aber deutlichen Einbruch Mitte 2020 rasch beschleunigt. „Unsere Erwartungen wurden in erstaunlichem Maße übertroffen“, sagt Paul Quinsee, Aktienchef bei J.P. Morgan Asset Management. „Vor einem Jahr dachten wir, dass die Gewinne 2021 unter dem Niveau vor der Pandemie bleiben würden. Wir sehen jetzt Ergebnisse, die mindestens 10 Prozent höher sind.“

Viele Unternehmen, von denen man ohnehin annahm, dass sie sich am ehesten an die Covid-19-bedingten Lockdowns anpassen würden, haben nicht enttäuscht. „Der Technologiesektor hat sich sogar besser entwickelt, als wir erwartet hatten“, so Quinsee. „Die eigentliche Überraschung war jedoch die Widerstandsfähigkeit und rapide Erholung vieler Bereiche, die am stärksten von der Pandemie betroffen waren“, ergänzt der Aktienexperte.

In welchen Sektoren derzeit die besten Chancen zu finden sind, veranschaulicht Abbildung 1. Hierbei handelt es sich um die Einschätzungen der Fondsmanager von J.P. Morgan Asset Management.

                       Quelle: J.P. Morgan Asset Management

Aktuell liegt die Gewinnprognose von J.P. Morgan Asset Management für 2021 bei 2,6 Billionen US-Dollar für die Industrieländer. Das ist fast 200 Milliarden US-Dollar höher als vor drei Monaten. Die Aufwärtskorrekturen sind sehr breit gefächert, aber zyklische Unternehmen (aufgrund robuster Nachfrage und höheren Energiepreisen) sowie Finanzdienstleister (die von niedrigeren Verlustrückstellungen und lebhaften Kapitalmärkten profitieren) stechen besonders positiv hervor.

Gewinnboom dürfte andauern

„Auch wenn sich das Wachstum verlangsamen wird, dürfte der Gewinnboom noch eine Weile andauern“, erwartet Quinsee. Die Zinsen seien extrem niedrig und die Zentralbanken hätten es trotz zunehmender Inflationssignale nicht eilig, dies zu ändern.

Die massiven Fiskalanreize dürften die Erholung weiter befeuern. Die finanzielle Situation der Verbraucher ist ausgezeichnet und die Firmen können kaum noch mit der Nachfrage Schritt halten. „Wir erwarten ein weiteres starkes Gewinnwachstum im Jahr 2022“, so Quinsee. Europa und Teile der Schwellenländer dürften aufholen, wenn die Pandemie in den Hintergrund tritt. Höhere Unternehmenssteuern sind wahrscheinlich, wenn die Rechnung für die Konjunkturpakete fällig wird, aber das Gesamtbild für die Unternehmensgewinne ist außerordentlich robust.

„Natürlich haben die Märkte viele dieser guten Nachrichten bereits erkannt“, erklärt Quinsee. Die hohen Bewertungen an den globalen Märkten schmälern aus seiner Sicht die Renditeerwartungen erheblich. Denn diese sind alle auffallend hoch. Vergleicht man aber Aktien und Anleihen, scheinen sie trotz des jüngsten Anstiegs der Anleiherenditen weiterhin günstig. „Die Entwicklung der Inflation und wie schnell die Zentralbanken gegebenenfalls darauf reagieren, werden wichtige Aspekte sein, die es zu beobachten gilt.“

Unterdessen hält die spekulative Aktivität an den Aktienmärkten an, obwohl sie sich in letzter Zeit etwas abgekühlt hat. Beispielsweise haben einige Zweckgesellschaften (Special Purpose Acquisition Companies, SPACs) an Boden verloren. Weltweit sind die 170 Unternehmen, die J.P. Morgan Asset Management beobachtet und die noch nie profitabel waren, dieses Jahr um etwa 10 Prozent zurückgeblieben. Und das nach einer beachtlichen Outperformance von 70 Prozent im Jahr 2020. „Die Bewertungsunterschiede zwischen niedrig- und hochpreisigen Aktien sind nach wie vor extrem deutlich“, sagt Quinsee.