Unternehmensverschuldung China droht die Schuldenfalle

Chinas Verbindlichkeiten haben sich seit 2007 vervierfacht. Die Verschuldungsquote der Unternehmen ist eine der höchsten weltweit. Vor allem im Immobiliensektor droht akute Einsturzgefahr.

26.10.2015, aktualisiert 24.11.2015 - 11:3124.11.15 - 11:31
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„Schulden und (wenig) Entschuldung“ lautet der Titel und gleichzeitig das Ergebnis der aktuellsten McKinsey-Studie zur weltweiten Verschuldung aus dem Frühjahr. Seit der Finanzkrise hat das Research-Institut der Unternehmensberatung das Thema auf dem Radar: „Nach der Finanzkrise und der längsten und tiefsten globalen Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg wurde weitgehend erwartet, dass die Volkswirtschaften ihre Schuldenlast senken. Dies ist nicht passiert.“

Stattdessen sind die Verbindlichkeiten weiter gestiegen. Nicht nur die Industrieländer haben ihre Schuldenberge aufgestockt, auch China hat geklotzt. Von einer für Schwellenländer üblichen Gesamtverschuldungsquote von knapp 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2007 hat es sich auf Industrielandniveau hinaufgearbeitet. Mitte 2014 lagen die Schulden von Staat, privaten Haushalten und Unternehmen inklusive Finanzsektor laut McKinsey-Studie schon beim 2,8-Fachen der Wirtschaftsleistung. In absoluten Zahlen haben sich die Schulden in diesem Zeitraum gar vervierfacht, von 7 auf 28 Billionen US-Dollar.

Traurige Spitzenposition

Zwar haben auch der chinesische Staat und speziell seine Lokalregierungen sowie der Finanzsektor und die privaten Haushalte ihre Schulden aufgestockt, die Unternehmensverschuldung (ohne Finanzsektor) ist jedoch explodiert. Mit einer Quote von 125 Prozent des BIPs gehört China in einer weiteren Disziplin zu den führenden Nationen der Welt. Und der Verschuldungsdrang setzt sich fort. Erleichterungen bei der Auflage haben in diesem Jahr das Emissionsvolumen von Unternehmensanleihen in die Höhe getrieben. Zum Beispiel dürfen seit April auch nicht-börsengelistete Firmen Anleihen über die Börsen in Shanghai und Shenzen emittieren.

Laut dem Finanzdatenanbieter Wind Info aus Shanghai kamen bis Ende August Unternehmensanleihen mit einem Volumen von 500 Milliarden Yuan (knapp 70 Milliarden Euro) auf den Markt. Heißester Monat war der August mit mehr als 100 Milliarden Yuan. Die Nachfrage war enorm. Einiges Geld dürfte aus dem Aktienmarkt in die Unternehmensanleihen gewandert sein. Das chinesische Wirtschaftsblatt Caixin stellt die Frage, ob sich nach der geplatzten Blase am Aktienmarkt die Anleger nun am Feuer des Anleihemarkts verbrennen.

Fast 50 Prozent der Verbindlichkeiten hängen am Immobiliensektor

Die Höhe der Gesamtverschuldung des Landes halten die McKinsey-Experten für grundsätzlich handhabbar. Risiken sehen sie aber dennoch. Diese lauern vor allem im Immobilienmarkt. Fast die Hälfte der Schulden ist direkt oder indirekt mit diesem Sektor verbunden. Auch die Welle der Unternehmensanleihen in diesem Jahr wurde zur Hälfte von Immobilienfirmen gestemmt. Dieses wacklige Fundament droht einzustürzen.

Das Problem sind hier nicht – wie damals in den USA – private Haushalte, die sich mit Hypotheken überladen haben. Die Gefahr geht vielmehr von den unzähligen Projektentwicklern aus, die auch gern am Bedarf vorbei bauen. Anting New Town, die von Albert Speer und Partner aus Frankfurt geplant wurde und als „deutsche Geisterstadt“ bekannt geworden ist, verkümmert als nur eine von vielen neuen unbewohnten Städten und Siedlungen.

Ebenfalls Probleme mit der Schuldentilgung sind bei Unternehmen aus verbundenen Sektoren wie Stahl oder Zement zu erwarten. Eine Kostprobe gab es im Oktober: Sinosteel bat seine Gläubiger im Vorfeld eine Anleihe nicht bei der ersten Rückzahlungsoption am 20. Oktober einzulösen. Das staatliche Stahlunternehmen hat den Zahlungstermin der 2-Milliarden-Yuan-Anleihe erst einmal um einen Monat verschoben.