Unterschätzte Inflationsgefahr Kehrtwende im Goldlöckchen-Szenario?

Weltweit zieht die Konjunktur an, die Wachstumszahlen liegen sogar über den Erwartungen. Kann die Europäische Zentralbank einem womöglich überraschenden Inflationsschub begegnen? Zweifel sind angebracht.

15.11.2017 - 10:4815.11.17 - 11:15
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EZB-Präsident Mario Draghi: Marktteilnehmer sorgen sich vor Ketchup-aus-der-Flasche-Effekt
EZB-Präsident Mario Draghi: Marktteilnehmer sorgen sich vor Ketchup-aus-der-Flasche-Effekt© Getty Images

Eine aktuelle Umfrage der Bank of America Merrill Lynch (BofA) zeigt: Die befragten Fondsmanager sind sich einig, dass die Wirtschaft in eine Goldilocks-Phase eingetreten ist:  56 Prozent der Befragten erwarten Wachstum bei gleichzeitig nur niedriger Inflation. Lediglich 25 Prozent gehen von einer sogenannten säkularen Stagnation aus, also der chronischen Unternachfrage nach Gütern und Dienstleistungen.

Konjunkturentwicklung läuft

Tatsächlich läuft die Konjunktur robust. Nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. Die Europäische Kommission erwartet im laufenden Jahr das höchste Wirtschaftswachstum seit zehn Jahren. Den Berechnungen zufolge soll das BIP 2017 in der Europäischen Union (EU) um 2,3 Prozent steigen. In der Eurozone soll das Plus bei 2,2 Prozent liegen. Auch für 2018 wird grünes Licht signalisiert: Die gute Entwicklung dürfte anhalten, wobei ein leichter Rückgang auf je 2,1 Prozent in EU und Eurozone prognostiziert wird.

Im Vergleich zu 2016 geht es damit klar aufwärts: Im Vorjahr erhöhte sich die Wirtschaftsleistung in der EU um 2,0 Prozent, in der Eurozone um 1,8 Prozent.

Unter Umständen könnten die Zahlen im kommenden Jahr sogar noch besser ausfallen als gedacht, zieht man die jüngsten Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt Deutschlands heran. Mit einem Plus von 0,8 Prozent für das dritte Quartal haben sie für eine sehr deutliche positive Überraschung gesorgt. Erwartet war nur ein Wachstum von +0,5 Prozent nach +0,6 Prozent im zweiten Quartal.

Rohstoffpreise steigen