Stolls Fondsreisen Vietnam: Ein echter Investment-Geheimtipp – zumindest noch

Bunt, lebendig, atemberaubend: Vietnam ist ein Land der Gegensätze. Kriegsvergangenheit und Kolonialherrschaft haben Kultur und Geschichte geprägt. Im Schatten großer Nachbarn hat sich der ASEAN-Staat inzwischen zu einem wirtschaftlich ernstzunehmenden Land gemausert. Der Blick nach Südostasien kann sich für Investor:innen lohnen.

28.01.2022, aktualisiert 01.02.2022 - 09:3401.02.22 - 09:34
|
|
|
Das ehemalige Saigon zieht mit seiner einzigartigen Atmosphäre und besonderen Geschichte Besucher
Das ehemalige Saigon zieht mit seiner einzigartigen Atmosphäre und besonderen Geschichte Besucher:innen aus der ganzen Welt an© privat / Montage: Linda Giehl

Millionen Mopeds knattern durch die Städte, während in den Garküchen am Straßenrand das Nationalgericht vor sich hinköchelt: Pho, eine Suppe mit Reisnudeln, Gemüse und meist reichlich Fleisch – gegessen zu jeder Tageszeit. Willkommen in den boomenden Metropolen Vietnams! Lange Zeit war war der südostasiatische Staat eines der ärmsten Länder der Welt und musste nach verheerenden Kriegsjahren jahrzehntelange Wiederaufbauarbeit leisten. Mittlerweile gehört die Volkswirtschaft zu den dynamischsten Wachstumszentren weltweit.

Vietnamesische Vingroup: Autos für Europa

Hanoi ist die Hauptstadt Vietnams und mit dreieinhalb Millionen Einwohnern die zweitgrößte Metropole des Landes. Die Stadtgeschichte reicht bis ins 11. Jahrhundert zurück. Hanoi zählt damit zu den ältesten noch heute existierenden Hauptstädten im gesamten südostasiatisaschen Raum. Mit fast neun Millionen Einwohnern ist Ho-Chi-Minh-Stadt die größte Stadt Vietnams, das von oben aussehen soll wie eine, „Bambusstange mit zwei Reisschalen“.

Das frühere Saigon ist eine der am schnellsten wachsenden Megacitys der Welt. Die Hafenstadt Haiphong, etwa 100 Kilometer von Hanoi entfernt, ist als wichtigster wirtschaftlicher Dreh-und Angelpunkt Nordvietnams bedeutsam. Hier ist der Stammsitz von Vinfast, einem Autokonzern mit großen Plänen. Mit zwei selbstentwickelten Elektro-SUVs wagt der Hersteller in diesem Jahr den Sprung nach Europa. Das Unternehmen gehört zur Vingroup, dem größten privaten Mischkonzern Vietnams. 40.000 Mitarbeiter erwirtschaften einen Jahresumsatz von über fünf Milliarden US-Dollar.

Das ist nur eine Story von vielen, die zeigt: Es herrscht Aufbruchstimmung in Vietnam! Das Land fährt einen ähnlichen Kurs wie der große Nachbar China: Politisch sozialistisch – ökonomisch kapitalistisch!

Vietnam: Frontiermarkt mit viel Wachstumspotenzial

Die Mischung hat Erfolg. Die Wirtschaft blüht auf. In den vergangenen 40 Jahren hat sich das Bruttoinlandsprodukt Vietnams verzehnfacht. Ein wesentlicher Treiber des Erfolgs: Das Land ist zu einem wichtigen Standort für westliche Textilunternehmen sowie japanische und koreanische Elektronikkonzerne geworden. Begünstigt wird das auch durch den Aufstieg Chinas: Dort steigen die Löhne, was das Nachbarland aufgrund günstigerer Arbeitskosten interessanter macht.

Mit der Europäischen Union besteht seit August 2020 ein Freihandelsabkommen, was den Export nach Europa beflügelt. Für das Jahr 2022 erwarten Analysten ein Wirtschaftswachstum von 6,5 Prozent, nachdem die Corona-Pandemie die Wirtschaft geschwächt hatte. Zu einer der wichtigsten Stützen dürfte mittelfristig der Binnenkonsum werden. Die junge, immer kaufkräftigere Mittelschicht wächst.

Infrastruktur in Vietnam ausbaufähig

Doch wo viel Licht ist, gibt es auch Schattenseiten: Vietnam plagt sich mit Fachkräftemangel herum, die Infrastruktur ist ausbaufähig und es gibt kaum Zulieferindustrien. Trotz der spür­ba­ren De­fi­zi­te sollte sich Viet­nam aber wei­ter­hin po­si­tiv entwickeln. Das ist zumindest die Meinung von Mario Timpanaro, Fondsmanager des Lumen Vietnam. Der aktiv gemangte Fonds ist einer der wenigen mit Fokus auf den vietnamesischen Aktienmarkt.

„Vietnam wurde lange Zeit kaum beachtet – zu Unrecht. In den letzten dreißig Jahren schwingt unter den Schwellenländern in Sachen Wachstum China obenauf. Doch an zweiter Stelle kommt gleich Vietnam mit einem Durchschnittswachstum von 6,8 Prozent in dieser Periode. An der Börse fand dies lange Zeit keinen Niederschlag, doch mit Beginn der Finanzreformen 2020 hat sich das geändert. Dazu kommt, dass Vietnam von den Anlegern zunehmend als Alternative zu China betrachtet wird. Chinas politischer Weg verunsichert viele Investoren. Ich beobachte denn auch zunehmend Umschichtungen in Richtung Vietnam. Etwas zugespitzt könnte man sagen: Vietnam ist das bessere China“, äußerte er sich gegenüber FuW.ch.

Vietnams Chancen auf den Aufstieg

Im Aktienbarometer für Schwellenländer ist Vietnam nicht vertreten. Als Grenzland steht es im MSCI Frontier Markets eine Stufe tiefer. Geht es allerdings nach dem Indexanbieter, bestehen dank des rasanten Wachstums und der wirtschaftlichen Reformen gute Chancen auf den Sprung in den Emerging Markets Index. Und das schon bis 2025. „Das wird zu einem Kapitalzufluss führen. Vietnam wird dann auf der Landkarte der Anleger erst so richtig erscheinen“, ist sich Timpanaro sicher.

Bei der Einführung neuer Gesetze und Reformen erweist sich die vietnamesische Regierung als diszipliniert und nachhaltig. Die daraus gewonnene Glaubwürdigkeit und Transparenz spiegeln sich nicht zuletzt in der Stabilität der Währung wider. Der Dong zählt zu den stabilsten Währungen ganz Südostasiens. Wer von den Chancen am Mekong profitieren will, hat hierzulande die Wahl aus einem ETF und vier aktiv gemanagten Fonds – von denen aber nur einer problemlos zu erwerben ist. Dieser verfügt gleichzeitig über den längsten Track Record und lieferte bis dato eine mehr als ansehnliche Wertentwicklung.

Vietnam ETF: Dem Index auf der Spur

Quelle Fondsdaten: FWW 2022

Mit dem Xtrackers FTSE Vietnam Swap ETF (ISIN:LU0322252924) können Anleger an der Entwicklung des FTSE Vietnam Index teilhaben. Dieser bündelt die 22 liquidesten und größten Blue-Chips des Aktienmarktes. Über 400 Papiere werden an Vietnams bedeutendster Börse gehandelt: Der Ho Chi Minh Stock Exchange (HOSE). Ausgerechnet Revolutionär Ho muss als Namensgeber herhalten. Zu Lebzeiten kämpfte der Kommunistenführer gegen den Westen und den Kapitalismus.

Doch das ist lange her. Im heutigen Vietnam erscheint den meisten die Liaison aus sozialistischem Überbau und alltäglichem Kapitalismus ganz normal. Der ETF ist swapbasiert. Das bedeutet, dass auf Fondsebene die Wertentwicklung des Basisportfolios des ETFs gegen die Wertentwicklung des Index getauscht wird. Das bietet sich bei kleineren Aktienmärkten an. Neben der bereits erwähnten Vingroup gehören der Wertpapierhändler Saigon Securities und die in der Lebensmittelindustrie tätige Masan Group zu den größten Werten. In den vergangenen fünf Jahren konnten Anleger:innen mit dem ETF 86 Prozent Rendite einfahren.

Der Pionier: Lumen Vietnam Fund

Mario Timpanaro ist seit Juli 2020 bei Aquis Capital, einer Züricher Fondsboutique. Dort leitet er das Schwellenländerteam. An der Auflegung des Lumen Vietnam Fund (ISIN: LI0148578169) im März 2012 war er maßgeblich beteiligt. „Als wir vor gut zehn Jahren nach neuen Inves­titions­möglich­keiten suchten, entdeckten wir Vietnam, ein sehr inte­res­santes Land mit sehr viel Wachstums­potenzial. Vietnam wurde damals von den meisten Inves­toren nicht beachtet, zudem wies es eine ungerechtfertigt tiefe Bewertung gegen­über anderen ASEAN-Ländern auf“, erklärt der Manager im Interview mit fundplat.com und bewies einen guten Riecher.

Quelle Fondsdaten: FWW 2022

Denn: Seit Fondsauflage ging es bis auf den Corona-Zwischenstopp um fulminante 300 Prozent (14,8 Prozent p.a.) nach oben. Bei seiner Aktienauswahl konzentriert sich der Manager auf vietnamesische Small-und Midcaps. Unterstützt wird er von einem achtköpfigem Analystenteam vor Ort, davon sechs Frauen.

In die Entscheidungen des Teams fließen ESG-Kriterien ein. Es werden keine Kohle-, Zement- oder Plastikhersteller gekauft. Auch Unternehmen aus der Tabakindustrie, Waffenproduzenten und Tiefseefischereien schließt das Management aus. Zu des größten Picks Timpanaros zählt das Konglomerat FPT Corporation. Es bietet digitale Lösungen für Finanz- und Bankwesen, öffentliche Finanzen, Telekommunikation, Gesundheit, Transport und Verkehr sowie Strom-, Wasser- und Gasversorgungsunternehmen an. Weitere große Positionen sind das auf Wohnungsbau spezialisierte Unternehmen Vinhomes oder der Lebensmittelkonzern Vietnam Dairy Products, der vor allem Molkereiprodukte anbietet.

Breiter Fokus: Schroder ISF Frontier Markets Equity

Anleger:innen, die nicht nur auf die Vietnam-Karte setzen wollen, finden in globalen Grenzmarkt-Fonds eine Alternative. Diese investieren neben Vietnam auch in Länder wie Kasachstan, Ägypten, Rumänien oder Kenia. Der Schroder ISF Frontier Markets Equity (ISIN: LU0562313402) streut das Anlagevermögen in der Regel auf 50 bis 70 Unternehmen aus den Frontier-Markets. Zudem wird der im Jahr 2010 aufgelegte Fonds unter Bezugnahme auf wesentliche Umwelt-, soziale und Governance-Faktoren verwaltet. Derivate können eingesetzt werden, um Anlagegewinne zu erzielen, das Risiko zu reduzieren oder den Fonds effizienter zu verwalten.

Quelle Fondsdaten: FWW 2022

Ein Viertel des Portfolios entfällt auf vietnamesische Aktien. Zu den Top-10-Werten zählen der Immobilienentwickler Vincom oder die in der Stahlbranche tätige Hoa Phat Group. Der Fonds erzielte innerhalb eines Jahres eine Rendite von 31 Prozent. Auf Sicht von zehn Jahren legte er um 167 Prozent zu und damit um 100 Prozentpunkte mehr als der Sektor All-Cap Emerging Markets.

Mein Fazit: Der Vietnam Ho Chi Minh Stock Index präsentiert sich in prächtiger Verfassung. Seit dem Tief im März 2020 hat sich das Aktienmarktbarometer in etwa verdoppelt. Die Wirtschaft zieht weiter kräftig an. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt derzeit bei 16 und damit im Schnitt der vergangenen Jahre. Grund zu Optimismus bietet zudem die Aussicht auf den Aufstieg in den MSCI Emerging Markts Index.

Wissenswertes über Vietnam:

  • Einwohner: 97,34 Millionen
  • Fläche: 690 km²
  • Hauptstadt: Hanoi
  • Amtssprache: Vietnamesisch
  • Leitbörsen: Hanoi Stock Exchange (HNX), Ho Chi Minh Stock Exchange (HOSE)
  • Leitindex: Hanoi-Stock-Exchange-Equity-Index (VHINDEX)
  • Währung: Vietnamesischer Dong
  • Pro Kopf Einkommen: 456 US-Dollar / Jahr

Hinweis: Es handelt sich hierbei um keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung. Die Geldanlage am Kapitalmarkt ist mit Risiken verbunden. Aus Wertentwicklungen in der Vergangenheit lässt sich nicht auf künftige Wertentwicklungen schließen. Stand der Fonds-Daten: 28. Januar 2022.

Lest auch:

So wird Vietnam das neue China

E-Commerce: Südostasien goes digital

Investmentausflug in neue Gefilde