UNEP Adaptation Gap Report 2020 Der Kampf gegen den Klimawandel allein reicht nicht aus

2020 wurde die Welt nicht nur von der Corona-Pandemie heimgesucht – es wurden auch Rekordtemperaturen gemessen. Die Auswirkungen des Klimawandels: Extreme Wetterereignisse nehmen zu. Staaten müssen sich darauf vorbereiten.

22.01.2021, aktualisiert 26.01.2021 - 09:1926.01.21 - 09:19
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Ausgetrocknete Felder in China
Ausgetrocknete Felder in China: Es sind insbesondere die unbemerkten Veränderungen, die auf lange Sicht das Leben auf der Welt nachhaltig verändern© imago images / Xinhua

Der Klimawandel hat Auswirkungen auf sämtliche Weltregionen. Das Eis der Polkappen schmilzt und der Meeresspiegel steigt. In einigen Regionen kommt es häufiger zu extremen Niederschlägen, während andernorts verstärkt Hitzewellen und Dürren auftreten.

Auch wenn uns der Klimawandel häufig erst durch sintflutartige Regenfälle oder heftige Stürme ins Bewusstsein rückt: Es sind insbesondere unbemerkte Veränderungen, die auf lange Sicht das Leben auf der Erde nachhaltig verändern. Die Treibhausgase, die sich bereits in der Atmosphäre befinden, werden noch viele Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte lang unser Klima beeinflussen.

Um sich erfolgreich an den Klimawandel und seine Folgen anzupassen, sind alle gesellschaftlichen Akteure gefragt: Politik, Kommunen, Unternehmen und Privatpersonen. Viele europäische Staaten haben bereits Maßnahmen ergriffen, um sich an den Klimawandel anzupassen. Ein Beispiel: Gedämmte Häuser senken nicht nur den Energieverbrauch, sondern verringern für die Bewohner auch die Hitzebelastung im Sommer.

Doch in vielen Ländern befindet sich die Anpassung erst im Anfangsstadium. Einige Saaten haben noch keine nationale Strategie entwickelt und ergreifen relativ wenige konkrete Maßnahmen vor Ort, so das Ergebnis des jüngsten Berichts des UN-Umweltprogramms (UNEP).

Es geht nicht nur um die Verringerung von CO2-Emissionen

Seitdem das Pariser Klimaabkommen 2015 verabschiedet wurde, erscheint jährlich der „Adaptation Gap Report“ der UNEP. Er untersucht, ob die Staaten hinreichende Maßnahmen gegen die Folgen der Klimakrise wie Dürren, Überschwemmungen oder den Anstieg des Meeresspiegels ergreifen. Denn auch wenn die Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius das übergeordnete Ziel ist: Staaten müssen sich auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten und Kapitalströme so lenken, dass die Umwelt geschützt wird und ihre Widerstandsfähigkeit steigt.

Daher geht es nicht nur um die Verringerung von CO2-Emissionen. In Paris wurden ebenfalls Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel beschlossen. Die wirtschaftlich stärkeren Teilnehmerstaaten sollen Entwicklungsländer finanziell sowie technologisch unterstützen, beim Aufbau von Wissen und beim Umgang mit klimawandelbedingten Schäden helfen.

Der jüngste „UNEP Adaptation Gap Report“ kommt zu dem Ergebnis, dass die Nationen zwar Fortschritte gemacht haben. Es gibt jedoch noch Lücken bei der Finanzierung für Entwicklungsländer.

Eine globale Verpflichtung

Öffentliche sowie private Finanzmittel für die Anpassungsmaßnahmen sind dringend aufzustocken, so die Autoren. Außerdem müssen diese schneller umgesetzt werden. Ebenso sollten naturbasierte Lösungen, also nachhaltige Bewirtschaftung und Nutzung der Umwelt zur Bewältigung sozio-ökologischer Herausforderungen, in die Planung integriert werden.

„Die harte Wahrheit ist, der Klimawandel steht uns noch bevor“, sagt UNEP-Chefin Inger Andersen. „Die Auswirkungen werden sich verstärken. Wir brauchen daher eine weltweite Verpflichtung, die Hälfte der globalen Klimafinanzierung im kommenden Jahr in Anpassungsmaßnahmen zu investieren“, ergänzt Andersen.

Finanzierung hinkt hinterher

Es gibt auch positive Nachrichten: 72 Prozent der Länder haben bereits gehandelt. Aber: Das Tempo der Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen nimmt zwar zu, doch die Kosten steigen schneller. In den Entwicklungsländern werden diese aktuell auf 70 Milliarden US-Dollar geschätzt. Im Jahr 2030 könnten sie auf bis zu 300 Milliarden US-Dollar steigen. 2050 sogar auf bis zu 500 Milliarden US-Dollar.

Der Grüne Klimafonds (Green Climate Fund, GCF) hat 40 Prozent seines Gesamtportfolios für die Anpassung an den Klimawandel bereitgestellt und zieht zunehmend Investitionen aus dem Privatsektor an. Neue Vehikel wie Nachhaltigkeitskriterien (ESG) bei der Geldanlage und Offenlegungsprinzipien können ebenfalls Investitionen in die Klimaresilienz anregen.

Seit 2006 wurden in Entwicklungsländern knapp 400 Anpassungsprojekte initiiert, die aus multilateralen Fonds im Rahmen des Pariser Übereinkommens finanziert wurden. Während frühere Maßnahmen selten mehr als 10 Millionen US-Dollar einsammelten, erhielten 21 neue Projekte seit 2017 mehr als 25 Millionen US-Dollar.

Von den 1.700 untersuchten Anpassungsinitiativen konnten jedoch nur 3 Prozent eine tatsächliche Verringerung der Klimarisiken in den Gemeinden bewirken, in denen die Projekte umgesetzt wurden.

Naturbasierte Lösungen können einen großen Beitrag leisten

Naturbasierte Lösungen sind eine kostengünstige Alternative, um die Klimarisiken zu verringern, die Biodiversität wiederherzustellen und schützen. Ebenso bieten sie Vorteile für Gemeinden und Volkswirtschaften.