Währungs-Investments So beurteilt Kames Capital das britische Pfund

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Nach dem Brexit-Votum vom vergangenen Sommer ist das britische Pfund stark gefallen – ein gefundenes Fressen für Schnäppchenjäger? Ein Ausblick von Multi-Asset-Analyst Gareth Gettinby.

24.01.2017 - 09:5524.01.17 - 10:03
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Gareth Gettinby, Investment Analyst im Multi-Asset-Team von Kames Capital
Gareth Gettinby, Investment Analyst im Multi-Asset-Team von Kames Capital

Das Brexit-Votum hat das britische Pfund Sterling (GBP) in die größte Krise der letzten 40 Jahre gestürzt. Sie ist noch schlimmer als die Pfundkrise 1992 und die Bankenkrise 2007/2008 (Chart 1). Das GBP hat Ende 2016 zwar leicht zugelegt, bleibt aber eine der schwächsten Leitwährungen des Jahres.

Sechs Monate nach dem Austritts-Votum der Briten sind die Aussichten für das GBP nach wie vor getrübt: Llegale und politische Unsicherheiten über die künftige Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und den verbleibenden 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) , vor allem in Bezug auf den britischen Zugang zum europäischen Binnenmarkt, halten das Sentiment fest im Griff.  Für das GBP ist von großer Bedeutung, ob es zu einem „harten“ und einem „weichen“ Brexit kommt.

Die Währung erscheint langfristig betrachtet billig, sowohl auf Grundlage des realen effektiven Wechselkurses (REER), der inflationsbereinigt ist, als auch auf Basis des nominalen effektiven Wechselkurses (NEER), jeweils handelsgewichtet (Chart 2). Der REER des GBP liegt trotz der jüngsten moderaten Erholung ungefähr 15 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt seit 1980. Dies allein ist jedoch noch kein ausreichender Grund, an eine mittelfristige Erholung der Währung zu glauben.

Schwere Zeiten für Großbritannien

Das Wirtschaftswachstum Großbritanniens wird wahrscheinlich nicht kräftig genug sein, um die Brexit-bedingten Unsicherheiten aufzuwiegen, die das Wachstum bremsen und das Anlegerinteresse an GBP-Vermögenswerten hemmen.  Für 2017 erwarten Experten einen Rückgang des britischen Wirtschaftswachstums auf 1,1 Prozent (derzeit 2,3 Prozent), bevor es 2018 wieder leicht auf 1,3 Prozent steigen dürfte. Das Dreifachdefizit (Staatsverschuldung, Leistungsbilanzdefizit und Verschuldung der Privathaushalte) wird Abwärtsdruck auf die Währung ausüben.

Drei GBP krisen

Großbritanniens Wirtschaft tritt in die späten Phasen des Konjunkturzyklus ein, was sich in sinkender Arbeitslosigkeit und steigender Kapazitätsauslastung äußert. Das dürfte künftig den Inflationsdruck erhöhen, obwohl wir von Kames Capital davon ausgehen, dass die Zinsen für geraume Zeit auf ihrem derzeitigen niedrigen Niveau verharren, da das Wachstum voraussichtlich noch zu schwach ist, um Zinsstraffungen zu rechtfertigen.