War der Brexit unvermeidbar? Königreich mit zwei Gesichtern

Der Brexit: Für viele ein böses Erwachen – aber im Grunde nur eine weitere Zäsur im zähen Prozess einer Zweckgemeinschaft. Denn: Die Briten standen der EU stets ambivalent gegenüber, Opt-outs, Sonderregelungen und Arroganz waren die Regel. Doch ist das Vereinigte Königreich wirklich der Bösewicht? Das zeigt ein Blick in die Geschichte.

30.06.2016, aktualisiert 06.07.2016 - 17:5506.07.16 - 17:55
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Europäer und auch viele Briten sind schockiert, die Wirtschaft besorgt, die Politiker entrüstet – 51,9 Prozent haben im Referendum für den Austritt Großbritanniens aus der EU gestimmt. Für viele eine böse Überraschung… doch im Grunde nur eine weitere Zäsur in einer Geschichte voller Opt-outs, Sonderregelungen und Widerstände.

Die Briten waren schon immer ein widerwilliger Genosse und ihr Austritt aus der EU wird von so einigen als Erleichterung empfunden. Doch zurecht?

Zwischen Empire und Europa

Es ist nicht zu leugnen: Die Idee der europäischen Integration widersprach in vielerlei Hinsicht den Interessen Großbritanniens. Das Vereinigte Königreich war als Siegermacht aus dem Weltkrieg hervorgegangen und noch sehr stark seinen imperialen Interessen und Verpflichtungen verschrieben. Noch 1950 gingen knapp 50 Prozent der britischen Exporte in die Länder des Commonwealth, 42 Prozent der Waren wurden aus dem Commonwealth importiert.

Mitte der 1960er Jahre wurde allerdings zunehmend der Zerfall des Commonwealth of Nations sichtbar und auch die Beziehungen Großbritanniens zu den USA wurden brüchig. Gleichzeitig hinkte die Wirtschaftsentwicklung des Landes deutlich der der EWG-Staaten hinterher: Die EFTA, ein Freihandelsabkommen der „äußeren Sieben“, an dem sich neben Großbritannien sechs weitere europäische Staaten beteiligten und das als Alternative zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft diente, hatte die Hoffnungen auf Wirtschaftswachstum nicht erfüllt.