Warum Isabelle Cabie mit schlechten Unternehmen reden möchte (Teil 2)„Durch Best-in-Class fördern wir Best Practice”

„Investieren nach ESG-Kriterien schafft nicht nur Mehrwert, sondern bewirkt auch, dass Unternehmen ihr Verhalten ändern“, ist Isabelle Cabie, Global Head of Responsible Development bei Candriam, überzeugt. Wie genau das abläuft und wie nachhaltiges Investieren Risiken reduziert, erklärt sie im zweiten Teil unseres Interviews.

10.02.2017 - 09:31 Uhr10.02.17 09:31
|
Von: 
|
|
Isabelle Cabie, Global Head of Sustainable and Responsible Investments bei Candriam
Isabelle Cabie, Global Head of Sustainable and Responsible Investments bei Candriam

der fonds: Frau Cabie, Candriam deckt bei seiner Titelauswahl alle Regionen ab. Welche Sektoren und Regionen sind die Besten oder Schlechtesten, wenn es um nachhaltige Investments geht?

Isabelle Cabie: Vom Besten oder Schlechtesten würde ich gar nicht sprechen. Was berücksichtigt werden muss, sind die kulturellen Aspekte in den jeweiligen Regionen. Aus diesem Grund nehmen wir in jeder Region eine Auswahl vor – für Europa, Nordamerika, Asien, die Pazifik-Region, die Emerging Markets... Andernfalls wäre es zu schwierig, denn man hätte dann eine Verzerrung zugunsten irgendeiner Region. Es stimmt schon, dass das Umwelt- und Sozialbewusstsein in Europa stärker ist. Hier legt man mehr Wert auf Offenlegung und es wurden viele Fortschritte gemacht in Bezug auf rechtliche Vorgaben und Anforderungen bezüglich der ESG-Kriterien. Die USA hinken hier ein wenig hinterher.

Was ist mit den Emerging Markets?

Cabie: Der wichtigste Faktor und erste Schritt bei Nachhaltigkeit sind Veröffentlichung und Transparenz. In den Emerging Markets – und deswegen haben wir hier unseren Prozess leicht angepasst – ist Publizität ein großes Problem. Aus diesem Grund setzen wir stärker auf Ausschlusskriterien hinsichtlich Exposure und kontroversem Verhalten. Darüber hinaus legen wir unsere Toleranzgrenze strikt aus.

Wo ist es am schwierigsten, geeignete Anlagemöglichkeiten zu finden?

Cabie: Auch in den Emerging Markets besteht unser Ziel darin, die besten Unternehmen herauszusuchen. Dabei gehen wir viel strenger vor, wenn es um bestimmte Kriterien und Ausschlusskriterien geht. So wollen wir verhindern, dass wir gegenüber bestimmten Dingen exponiert werden. Aber das sind nun mal die Besonderheiten der Region, die wir stets berücksichtigen müssen. Wir passen uns gewissermaßen dem Entwicklungsstand der Länder hinsichtlich von ESG-Kriterien an. Aber die Region wird sich sicher weiterentwickeln. Wenn wir uns zum Beispiel den Emerging Market-Fonds in unserem Sortiment ansehen, stellen wir fest, dass wir dort viel dekarbonisiert haben, denn unserer Meinung nach besteht in diesem Bereich die größte Herausforderung. Und von den Ländern in den Emerging Markets verlangen wir, dass sie Minimalstandards einführen im Hinblick auf Aspekte wie beispielsweise Demokratie oder Antikorruptionsmaßnahmen.

Bedeutet das, dass man als Investor im Grunde genommen ganze Märkte beeinflussen und positive Veränderungen bewirken kann?

Cabie: Zunächst einmal fördern wir Best Practice und tragen zur nachhaltigen Entwicklung in allen Sektoren bei, indem wir in jedem Sektor nur die besten Unternehmen unterstützen – das ist eine positive Nebenwirkung des Best-in-Class-Ansatzes. Fernerhin hängt die Einflussmöglichkeit davon ab, um welchen Bereich es sich handelt und ob man als Investor in einem Markt allein ist oder zusammen mit anderen Investoren agiert. Am wirksamsten sind globale Aktionen zusammen mit anderen Investoren, um Firmen dazu zu bewegen, ihre Transparenz zu verbessern oder bestimmte Praktiken oder Verhaltensweisen zu ändern. Auf jeden Fall gibt es viele Bemühungen im Dialog mit Unternehmen.

Ist diese Tendenz einseitig oder sind auch Unternehmen am Dialog interessiert?

Cabie: Wir sehen immer mehr Unternehmen, die auf uns zukommen und fragen: „Welche Faktoren sind für Sie wichtig?“ „Was muss ich tun, um eine bessere Bewertung zu erhalten?“ „Wie schneiden wir ab im Vergleich zu unseren Konkurrenten?“ „Welche Informationen benötigen Sie?“ Das tun natürlich nicht alle Unternehmen, aber ihre Anzahl wächst. Und manchmal sagen sie: „Wir sind uns des Problems bewusst, aber wir arbeiten daran“, und hoffen, dass wir unsere Bewertung ändern. Selbstverständlich fassen wir nach und prüfen, ob die Indikatoren sich verbessert haben.