Die 12 größten Fehler Warum wir bei der Geldanlage immer wieder scheitern

Mehr Aktionäre, mehr Broker, mehr Nachhaltigkeit: Auf den ersten Blick erleben wir aktuell ein Umdenken in Sachen Geldanlage. Bei genauerer Betrachtung wird allerdings deutlich, dass sich in den vergangenen 20 Jahren nicht viel verändert hat, sagt unser Gastautor Martin Eberhard. Er erklärt, welche Fehler viele Deutsche beim Investieren machen.

23.06.2021, aktualisiert 01.07.2021 - 09:3001.07.21 - 09:30
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Hang zum Girokonto
Hang zum Girokonto: Viele Leute zahlen nach wie vor lieber Strafzinsen, als dass sie sich Gedanken über ein langfristiges Finanzkonzept machen © IMAGO / Westend61

Die Bertelsmann Stiftung untersuchte bereits im März 2004 den „finanziellen Analphabetismus“ in Deutschland. Der Finanzplaner, Autor und New York Times Kolumnist Carl Richards beschreibt in seinem Buch „The Behavior Gap“ die Kluft zwischen dem, was Anleger tun, und dem, was sie eigentlich tun sollten.

In Sachen Finanzbildung ist die Bundesrepublik noch immer eine Wüste: So kauft der Deutsche heute zwar mehr Fonds, ETFs und Aktien, liebt aber immer noch sein Festgeld, den Bausparvertrag und die Lebensversicherung als Altersvorsorge. Von einem Land der Investoren sind wir noch weit entfernt. Das liegt auch an diesen zwölf Fehlern, die bei der Geldanlage immer wieder gemacht werden:

1. Wir wissen viel zu wenig über Geld

Über Geld spricht man nicht. Bei vielen beginnt das schon in der Familie. Auch unter Freunden sind die Finanzen ein Tabuthema. Schule und Politik schaffen es ebenfalls bis heute nicht, den Deutschen den Unterschied zwischen einem Aktienfonds und einem Rentenfonds beizubringen – geschweige denn zu erklären, was ein Investmentfonds überhaupt ist.

2. Wir nutzen Produkte, haben jedoch keinen Plan

Den Bausparer für die Immobilie, das Festgeld für den Notgroschen und die Versicherung für die Rente. In Summe besitzen wir dicke Ordner, wissen aber nicht, wie viel Geld wir für unsere Sparziele benötigen und ob wir diese jemals erreichen werden.

3. Wir lassen uns von unseren Emotionen leiten – ständig!

Entweder wir sind zu gierig oder wir sind zu ängstlich. Entweder wir lassen alles auf dem Festgeld oder wir starten unser erstes Investment direkt mit Bitcoins oder der Biontech-Aktie. Mit Strategie hat dies nichts zu tun, lediglich mit Glücksspiel.

4. Wir haben die falschen Berater

Weil wir bei der Geldanlage unsicher sind, suchen wir uns einen Berater. Wir geben gerne die Verantwortung ab und wundern uns dann über die Ergebnisse. Versicherungsvermittler und Bankberater zählen zu den unbeliebtesten Berufen. Dennoch vertrauen wir ihnen unser komplettes Geld an?

5. Wir lieben die Sicherheit und meiden die Schwankung

Aus Angst, Geld zu verlieren, unternehmen wir mal besser nichts. Wir akzeptieren Verwahrentgelte und beschweren uns über die Geldpolitik der Notenbank. Wir lieben die Garantie – richtige Investoren streben jedoch nach Rendite und akzeptieren die Schwankung.

6. Wir rechnen ohne die Inflation

Bei einer Inflationsrate von 2 Prozent verliert unser Kapital innerhalb von 20 Jahren 32,7 Prozent seiner Kaufkraft. Das ist eine Preissteigerung von 48,59 Prozent. Wir spüren die Inflation zwar, doch sie bereitet uns kurzfristig keinen Handlungsdruck.

                        

7. Wir unter- und überschätzen die Rendite

Wir unterschätzen, welche Renditen langfristig mit Fonds und ETFs möglich sind und überschätzen die kurzfristigen Erträge einzelner Investments. Wir suchen nach der nächsten Amazon-Aktie und wollen den schnellen Reichtum anstatt stressfrei in ein breit aufgestelltes Portfolio zu investieren.

8. Wir sparen und zahlen einen hohen Preis

ETFs werben mit niedrigen Gebühren. Noch günstiger ist der Kauf einer einzelnen Aktie. Doch was bringt das billigste Produkt, wenn am Ende des Tages die Qualität nicht stimmt?

9. Wir verstehen nichts von Steuern

Einkünfte aus Kapitalvermögen werden mit der Abgeltungssteuer anstelle des persönlichen Steuersatzes belegt – wer weiß das schon und nutzt es auch? Wir schaffen es nicht einmal, jährlich unseren Freistellungsauftrag geschickt auszuschöpfen, beklagen uns aber über die hohe Steuerlast.

10. Wir wären gerne flexibel, sind es aber nicht

Der Notgroschen ist uns wichtig – doch meistens liegt dort entweder zu viel oder zu wenig. Wir binden uns an langfristige Konzepte ohne Ertrag und bezahlen bis zu 15 Prozent Überziehungszinsen auf unserem Girokonto.

11. Wir streuen unser Geld viel zu wenig

Ein Bausparvertrag, Festgeld und eine Versicherung sind keine Streuung. Auch drei Aktien oder zwei Fonds sind zu wenig. Wir streuen nicht in Länder, Branchen, Unternehmen, Währungen, Risikoklassen oder Laufzeiten. Nein, wir haben uns noch nicht einmal damit beschäftigt, sondern kaufen den nächsten heißen Tipp der Woche.

12. Wir verlieren die Kontrolle – immer wieder

Wir wissen weder, was wir in den vergangenen 20 Jahren verdient haben, noch, was wir gespart haben. Wir schätzen unseren Kontostand und haben keine Antwort auf die Frage nach der historischen Rendite.

Sicher, im Leben gibt es vieles, das mitunter wichtiger und dringender ist als Geld. Doch: Der Umgang mit Finanzen gewinnt zunehmend an Bedeutung – besonders vor dem Hintergrund der Inflation, der schwindenden Anlagealternativen und der demografischen Herausforderung der staatlichen Rente. Nichtstun ist deshalb keine Alternative!

Über den Autor:

Martin Eberhard ist seit 2003 als Finanzanlagenvermittler tätig. Sein Unternehmen fondsfueralle.de konzentriert sich auf die Vermittlung von Investmentfonds und ETFs. Zum Stichtag 31. April 2021 betreut seine Firma 53 Millionen Euro Kundenvermögen.

2021 belegte Martin Eberhard im Rahmen des Black Bull Awards bei der Wahl zum „Fondsexperten des Jahres“ den dritten Platz. In Vorträgen & Webinaren informiert er seit Jahren über „stressfreies Anlegen“ mit Investmentfonds.