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Börsenhändler bei der Analyse

Börsen-ABC Was das KGV aussagt – und was nicht

Das klassische Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) soll Anlegern zeigen, wie Aktien und Märkte aktuell bewertet sind. Doch würde die Börse einer so einfachen Mechanik gehorchen, wären dann nicht alle Börsianer so reich wie Warren Buffett? Stellt sich die Frage: Welchen Nutzen hat das KGV?

12.01.2021 - 10:00 Uhr | in News

Seit Jahren steigen die Aktienkurse schneller als die Unternehmensgewinne. Die Folge: Höhere Bewertungen, welche sich im Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) widerspiegeln. Gerade unter den wertvollsten Konzernen sind nur noch sehr wenige moderat bewertet. Doch was sagt das über das KGV aus?

Das KGV bezeichnet die Relation zwischen dem derzeitigen Kurs der Aktie und dem Jahresgewinn pro Aktie. Es wird berechnet, indem der Kurs einer Aktie durch den Gewinn dividiert wird. Häufig wird das KGV auf die Gewinne des kommenden Jahres berechnet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt also an, mit dem Wievielfachen des auf sie entfallenden Gewinns eine Aktie aktuell bewertet wird. Einfach gesagt: Bei einem KGV von 10 müsste ein Investor zehn Jahre warten bis er seinen Einsatz wieder zurück hat. Vorausgesetzt: Dass sich die Höhe der Gewinne über die Jahre nicht verändert – was eher unwahrscheinlich ist.

Gewinnprognosen oft falsch

So einfach die KGV-Formel ist, die Interpretation ist weitaus komplizierter. Grundsätzlich deutet ein hohes KGV auf eine Überbewertung einer Aktie hin, während ein niedriges KGV als Indiz für eine Unterbewertung gesehen wird. Also: Je niedriger das KGV, desto günstiger erscheint die Aktie im Vergleich zum Gesamtmarkt. Genau zu diesem Zeitpunkt wollen Anleger einsteigen, um künftig überdurchschnittliche Renditen zu erzielen.

Allerdings sind Gewinnschätzungen mit großen Unsicherheiten behaftet und in manchen Marktphasen sogar unbrauchbar – beispielsweise zu Beginn eines konjunkturellen Abschwungs. Verlässlich kann das KGV lediglich auf Grundlage der vergangenen Gewinne kalkuliert werden. Doch Anleger wollen nicht wissen, ob eine Aktie überbewertet war, sondern ob sie zum Kaufzeitpunkt teuer beziehungsweise günstig ist.

Das KGV ist nur ein Richtwert

Da verschiedene Branchen unterschiedlich hohe KGVs aufweisen, ist eine generelle Aussage, ab welchem KGV-Wert eine Aktie über- oder unterbewertet ist, nicht möglich. Es gibt Branchen, die immer niedriger oder höher bewertet sind als andere. Beispielsweise haben Technologieaktien ein sehr hohes KGV zu verzeichnen. Öl-Konzerne hingegen ein niedriges.

Anleger, die auf unterbewertete Aktien setzen, könnten durchaus niedrigere Renditen erzielen als Investoren, die auf einen einen passiven börsengehandelten Indexfonds (ETF) setzen und dabei eine einfache Buy-and-hold-Strategie verfolgen. Deshalb sollten Investoren immer mehrere Kennzahlen heranziehen, um einen ganzheitlichen Eindruck von der Bewertung eines Marktes, einer Branche oder einer einzelnen Aktie zu bekommen. Denn unterbewertete Märkte sind keine Garantie für steigende Kurse. Ebenso wenig laufen teure Aktien Gefahr, bald wieder zu fallen.