Knappes Angebot Was die Energiekrise fürs Depot bedeutet

Seitdem die Wirtschaft wieder Fahrt aufnimmt, ist der Energiebedarf massiv gestiegen. Weil das Angebot nicht mithalten konnte, sind die Öl- und Gaspreise in die Höhe geschnellt – und mit ihnen die Aktienkurse entsprechender Unternehmen. Dabei dürfte es sich aber lediglich um ein Strohfeuer handeln.

21.10.2021, aktualisiert 26.10.2021 - 11:0426.10.21 - 11:04
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Öltanker und -Plattform auf hoher See
Öltanker und -Plattform auf hoher See: Die jüngste Rally der Aktien von Öl- und Gasunternehmen dürfte nicht lange anhalten © Imago Images / agefotostock

Weltweit bestehen derzeit massive Energieengpässe: Seitdem die Weltwirtschaft wieder anzieht, ist die Nachfrage massiv gestiegen – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Preise: „In den vergangenen zwölf Monaten haben wir massive Preissteigerungen bei Öl (+100 Prozent), Kohle (+350 Prozent), US-Gas (+95 Prozent) und europäischen Gas (+590 Prozent) beobachtet“, sagt Michel Salden, Head of Commodities bei Vontobel Asset Management. „Die Rally der Energiepreise beschränkt sich also nicht nur auf den Ölsektor, in dem die OPEC-Staaten die Märkte strukturell unterversorgt halten. Auch bei anderen Energieträgern steigt die Nachfrage – bei anhaltend schwachem Angebot.“

Europa hat verschlafen

Der europäische Energiesektor hat sich zwar auf die Energiewende eingestellt – weg von fossilen Brennstoffen und hin zu den erneuerbaren Energien. „Dabei wurde allerdings versäumt, in ausreichende Reservekapazitäten wie Atomkraft, Gas und Öl zu investieren, während die Speicherkapazitäten für erneuerbare Energie weiterhin begrenzt sind“, kritisiert Salden. Zwar liege es für die Politik nahe, Russland für die Gasknappheit verantwortlich zu machen. Das führe jedoch in die Irre: Dort sei das höchste Fördervolumen über einen längeren Zeitraum erreicht und alle langfristigen Lieferverträge eingehalten worden.

Das ändert allerdings nichts daran, dass in Frankreich, Spanien und anderen Ländern bereits über eine Preisbremse für Strom und Gas diskutiert wird. Eine solche sei jedoch der falsche Weg, wie Andreas Löschel, Professor für Umwelt- und Ressourcenökonomik an der Ruhr-Universität Bochum, im Interview mit t-online.de sagt: „Geht man jetzt hin und hebelt den Markt aus, verschlimmert sich die Knappheit, weil die teuren Gaskraftwerke dann gar nicht mehr produzieren. Und man tut mit solchen Preisdeckeln auch der Energiewende einen Bärendienst.“

Erneuerbare Energien bleiben für Anleger interessant

Dass wir gerade ein anhaltendes Comeback brauner Energie erleben, glaubt Chris Iggo, Chefstratege bei AXA Investment Managers, derweil nicht. Der Übergang zur kohlenstoffarmen Wirtschaft sei ein wichtiger struktureller Trend. Auf der Nachfrageseite steige der Bedarf an erneuerbaren Energien für die Stromerzeugung und für eine Reihe von Industrieprozessen. Auf der Angebotsseite beginnen Anleger, Kapital aus Öl- und Gasunternehmen abzuziehen, um saubere Technologien zu finanzieren. Iggo: „Das treibt die Kapitalkosten für den Erdöl- und Erdgassektor in die Höhe, so dass neue Kapazitäten wirtschaftlich weniger rentabel sind.“

Die Kosten für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sind in den vergangenen Jahren gesunken. In vielen Fällen sind sie niedriger als bei ihren fossilen Pendants. Dieser Trend wird sich fortsetzen, da die Technologie voranschreitet, die Kapitalkosten für grüne Technologien sinken und sich ein globaler Preis für CO2-Emissionen entwickelt. „Solange jedoch die Nachfrage nach Öl und Gas weiter steigt, werden die Preise aufgrund von Versorgungsengpässen sowohl bei den erneuerbaren Energien als auch auf den traditionellen Energiemärkten steigen“, erwartet Iggo.

Auf der am 31. Oktober beginnenden UN-Klimakonferenz (COP26) müssen politische Entscheidungsträger daher mehr Klarheit darüber schaffen, wie sie mit der Energiepreisinflation umgehen wollen, sagt Vontobel-Experte Salden. „Es dürfte eine spannende Debatte werden, da die höheren Energiepreise bereits als Vorlage zur Begründung politischer Maßnahmen benutzt werden – von den einen, um die europäische Energiewende zu beschleunigen, von den anderen, um vor einer übereilten Energiewende zu warnen.“

Wie sollten Investoren auf die Energiekrise reagieren?

Wie sollten Anleger:innen vor dem Hintergrund der Energiebranche agieren? „Es spricht vieles dafür, sich jetzt von den Unternehmen zu trennen, die im Hinblick auf die Diversifizierung der Geschäftstätigkeit und die Umweltauswirkungen der fortgesetzten Öl- und Gasproduktion am schlechtesten abschneiden“, betont Iggo.

Der Anstieg der Energiepreise und die damit einhergehende Rally der Aktien von Öl- und Gasunternehmen sollte vor diesem Hintergrund nur als Punktsieg des konventionellen Energiesektors gewertet werden, sagt Johannes Meier, Fondsmanager bei Bantleon. „Mittel- und langfristig überwiegen hier die Risiken, was zumindest auf lange Sicht die Erträge und damit die Aktienkurse dieses Sektors belasten sollte. Grüne Energieversorger hingegen haben eine glänzende Zukunft vor sich.“ Anleger mit etwas längerem Atem könnten vom Ausbau der sauberen Energien profitieren.

Im Folgenden stellen wir drei Fonds vor, die sich mit dem Thema erneuerbare Energien beschäftigen. Dabei haben wir nur Fonds berücksichtigt, die bereits mindestens fünf Jahre auf dem Markt sind. Darüber hinaus müssen sie mindestens 10 Millionen Euro Volumen auf die Waage bringen. Institutionelle Anteilklassen werden nicht berücksichtigt. Grundlage bilden die Daten in unserer Fonds-Suche (Quelle: FWW Fundservices GmbH, Wertentwicklung jeweils in Euro. Stand: 21. Oktober 2021).

Hinweis: Es handelt sich hierbei um keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung. Die Geldanlage am Kapitalmarkt ist mit Risiken verbunden. Aus Wertentwicklungen in der Vergangenheit lässt sich nicht auf künftige Wertentwicklungen schließen.

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