Globale ZieleWas die UN-Klimakonferenz für Anleger bedeutet

Bei der UN-Klimakonferenz im November werden die globalen Klimaschutzmaßnahmen bewertet und vermutlich verschärft. Warum es dabei kontroverse Diskussionen geben könnte und Anleger die Ergebnisse im Blick behalten sollten, sagen die Experten von J.P. Morgan Asset Management.

13.07.2021 - 10:00 Uhr13.07.21 10:00
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Wasserfall im Nationalpark Krka, Kroatien
Wasserfall im Nationalpark Krka, Kroatien: Anleger sollten die Ergebnisse der Klimakonferenz im November beachten© IMAGO / NurPhoto

Anfang November werden die bedeutendsten Nationen in Glasgow zusammenkommen, um globale Pläne zur Bekämpfung des Klimawandels zu schmieden. Bei der COP26 abgekürzten 26. UN-Klimakonferenz der Vertragsparteien werden die Staats- und Regierungschefs die 2015 im Rahmen des Pariser Abkommens eingegangenen Verpflichtungen überprüfen, die bisherigen Fortschritte bewerten und einen Fahrplan für die Zukunft festlegen. Die Verpflichtung aus dem Jahr 2015 lautet: Die globale Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf deutlich unter 2 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen.

Größere Anstrengungen erforderlich

„Das Besondere an dieser Jahrestagung ist, dass die USA wieder mit am Tisch sitzen und für neuen Schwung sorgen“, blicken die Experten von J. P. Morgan Asset Management voraus. Ganz oben auf der Agenda stehen der Vergleich der nationalen CO2-Emissionen mit den geplanten Werten und die Beurteilung, ob diese für das Erreichen der globalen Klimaziele ausreichen.

Die Schlussfolgerung wird voraussichtlich lauten, dass größere Anstrengungen erforderlich sind – obwohl viele Regierungen ihre Pläne bereits erweitert haben. Die EU möchte ihre Emissionen bis 2030 um 55 Prozent verringern, während das Erreichen von Netto-Null-Emissionen bis 2050 zum neuen Ziel erklärt wurde. Das Vereinigte Königreich und Frankreich waren im Jahr 2020 die ersten großen Volkswirtschaften, die ihre Netto-Null-Emissionsziele gesetzlich festgeschrieben haben. Viele andere Länder, darunter auch die USA, folgen nun ihrem Beispiel. China strebt Netto-Null-Emissionen für 2060 an.

Die Neuausrichtung der USA in Bezug auf die globalen Klimainitiativen stellt einen Wendepunkt dar. Nachdem die USA einen globalen Klimagipfel am „Earth Day“ organisiert und die Ankündigung der G7 unterstützt haben, die Subventionen für fossile Brennstoffe bis 2025 zu beenden, werden sie sich voraussichtlich bei der COP26 für ein neues großes Klimaabkommen einsetzen.

Da sich die großen Volkswirtschaften bereits hinter dieses Ziel gestellt haben, könnten Netto-Null-Emissionen durchaus das neue offizielle globale Ziel werden. „Das wird enorme Veränderungen in der Weltwirtschaft erfordern. Wir erwarten, dass auf der COP26 eine Welle neuer politischer Maßnahmen und umfangreiche Investitionen in grüne Infrastruktur angekündigt werden.“

Um Netto-Null-Emissionen zu erreichen, muss die Politik jedoch auch die Anreize für den privaten Sektor erhöhen, die CO2-Emissionen zu verringern. Daher dürften Initiativen zur CO2-Bepreisung wie Steuern und Emissionshandelssysteme (ETS) wahrscheinlich ebenfalls auf der Agenda stehen.

Mögliche Handelsspannungen

„Solche Diskussionen könnten jedoch zu Handelsspannungen führen, wenn Länder versuchen, die Schuld und die Notwendigkeit für Veränderungen anderen in die Schuhe zu schieben“, so die Experten von J. P. Morgan Asset Management. Auf Länderebene ist China der größte Emittent von Treibhausgasen (siehe Abbildung 1).

Der Blick auf die Daten pro Kopf zeigt allerdings, dass die USA die größten Anstrengungen leisten müssen. Andere hingegen werden argumentieren, dass für einen sinnvollen Vergleich die jeweilige Phase der wirtschaftlichen Entwicklung oder die Abhängigkeit des Bruttoinlandsprodukts vom verarbeitenden Gewerbe zu berücksichtigen sind. „Das kann sich bei den Bemühungen der Gruppe, sich auf eine gemeinsame Lösung zu einigen, als hinderlich erweisen.“

Abbildung 1: CO2-Emissionen im Vergleich

Quelle: J. P. Morgan Asset Management

Die Hindernisse für den Fortschritt könnten sich als besonders frustrierend für Europa erweisen, das in diesem Bereich deutlich fortgeschrittener ist als andere und sicherstellen möchte, dass seine hohen Regulierungsstandards auch anderswo eingehalten werden – damit Maßnahmen wie höhere CO2-Preise in der EU nicht die Rentabilität oder Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in der Region schädigen (siehe Abbildung 2).

„Wenn die EU, China und die USA sich nicht auf einen gemeinsamen Nenner zur Festsetzung eines CO2-Preises einigen können, muss die EU möglicherweise eine kurzfristige Lösung finden, um sicherzustellen, dass ihre Klimabemühungen nicht zu Lasten der ansässigen Unternehmen gehen“, gibt J.P. Morgan Asset Management zu bedenken.

Abbildung 2: CO2-Bepreisung im Vergleich

Quelle: J. P. Morgan Asset Management

Eine Lösung, die in Europa anscheinend an Beliebtheit gewinnt, ist ein CO2-Grenzausgleichsmechanismus (Carbon Border Adjustment Mechanism, kurz: CBAM). Ein solcher Einfuhrzoll soll sicherstellen, dass die Umweltbilanz eines Produkts gleich bepreist wird, unabhängig davon, ob es lokal hergestellt oder importiert wird.

Portfolio anpassen

„Anleger sollten darauf achten, wie Ankündigungen bei und nach der COP26 ihre Portfolios beeinflussen könnten“, sagen die Experten von J.P. Morgan Asset Management. Einige Unternehmen werden von neuen Investitionen in grüne Infrastruktur oder davon profitieren, dass sie im Vergleich zu ihren Mitbewerbern relativ gut auf den Übergang vorbereitet sind. Andere hingegen könnten zu den Verlierern gehören – insbesondere Firmen, die aufgrund der höheren CO2-Preise mit steigenden Kosten konfrontiert werden. Insbesondere, wenn sie diese nicht in Form höherer Preise weitergeben können.