Gegen Greenwashing Was Impact Investments mitbringen müssen

Wirkungsorientiertes Investieren liegt im Trend. Eine allgemeine Definition für Impact Investments gibt es bislang jedoch nicht. Mit dieser Herausforderung haben sich die FNG-Vorstandsmitglieder Florian Sommer und Helge Wulsdorf beschäftigt.

14.09.2021, aktualisiert 21.09.2021 - 09:5221.09.21 - 09:52
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Bisher fischen Anleger oft im Trüben – das soll sich ändern
Bisher fischen Anleger oft im Trüben – das soll sich ändern: Das Forum Nachhaltige Geldanlagen hat eine Definition für Impact-Investments entwickelt© IMAGO / blickwinkel

Der Markt für wirkungsorientierte Investments wächst rasant – weltweit, aber auch in Deutschland: Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) hat für das Jahr 2020 in der Bundesrepublik ein Volumen von 16,6 Milliarden Euro ermittelt. Das entspricht einer Verdopplung im Vergleich zu 2019, wie sie auch im gesamten deutschsprachigen Raum zu beobachten war.

Für weiteres Wachstum spricht: In der für den FNG-Marktbericht 2021 Nachhaltige Geldanlagen – Deutschland, Österreich und die Schweiz durchgeführten Umfrage zum Thema Impact räumten drei Viertel der Befragten der sozial-ökologischen Wirkung von Investments einen hohen oder sehr hohen Stellenwert ein. 

Gleichzeitig lässt sich eine teilweise inflationäre Nutzung des Impact-Begriffs beobachten, während eine allgemeingültige Definition fehlt.

FNG-Definition: Impact Investments

„Der marketinggetriebenen Nutzung des Impact-Begriffs lässt sich nur entgegenwirken, wenn die Definition und die Inhalte von Impact Investments geschärft werden“, erklären die beiden FNG-Vorstandsmitglieder Florian Sommer und Helge Wulsdorf. Basierend auf den Erkenntnissen wissenschaftlicher Studien und praktischen Markterfahrungen hat das FNG daher im Rahmen einer Arbeitsgruppe folgende Definition erarbeitet:

„Bei Impact Investments handelt es sich um Investitionen, die neben einer finanziellen Rendite auch einen positiven Beitrag zur Lösung von ökologischen und/oder sozialen Problemen leisten.“

Diese bewusst breite Definition ergänzt das FNG um fünf Impact-Merkmale, anhand derer der Impact-Grad bziehungsweise Transformationsbeitrag diskutiert werden kann. Diese sind: Intentionalität, Zusätzlichkeit, Wirkungskanäle, Messbarkeit und Transparenz.

Intentionalität: Mit dem Investment wird beabsichtigt, zu einer nachhaltigen Transformation der Wirtschaft und Gesellschaft beizutragen.

Zusätzlichkeit: Der positive Beitrag des Investments – zum Beispiel zu den Sustainable Development Goals (SDGs) oder zur EU-Taxonomie – soll signifikant sein und glaubhaft dargelegt werden. Auch mögliche negative Beiträge sind hierbei zu berücksichtigen.

Wirkungskanäle: Die (direkten oder indirekten) Wirkungskanäle des Investments sollen erläutert werden.

Messbarkeit: Der positive Beitrag muss anhand messbarer Kriterien, zum Beispiel SDGs, EU-Taxonomie beziehungsweise Governance-Kriterien, dargelegt werden.

Transparenz: Über den positiven Beitrag muss transparent berichtet werden.

„Impact ist das Zukunftsthema der nachhaltigen Geldanlage. Die neue FNG-Definition baut auf Marktpraxis und wissenschaftlichen Studien auf. Die fünf Impact-Merkmale liefern das notwendige Handwerkszeug für eine glaubhafte Umsetzung im Markt“, kommentiert Florian Sommer.

Positiver Beitrag von Investments

Grundsätzlich betont das FNG, dass jedes Investment einen Impact hat. Der positive Beitrag auf Umwelt und Gesellschaft spiele bei Geldanlagen eine zunehmend wichtigere Rolle. Trotz dieser Entwicklung bestehe eine große Unschärfe bei Impact, was zur Gefahr von Greenwashing führt, also einer marketinggetriebenen Schönfärberei von Finanzprodukten. Die neue FNG-Definition für Impact Investments könne hier richtungsweisende Impulse geben.

Zusätzlichen Rückenwind für die Impact-Debatte liefere laut FNG die Regulatorik, unter anderem durch die EU-Offenlegungsverordnung, die EU-Taxonomie und MiFID II. Eine transparentere Gestaltung von Impact Investments sei vor allem dem Verbraucherschutz ein wichtiges Anliegen. Auch die Bundesregierung nenne die Weiterentwicklung der Messung von ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit als Ziel in ihrer Sustainable-Finance-Strategie. Nach wie vor fehle auf dem Markt allerdings eine einheitliche, regulatorikkonforme Klassifizierung von Finanzprodukten.

Weiterhin hohe Dynamik bei Impact Investments

„Die Finanzwirtschaft wird den sozialen und ökologischen Rucksack ihrer Produkte zunehmend offenlegen. Dabei ist dann sehr genau zu schauen, welche nachhaltigen Qualitätsanforderungen gerade ausdrücklich wirkungsbezogene Produkte erfüllen müssen, damit es nicht zu einer Irreführung der Anlegerinnen und Anleger kommt, erklärt Wulsdorf. „Schließlich wollen diese nicht nur finanzielle Rendite erwirtschaften, sondern mit ihren Geldanlagen auch einen nachweisbaren Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten.“

Das Zukunftsthema Impact bleibe weiterhin dynamisch. Es seien daher zusätzliche wissenschaftliche Untersuchungen notwendig, um die Thematik umfassender und tiefgreifender zu verstehen. Das gelte insbesondere im Bereich Impact-Messung.