Überwachung statt Anonymität Was wirklich hinter Chinas Krypto-Verbot steckt

Peking erhöht den Druck auf Kryptowährungen. Die chinesische Zentralbank hat jüngst alle Transaktionen mit Bitcoin und Co für illegal erklärt. Die Gründe für das Verbot kennt Jason Guthrie, Leiter Digital Assets Europa bei WisdomTree.

04.10.2021, aktualisiert 07.10.2021 - 09:2807.10.21 - 09:28
|
|
in  News
|
Mit Bitcoin die Rechnung bezahlen? Das war einmal. In China greifen die Regulierer hart gegen Kryptowährungen durch
Mit Bitcoin die Rechnung bezahlen? Das war einmal. In China greifen die Regulierer hart gegen Kryptowährungen durch© IMAGO / China Foto Press

Am 24. September 2021 hat die People's Bank of China (PBoC) Kryptowährungen wie dem Bitcoin, Ether und Tether den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels aberkannt. Die PBoC hat sämtliche Aktivitäten wie Marketing, Zahlungen, Abrechnungen und technische Unterstützung im Zusammenhang mit Krypto-Assets verboten. „Obwohl es sich um eine relativ große Neuigkeit handelt, kam diese Wendung der Ereignisse nicht völlig unerwartet“, so Jason Guthrie, Leiter Digital Assets Europa, bei WisdomTree.

Konkurrenz ausschalten

Die Ankündigung des Krypto-Verbots fällt zeitlich mit dem Vorstoß der Zentralbank für eine eigene digitale Währung zusammen – Zufall? Die PBoC hat kürzlich ihre digitale Zentralbankwährung (CBDC) in 28 Regionen eingeführt, darunter auch in führenden Wirtschaftsregionen. Innerhalb eines kurzen Zeitraums hat China seine eigenständige digitale Yuan-Mobile-App für fast 10 Prozent der Bevölkerung verfügbar gemacht.

„Wenn die PBoC die Einführung der CBDC vorantreibt, warum muss sie dann Kryptowährungen komplett verbieten?“, hinterfragt Guthier die Vorgehensweise. Die Antwort fällt recht kurz aus: „Um den Wettbewerb auszuschalten.“

Betrachtet man die wichtigsten Zielgebiete, in denen China die CBDC vorantreiben will, so handelt es sich dabei um die Pionierregionen der chinesischen Hightech-Entwicklung und beherbergen oft die technikbegeistertsten Unternehmen. Darüber hinaus waren Sichuan, Xinjiang, Yunnan und die Innere Mongolei früher die treibende Kraft beim Bitcoin-Mining in China. „Wenn die PBoC will, dass sich ihr digitaler Yuan durchsetzt, wird das wahrscheinlich ein wichtiges Schlachtfeld für sie sein, um die Herzen und Köpfe zu gewinnen. Doch die Wirksamkeit eines solchen Schrittes ist noch ungewiss, da die Menschen nicht nur Kryptowährungen befürworten, weil sie digital sind“, erklärt Guthrie.

Überwachung statt Anonymität

Der WisdomTree-Experte sieht einen weiteren möglichen Grund für den Versuch, Kryptowährungen zu verbieten. „Die Intention von Bitcoin sind Dezentralisierung und anonyme Transaktionen, während die Zentralbankwährung Zentralisierung und Datenerfassung anstrebt“, erläutert Guthrie. Die CBDC werde wahrscheinlich als ein gutes Instrument zur Überwachung wirtschaftlicher Aktivitäten, zur Verbesserung des Steuersystems und zur Durchsetzung von Kapitalkontrollen angesehen.

Die jüngsten Entwicklungen in China ließen die Kurse von Bitcoin (BTC) und Ether (ETH) zwischenzeitlich um 10 Prozent abstürzen. „Dabei handelte es sich jedoch nur um ein kurzes Phänomen. Die Preise stabilisierten sich rasch bei 43.000 US-Dollar für BTC und 2.900 US-Dollar für ETH und begannen anschließend wieder zu steigen“, so Guthrie.

Die mittelfristigen Auswirkungen auf die Nachfrage seien allerdings noch nicht abzusehen. Die internetbasierte Natur von Kryptowährungen macht es für jede Behörde schwierig, sie zu zensieren, selbst in China. Entschlossene Investoren würden einen Weg finden, wieder in den Markt einzusteigen. „Wenn die PBoC jedoch in der Lage ist, ihren digitalen Yuan als überlegene Option zu verkaufen, könnte das zu einer lokalen Verlangsamung und einem Rückgang der Akzeptanz führen.“

Der längerfristige Trend einer geringeren Krypto-Konzentration in China sei aber weiterhin positiv für den Gesamtmarkt. Die USA seien in der Regel die Profiteure, da verbotene oder eingeschränkte Aktivitäten ins Ausland verlagert werden. Guthrie: „Dies bringt mehr Transparenz und Rechenschaftspflicht mit sich, etwas, das Regulierungsbehörden und Investoren sowohl von Börsen als auch von Minern gefordert haben.“

Verbieten, weil es funktioniert

Einer der potenziellen Anwendungsfälle nativer Kryptowährungen wie Bitcoin besteht nach Aussage Guthries darin, dass sie den Menschen eine Möglichkeit bieten, Vermögen unbelastet von den Behörden zu halten und eine größere Kontrolle über ihre Finanzen auszuüben. Ein Land mit einem hohen Maß an Überwachung, einer Tendenz zu staatlichen Eingriffen und Kapitalkontrollen sollte ein fruchtbarer Boden für ein solches Versprechen sein. „Wenn die chinesische Regierung die Akzeptanz so hoch einschätzt, dass sie sich zum Eingreifen veranlasst sieht, könnte man annehmen, dass diese ein Niveau erreicht hat, das ihre Kontrolle infrage stellt“, argumentiert Guthrie. Mit anderen Worten: „China könnte Bitcoin verbieten, einfach, weil es funktioniert.“

Themen: