Diversifikation für das Portfolio Welche Vorteile bieten Investments in Cat-Bonds?

Naturkatastrophen haben in den vergangenen Monaten für hohe Schäden gesorgt. Die gestiegenen Versicherungsprämien führen zu höheren Verzinsungen bei Cat-Bonds, auch als Katastrophenanleihen bekannt. Warum sie im derzeitigen Marktumfeld ein interessanter Portfoliobaustein sein können und worauf Anleger:innen achten sollten, erklären vier Experten.

13.12.2021, aktualisiert 16.12.2021 - 09:2516.12.21 - 09:25
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Sturmflut überschwemmt den Hamburger Fischmarkt (2020)
Sturmflut überschwemmt den Hamburger Fischmarkt (2020): Katastrophenanleihen eignen sich als Diversifikation für das Depot. Sie sollten jedoch mit Bedacht ausgewählt werden© Imago Images / Jannis Große

Niedrige Anleiherenditen und hohe Aktienbewertungen prägen das derzeitige Marktumfeld. Insbesondere defensive Investor:innen fragen sich: Wie sollte ein zukunftsorientiertes Portfolio aufgebaut sein? Während Staatsanleihen, selbst mit langer Laufzeit, aktuell oft negativ rentieren und auch Unternehmensanleihen kaum noch Rendite bieten, könnten sich Katastrophenanleihen – oder kurz Cat-Bonds – als interessante Beimischung eignen.

Die Ursprünge der Katastrophenanleihen gehen auf das Jahr 1992 zurück, als Hurrikan Andrew den US-Bundesstaat Florida traf und erhebliche Schäden verursachte. Der Mangel an ausreichender Rückversicherungsdeckung führte zur Insolvenz dutzender Versicherer, wodurch knapp eine Million Versicherungsnehmer:innen ihre Absicherung verloren. Aus der Not entstand die Idee, Rückversicherungsrisiken an den Kapitalmarkt zu transferieren. Diese sind heute als Insurance-Linked-Securities (ILS) bekannt.

Chancen und Risken von Katastrophenanleihen

„Mit Cat-Bonds können Investoren global in Naturkatastrophenrisiken investieren“, erläutert Florian Steiger, Cat Bond Strategy Lead bei Twelve Capital. Dabei gilt es zu beachten: Tritt ein in dem Vertrag gedecktes Schadensereignis ein, wird das Kapital zur Zahlung der Versicherungsleistung genutzt, kommt also den Betroffenen der jeweiligen Katastrophe zugute. „Tritt das Ereignis nicht ein, was statistisch der Normalfall ist, so erhalten Investoren am Ende der typischerweise 3 bis 4 Jahre langen Laufzeit ihr Kapital zurück“, erklärt Karsten Bromann, Risikochef bei Solidum Partners.

Zudem erhalten Investor:innen für die Übernahme des Ereignisrisikos einen Coupon, der ökonomisch der Versicherungsprämie entspricht und meist relativ hoch ausfällt. „Die Höhe der Risikoprämie wird im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit des Kapitalverlustes festgelegt, die von Spezialisten für die Modellierung von Katastrophenrisiken berechnet wurde. Die Renditen beruhen zusätzlich auf Faktoren wie Saisonalität, der Anlegernachfrage, kürzlich aufgetretenen Verlustereignissen, dem verfügbaren Angebot an ähnlichen Wertpapieren und insbesondere der Not des Emittenten, die Risiken in seiner Bilanz zu verringern“, erklärt Michael Buchholz, Leiter Distribution bei GAM Investments.

Die Besonderheit: Katastrophenanleihen werden zwar dem Hochzinsanleihen-Segment zugeordnet, aber sie „korrelieren sehr gering mit anderen Anlageklassen, da sie nicht gegen allgemeine Wirtschafts- oder Ausfallrisiken von Gegenparteien exponiert sind, sondern nur das Ereignisrisiko tragen, das unabhängig vom Wirtschaftsverlauf ist“, erläutert Bromann. Investor:innen, die das Risiko eingehen, werden reichlich belohnt: „Seit 2002 liegen die historischen Renditen bei rund 7 Prozent p.a.“, ergänzt Steiger.

Die ordentlichen Renditen in den vergangenen Jahren sollten jedoch nicht den Blick für die Risiken verstellen, die mit einer Investition in Cat-Bonds einhergehen: Denn, sofern es doch mal zu einer größeren Naturkatastrophe kommt, kann die erzielte Rendite innerhalb kürzester Zeit verloren sein. Ein Risiko, das angesichts der sich häufenden Extremwetterereignisse im Zuge des Klimawandels nicht kleiner wird.

Einfluss des Klimawandels auf den Cat-Bonds-Markt

In der Rückversicherungsindustrie wird der Klimawandel ernst genommen. Cat-Bonds sind das bis dato „einzig bekannte, investierbare Wertpapier, dessen Preis sich kontinuierlich an die sich ändernden Wettermuster anpasst. Diese werden kontinuierlich überwacht, um sicherzustellen, dass Anleger für die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken angemessen entschädigt werden“, betont Buchholz.

„Der größte Teil des Schadenanstieg ist jedoch nicht auf den Klimawandel zurückzuführen. Entscheidendere Faktoren sind die markante Zunahme der Bevölkerungsdichte, die Versicherungsdichte, die Inflation, der Wohlstand und die Gebäudequalität in exponierten Gebieten“, erklärt Niklaus Hilti, Leiter des Insurance Linked Strategies Teams bei der Credit Suisse. „Kurzfristige Klimaschwankungen sind aber weiterhin der dominierende Treiber für die Profitabilität dieser Anlageklasse“, ergänzt Steiger. Das liege daran, dass der Klimawandel langfristig zu einer steigenden Nachfrage nach Versicherungsschutz führen dürfte – was attraktive Renditen und ein höheres Emissionsvolumen mit sich bringen sollte.

„Die fehlende Korrelation von Cat-Bonds zu anderen Anlageklassen hat bei Anlegern für Kapitalerhalt und ein ruhiges Gewissen in einer volatilen und unsicheren Zeit an den breiteren Finanzmärkten gesorgt. Die Beimischung von Cat-Bonds trägt dazu bei, die Volatilität im Portfolio zu verringern“, sagt Steiger. „Damit können sie im gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld eine interessante Rolle im Bond-Teil eines Portfolios spielen“, ergänzt Bromann. „Sie sind für Anleger attraktiv, die ihr Portfolio diversifizieren und gegen Schwankungen an den breiteren Finanzmärkten absichern möchten“, so Buchholz.

Investieren in Cat-Bonds

Für Privatanleger:innen, die sich näher mit dem Thema Cat-Bonds beschäftigen möchten oder über ein Engagement nachdenken, gibt es allerdings nur eingeschränkte Anlagemöglichkeiten. Nicht zuletzt, da sich die Emittenten in erster Linie an institutionelle Investor:innen und Pensionskassen richten. Der Nennwert derartiger Anleihen liegt daher oft im Bereich von 100.000 bis 1.000.000 US-Dollar – was eine Direktinvestition für Privatanleger:innen sehr kostspielig macht.

Investor:innen können alternativ jedoch auf Fondslösungen zurückgreifen. „Eine Beimischung von Cat-Bonds zu einem ausgewogenen Portfolio hat historisch das Risiko nachweislich verringert und den Ertrag verbessert“, betont Buchholz. Entsprechende Fonds bieten den großen Vorteil, dass sie diversifiziert in verschiedene Cat-Bonds investieren, was das Risiko eines Totalverlusts verringert. Wir stellen euch 5 Fonds vor, die sich explizit mit dem Thema Katastrophenanleihen beschäftigen.

Hinweis: Es handelt sich hierbei um keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung. Die Geldanlage am Kapitalmarkt ist mit Risiken verbunden. Aus Wertentwicklungen in der Vergangenheit lässt sich nicht auf künftige Wertentwicklungen schließen. Quelle der Daten: FWW Fundservices. Bitte beachte die Hinweise unter: https://www.fww.de/disclaimer (Haftungsausschluss). Für Inhalte und Richtigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Stand der Daten: 13. Dezember 2021.

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