Weltweit schwacher Handel Ist das die „neue Normalität“?

Seit der Finanzkrise hat sich die Handelselastizität in der Welt halbiert. Nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank wird sich dies in den kommenden Jahren auch nicht ändern. Grund sind Krisen in aufstrebenden Schwellenländern und strukturelle Faktoren.

20.09.2016 - 16:4121.09.16 - 10:10
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Vor der Finanzkrise 2008 stieg der weltweite Handel im Schnitt etwa doppelt so stark wie die globale Wirtschaftsleistung, schrieb die Europäische Zentralbank (EZB) in einem am Dienstag veröffentlichten Artikel ihres Wirtschaftsberichts. Doch im Laufe der vergangenen fünf Jahre stagnierte das Verhältnis von Importen zum weltweiten Bruttoinlandsprodukt weitgehend und dürfte auf dem gegenwärtigen Niveau bleiben.

Die zunehmende Bedeutung der aufstrebenden Volkswirtschaften, deren Wachstum normalerweise weniger handelsintensiv ist, sowie abnehmende strukturelle Faktoren haben die Handelselastizitäten auf globalem und nationalem Niveau verringert, heißt es.

Schocks in Brasilien und Russland sorgen für Abschwächung

„In die Zukunft blickend scheint es unwahrscheinlich, dass sich die strukturellen Faktoren mittelfristig umkehren werden. Es wird weithin erwartet, dass die allmähliche Verlagerung der Aktivität hin zu den Schwellenländern anhalten wird. Darüber hinaus wird nicht erwartet, dass die strukturellen Entwicklungen, die den Handel früher gestützt haben - fallende Transportkosten, Handelsliberalisierung, Ausweitung der globalen Wertschöpfungskette und finanzielle Vertiefung -, den Handel mittelfristig in demselben Ausmaß stützen werden."

Auszug aus dem Wirtschaftsbericht der EZB

Die Handelselastizität in der Welt, ohne Berücksichtigung des Euroraums, halbierte sich von 1,8 in den Jahren 1995 bis 2007 auf 0,9 in den Jahren 2012 bis 2015. Ein Teil der Abschwächung, insbesondere im vergangenen Jahr, sei auf Schocks in Staaten wie Russland und Brasilien zurückzuführen gewesen, hieß es in dem Artikel.

Die EZB geht davon aus, dass das Wachstum des Welthandels schrittweise auf ein Niveau steigt, das mit dem globalen Bruttoinlandsprodukt in Einklang steht. Das würde die Handelseinkommen-Elastizität - ohne den Euroraum - wieder zu der 'neuen Normalität' eines Werts nahe Parität zurückbringen.