Fintechs im Investmentbereich Wie die Blockchain die Geldanlage revolutionieren könnte

Kunst, Immobilien und Oldtimer können ein interessanter Bestandteil der Geldanlage sein – sie sind allerdings weder einfach zu handeln noch besonders günstig. Oder? Dank innovativer Technologie müssen Anleger jetzt nicht mehr das ganze Objekt kaufen, sondern können sich mit kleinem Geld daran beteiligen.

30.11.2020, aktualisiert 02.12.2020 - 08:2502.12.20 - 08:25
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Gemäldeabteilung im Pariser Louvre
Gemäldeabteilung im Pariser Louvre: Weil sich am Kunstmarkt ein einzelnes Gemälde mithilfe der Blockchain-Technologie in viele Anlage-Token aufteilen lässt, können zukünftig neue Käuferschichten erschlossen werden © imago images / IP3press

Viele Anleger kennen die Blockchain lediglich im Zusammenhang mit Kryptowährungen wie dem Bitcoin. Doch die Technologie bildet nicht nur die Grundlage für digitale Währungen, sondern ermöglicht es auch, mit vergleichsweise geringen Mitteln in teure Sachwerte wie eine Immobilie, ein exklusives Gemälde oder in einen hochpreisigen Autoklassiker zu investieren. Doch wie funktioniert die Blockchain überhaupt und welche Vorteile bietet sie im Investmentbereich?

Block, Blöcke, Blockchain

Bei der Blockchain handelt es sich im Prinzip um eine dezentrale digitale Datenbank. Dezentral bedeutet: Jede Transaktion – das können Zahlungen sein, aber auch Verträge – wird parallel auf zahlreichen Rechnern gespeichert. Dadurch gibt es nicht nur eine zentrale Instanz, die die Daten kontrolliert. In regelmäßigen Intervallen werden die einzelnen Transaktionen zu Blöcken zusammengefasst (engl. Block) und mit einem eindeutigen digitalen „Fingerabdruck“ versehen. Diese Blöcke verweisen zeitlich auf ihre Vorgänger und Nachfolger, so dass eine Kette (engl. Chain) entsteht, die auf den digitalen Fingerabdrücken ihrer Nachbarn aufbaut.

„Dieses Verfahren stellt sicher, dass sich die Informationen gegenseitig bestätigen und Inhalte fälschungssicher gespeichert werden: Ändert man eine Transaktion, ändert sich der Fingerabdruck des Blocks und die Verkettungen der Nachbarn werden ebenfalls ungültig“, erklärt Henning Wagner, Gründer & CTO von Finexity, einem auf Investments via Blockchain spezialisierten Unternehmen. „Würde jemand sich die Mühe machen und für die gefälschten Blöcke einfach alle Fingerabdrücke neu berechnen, macht die Dezentralität der Blockchain diesen Plan zunichte.“ Denn da dieselben Blockchain-Daten auf einer Vielzahl von Rechnern gespeichert werden, würde eine Fälschung sofort auffallen.

Bei Blockchain-Investments stehen sogenannte Tokens im Mittelpunkt: Jeder Token steht für einen kleinen Teil eines genau bezeichneten Vermögenswerts – also etwa eines Gebäudes, Gemäldes oder Autos. Die Blockchain funktioniert ähnlich wie ein Kontobuch: Vermögenswerte werden in einem digitalen Schließfach verwahrt, der sogenannten Wallet. „Dadurch können nicht nur die Besitzverhältnisse klar abgebildet werden: Token sind übertragbar, so dass eine Handelbarkeit ermöglicht wird. Zusätzlich können den Token spezifische Rechte und Pflichten wie Stimmrechte einprogrammiert werden“, erläutert Wagner.

Effizienz, Kosten, Handelbarkeit

Für Investments ergeben sich daraus Vorteile insbesondere in drei Bereichen: Effizienz, Kosten und Handelbarkeit. Max Heinzle, CEO bei Area2invest, ein spezialisierter Dienstleister, der ebenfalls Investments über die Blockchain anbietet: „Durch den Wegfall von Intermediären wird der Prozess vereinfacht.“ Darüber hinaus steige durch einen höheren Automatisierungsgrad die Effizienz. Diese beiden Faktoren würden sich wiederum in geringeren Transaktionskosten niederschlagen.

Marc Drießen, CEO beim Blockchain-Investmentunternehmen Bloxxter, ergänzt ein weiteres Argument zugunsten dieser Anlageform am Beispiel einer Immobilie: „Nicht nur die Immobilie als solche wird digital handelbar, sondern auch Fragmente davon.“ Das wird durch die Tokenisierung von Assets möglich, der Aufteilung in eine Vielzahl von Token. „Damit wird eine Art Immobilienbruchteil-Eigentum in einem einzelnen Token verkörpert und in letzter Konsequenz täglich handelbar gemacht.“ Durch die Kleinteiligkeit werde die Anlageklasse einer breiteren Anlegerschicht zugänglich.

Außerdem, betont Wagner, würden dank der Blockchain Zugangsbarrieren zu Investitionsprojekten wegfallen: „Eintrittsbarrieren wie Mindestzeichnungssummen lassen sich reduzieren und durch digitale Informationsverarbeitung entsteht Transparenz.“ Hinzu komme der Zugang zu oft schwer zugänglichen Assets sowie eine maximale Flexibilität der Anlageklassen: „Die digitalen Assets können jederzeit gehandelt werden.“

Musikrechte, Seltene Erden, Rinderherden

Immobilien sind aber nur eine von vielen denkbaren Anwendungsmöglichkeiten: „Man kann über Blockchain in jede klassische Anlageklasse investieren. Die technische Basis ermöglicht es, jeden Sachwert zu tokensieren“, sagt Wagner. Damit seien auch Investments zum Beispiel in Musikrechte, den Erfolg von Spitzensportlern und Satellitenstarts denkbar. Max Heinzle ergänzt, der Fantasie seien in dieser Hinsicht keine Grenzen gesetzt: „Wir haben in den vergangenen Monaten viele spannende Projekte gesehen. Dabei ging es etwa um die Tokenisierung von Musikrechten, Rinderherden, Seltenen Erden oder raren Sportwagen und Oldtimern.“

Aber welche Anlegergruppen nutzen die Möglichkeit, über die Blockchain zu investieren? Dabei handelt es sich zwar auch, keineswegs aber nur um junge Menschen, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind: „Zu unseren Nutzern gehören Millennials, die primär mobil per Smartphone unterwegs sind, ebenso wie Profis, die bereits zu analogen Zeiten wussten, dass Investitionen und Diversifikation der Schlüssel zum finanziellen Erfolg sind“, sagt Wagner. „Wir unterscheiden zwischen der Gruppe von Privatanlegern, die sich ab 500 Euro an ausgewählten Projekten beteiligen, und dem geschlossenen Club-Deal-Bereich für die Anlegergruppe ab 100.000 Euro.“

Max Heinzle berichtet, dass bei Area2invest „sowohl Privatanleger als auch institutionelle Anleger investieren.“ Das auf Immobilien spezialisierte Bloxxter hingegen richtet sich „speziell an Privatinvestoren, da diese bislang nur sehr aufwändig, mit hohen Nebenkosten und häufig nur in qualitativ mittelmäßige Immobilien investieren konnten“, wie Marc Drießen erläutert.

Übrigens: Seit Anfang 2020 sind in Deutschland Geschäfte mit digitalen Vermögenswerten reguliert. Jedes Unternehmen, auch aus dem Ausland, das tokenbasierte Produkte oder Dienstleistungen anbietet, braucht eine Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). „Mit der Lizenz zum Krypto-Verwahrgeschäft stehen wir gerade erst am Anfang des Zeitalters der digitalen Werte“, betont  Heinzle die vielfältigen Zukunftsaussichten und ist damit ebenso von den Chancen der Technologie überzeugt wie Drießen: „Wir gehen davon aus, dass die Blockchain das Potenzial hat, die Investmentbranche nachhaltig zu verändern.“