Stolls Fondsecke Wie Infrastrukturinvestments Wirtschaft und Portfolio stärken

Urbanisierung, Digitalisierung, Mobilitätswende: Megatrends verändern die Art, wie wir zusammenleben. Die Infrastruktur an die neuen Gegebenheiten anzupassen, ist eine enorme Herausforderung – bietet aber auch vielfältige Investmentchancen. Unser Gastautor Sven Stoll hat drei Infrastrukturfonds unter die Lupe genommen.

30.07.2021, aktualisiert 19.08.2021 - 11:1219.08.21 - 11:12
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Modell einer Smart-City in China
Modell einer Smart-City in China: Um der wachsenden Zahl an Einwohnern eine lebenswerte Umgebung zu bieten, sollen die Städte der Zukunft intelligenter werden © IMAGO / Xinhua

Straßen, Schienen, Flughäfen, Mobilfunk, Wasserversorgung und Digitalisierung: Infrastruktur gibt es überall. Sie ist das Rückgrat aller gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aktivitäten. Durch den Ausbruch der Covid-19-Pandemie wurden Teile der globalen Infrastruktur allerdings hart getroffen. Betreiber von Flughäfen oder Mautstraßen erlitten Umsatzeinbußen, die Reisebranche ächzte unter den Beschränkungen. Anbieter digitaler Infrastrukturen wie Mobilfunkmastbetreiber oder digitale Zahlungsanbieter zählten dagegen zu den großen Pandemie-Gewinnern.

Für die Branche war das Jahr 2020 insgesamt durchwachsen. Doch mit dem Abflauen der Pandemie könnte der gesamte Sektor neuen Schwung bekommen. Denn eines ist klar: Viele Straßen und Autobahnen hierzulande sind nicht erst seit der jüngsten Flutkatastrophe beschädigt. Richtet man den Blick gen USA, ist es sogar noch schlimmer. Mit mehr als einer Billion US-Dollar will Joe Biden die amerikanische Infrastruktur wieder auf Vordermann bringen. Darüber wurde zuletzt monatelang verhandelt.

Von Umbrüchen profitieren

Aber auch weltweit steht die Infrastruktur vor tiefgreifenden Veränderungen: Die Weltbevölkerung wächst stetig, viele Menschen zieht es in die Städte, der Energie- und Wasserbedarf steigt rasant.  Konventionelle Energiequellen werden durch erneuerbare ersetzt, der Transportsektor ist im Umbruch – man denke nur an alternative Antriebe wie Strom und Wasserstoff. Und auch der Telekommunikationssektor ist aufgrund ständig wachsender Datentransfers auf umfangreiche Investitionen und den weiteren Ausbau des 5G-Standards angewiesen.

Mit globalen Infrastrukturfonds können Anleger daran teilhaben. Als langfristig erfolgreich erweist sich der von Matt King gelenkte Morgan Stanley INVF Global Infrastructure Fund (USD) A (ISIN: LU0384381660).

Um geeignete Unternehmen mit Wachstumsaussichten und Wertpotenzial zu finden, setzt King auf einen Research-Prozess, der sowohl valueorientierte Bottom-Up als auch Top-Down Elemente berücksichtigt. Wichtig sind den Managern dabei Merkmale wie die langfristige Nutzung von Infrastrukturanlagen, die Robustheit gegenüber Konjunkturschwankungen, inflationsabhängige Cashflows oder die Tätigkeit in einem regulierten Umfeld. Der Anlageansatz ist langfristig ausgerichtet. Kurzfristige Trends spielen keine Rolle.

Aktuell finden sich im Portfolio 56 Unternehmen, die Top-10 machen fast die Hälfte der Fondsmittel aus. Mit mehr als 8 Prozent ist American Tower hoch gewichtet. Der US-amerikanische Betreiber von Anlagen für die Drahtloskommunikation verfügt in 17 Ländern weltweit über mehr als 170.000 Sendeanlagen, größtenteils -Masten. Mit Crown Castle International Corp. aus den USA und der britischen National Grid PLC befinden sich weitere Netzbetreiber im Fonds. Der Kommunikationssektor ist mit insgesamt 25 Prozent gewichtet, Unternehmen, die auf den Transport und die Lagerung von Öl- und Gas spezialisiert sind, haben mit 27 Prozent einen noch höheren Stellenwert. Hierzu zählt etwa die China Gas Holdings Limited, ein chinesisches Unternehmen, das 273 Städte im Reich der Mitte mit Erdgas versorgt.

Mit einem Wertzuwachs von 162 Prozent über zehn Jahre gehört der Morgan Stanley Fonds zu den erfolgreichsten Fonds der vergangenen Dekade.

Herausforderungen der zunehmenden Urbanisierung

Nur knapp dahinter landet der durchaus anders fokussierte Pictet SmartCity P (EUR) (ISIN: LU0503634221). Seit Fondsauflage im Mai 2010 steht ein Plus von aktuell 140 Prozent zu Buche.

Smart City, die intelligente Stadt, ist das Stichwort. Laut den Vereinten Nationen werden im Jahr 2050 rund 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Das wären 6,7 Milliarden Menschen. Die zunehmende Urbanisierung bringt große Herausforderungen mit sich: Wie wird genügend bezahlbarer Wohnraum auf engstem Raum geschaffen, wie der Verkehr organisiert und wie für ausreichend Energie und Wasser gesorgt? Fragen, die das Schweizer Investmenthaus Pictet in einen Branchenfonds gegossen und damit investierbar gemacht hat.

Fondsmanager Ivo Weinöhrl investiert in Unternehmen, die das Leben in „Smart-Citys“ organisieren sollen. Im Interview sagte der Manager einmal: „Auf der ganzen Welt müssen sich Städte auf ein rasantes Bevölkerungswachstum einstellen und sich anpassen, um das Wohlergehen ihrer Bewohner weiter zu verbessern und die Umweltbelastung zu verringern. Damit dies möglich ist, müssen wir sie intelligenter machen. Aus diesen Herausforderungen ergibt sich eine Vielfalt an Investmentmöglichkeiten in sehr vielen Branchen. Unternehmen, die im Bereich Mobilität und Transport, Infrastruktur, Immobilien, nachhaltiges Ressourcenmanagement und Dienstleistungen zur Unterstützung eines urbanen Lebensstils tätig sind – sie alle tragen dazu bei, dass dieser Wandel gelingt.“

Im Investmentprozess setzt Weinöhrl auf drei Kernbereiche: „Building the Cities“ (Städtebau), „Running the City“ (Bewirtschaftung wie Wasserversorgung und Abfallmanagement) und „Living in the City“ (Wohnen, Arbeiten und Freizeitgestaltung). Im breit gefächerten Portfolio finden sich so unterschiedliche Unternehmen wie Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia, Kreditkartenanbieter und Zahlungsabwickler Visa, der britische Immobilienkonzern Segro PLC, Softwareentwickler Autodesk oder die amerikanische Baumarktkette Home Depot. Das macht den Fonds angesichts des Megatrends Urbanisierung spannend.

Es geht auch nachhaltig

Wer sich für eine nachhaltige Infrastruktur-Variante interessiert, sollte einen Blick auf den noch recht jungen KBI Global Sustainable Infrastructure Fund F EUR Dist (ISIN: IE00BKPSDL06) werfen.

Im Fonds werden 30 bis 60 nachhaltig wirtschaftende Unternehmen gebündelt. Zu den größten Positionen zählt der spanische Stromerzeuger Iberdrola oder Greencoat Renewables aus Irland, das in Infrastrukturanlagen für erneuerbare Energien investiert. Das Unternehmen konzentriert sich vor allem auf den Erwerb und die Verwaltung von in Betrieb befindlichen Windparks in Irland.

Svens Infrastrukturfonds auf einen Blick

Über den Autor: Sven Stoll beschäftigt sich bereits seit den 1990er-Jahren mit Investmentfonds und betreibt auf Facebook den Blog World of Investmentfonds.

Hinweis: Es handelt sich hierbei um keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung. Die Geldanlage am Kapitalmarkt ist mit Risiken verbunden. Aus Wertentwicklungen in der Vergangenheit lässt sich nicht auf künftige Wertentwicklungen schließen.