Wertpapierhandel Wie kann ich in Deutschland US-ETFs kaufen?

Immer wieder sorgt Cathie Wood mit ihren Themen-ETFs für Aufsehen – in beide Richtungen. Doch ob die Gewinne bei der Star-Investorin sprudeln oder wie zuletzt die Kurse sinken: Deutsche Anleger:innen stehen an der Seitenlinie, da Woods‘ ETFs nur in den USA gelistet sind. Kauf hierzulande nicht machbar? Doch, aber gar nicht so einfach. Hier lest ihr, welche Möglichkeiten es gibt und was man beachten sollte.

04.01.2022, aktualisiert 06.01.2022 - 09:0906.01.22 - 09:09
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Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten
Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Der ETF-Markt in den USA ist deutlich größer als der europäische – für deutsche Anleger:innen aber nur schwer zugänglich © Imago Images / Prod.DB

In den Vereinigten Staaten kam bereits 1993 der erste ETF auf den Markt: Der SPDR S&P 500 ETF Trust (SPY) von State Street Global Advisors. Seither sind die Nachfrage und das Angebot deutlich gewachsen: Es gibt ETFs für sämtliche Regionen, Branchen und Anlageklassen. Doch so breit das Angebot mittlerweile auch in Europa ist – wie so vieles ist es in den Vereinigten Staaten größer. Und meistens wird auf der anderen Seite des Atlantiks schneller auf neue Trends reagiert. So wurde beispielsweise im vergangenen Jahr der erste Bitcoin-ETF (ISIN: US74347G4405) an der New Yorker Börse lanciert.

Deutsche Anleger haben da in der Regel aber nichts von, denn US-ETFs sind in Deutschland nur schwer zu erwerben. Warum? Ganz einfach: Ein Investmentfonds, der mit einer „US“-ISIN beginnt, unterliegt der Gesetzgebung in den USA – und nicht europäischen Standards.

MiFID-II-Richtlinie erschwert Kauf von US-ETFs

Seit dem 3. Januar 2018 gilt hierzulande die Richtlinie 2014/65/EU über Märkte für Finanzinstrumente, besser bekannt unter dem Kürzel MiFID II („Markets in Financial Instruments Directive II“). Seither müssen Banken, Fondsmanager und Broker dem Kunden im Vorfeld detaillierte Informationen zu Finanzprodukten liefern – unter anderem, mit welchen Kosten ein Finanzangebot verbunden ist. Und das ist der Knackpunkt, der den Kauf von US-ETFs einschränkt.

Fondsmanager müssen bestimmte Basisinformationsblätter bereitstellen, die sogenannten „Key Investors Information Documents“, kurz KIIDs. In diesen müssen Emittenten unter anderem die Chancen und Risiken ihres Anlageprodukts darstellen. Ebenso obligatorisch sind die historische Entwicklung, die Kosten und eine Einschätzung, für welche Kundengruppen der Fonds geeignet ist.

Fonds und ETFs, die innerhalb der Europäischen Union aufgelegt wurden, verfügen über entsprechende Informationen. Doch außerhalb der EU sieht es anders aus. Hier gibt es nur wenige Produkte, die die regulatorischen Anforderungen erfüllen. Und das heißt: Kein Verkauf innerhalb der EU.

US-ETF-Markt deutlich größer

Experten erhofften sich durch MiFID II höhere Mittelzuflüsse in den bisher weniger stark entwickelten europäischen ETF-Markt. Die Kehrseite aber ist: Europäische Investoren werden zunehmend vom größten ETF-Markt – dem US-amerikanischen – ausgeschlossen. Natürlich ist auch in Europa die Auswahl groß und das Angebot wächst stetig. Aber: Meist sind die US-Anbieter schneller dran – beispielsweise mit ETFs auf Kryptowährungen wie den Bitcoin oder Nischenmärkte wie Cannabis.

Übrigens: Die MiFID II-Regelung bezieht sich nicht auf Aktien, sondern nur auf Fonds und ETFs. Auch hier gibt es aber Wege, US-Produkte zu erwerben.

Diese Möglichkeiten für den Erwerb von US-ETFs gibt es

  • Anbieter außerhalb der EU unterliegen nicht der MiFID II-Regelung. Investoren, die beispielsweise ein Depot in der Schweiz haben, können Wertpapiere aus der ganzen Welt handeln. Dazu zählen neben Aktien auch Fonds und ETFs. Eine Depoteröffnung in der Schweiz ist vergleichsweise einfach. Deutsche Kunden können beispielsweise über den Schweizer Online-Broker Swissquote ein Konto eröffnen.
  • Eine Alternative ist die Regionalbörse Berlin, die sich auf den Handel mit US-Titeln spezialisiert hat. Sie bietet etwa Zugang zu den beliebten ARK-ETFs von Cathie Wood über die Heimatbörse NYSE an. Allerdings gilt: Nur weil die Börse es anbietet, heißt das noch lange nicht, dass sich Anleger über ihren Depotanbieter Anteile ins Depot legen können. Viele Direktbanken unterstützen den Handel mit den US-ETFs nicht, auch wenn der entsprechende Handelsplatz verfügbar ist. Ansonsten gilt es, die Gebühren im Auge zu behalten.
  • Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den Kundenstatus zu ändern. Denn: Die EU-Richtlinie gilt nur für Privatanleger und nicht für Profi-Investoren. Die sind nach der juristischen Logik nicht schutzbedürftig, da sie über die entsprechende Expertise verfügen sollten. Ein derartiger Statuswechsel ist allerdings eher schwierig.

Es gibt also auch für deutsche Anleger Möglichkeiten, US-ETFs ins Portfolio zu packen – die aber mehr oder weniger kompliziert und gegebenenfalls teuer sind. Darüber hinaus sind unter Umständen noch steuerliche Besonderheiten zu beachten. Vielleicht also doch lieber ein in Europa zum Handel zugelassenes Produkt suchen? Schaut doch einmal in unsere ETF-Suche! Schließlich hat Cathie Woods Ark Innovation ETF nun auch kein berauschendes Jahr hingelegt…