Alternatives Investment Wie man mit Lego-Sets Geld verdient und warum sie lukrativer sind als Gold

Dass man mit Aktien-, Fonds- und Immobilieninvestments Geld verdienen kann, ist klar. Dass Oldtimer, Kunst und seltene Weine im Wert steigen können, ebenfalls. Aber Spielzeug? Ja, auch mit Lego-Sets lässt sich Rendite erzielen. Wir erklären in diesem Artikel, wie es funktioniert.

15.12.2021 - 12:0015.12.21 - 11:35
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Mit Lego kann man nicht nur spielen, sondern auch nachhaltig Rendite erwirtschaften alt
Mit Lego kann man nicht nur spielen, sondern auch nachhaltig Rendite erwirtschaften© Imago Images / Future Image

Wer sein Geld langfristig anlegen will, setzt in der Regel auf eine Mischung aus Aktien, Anleihen und anderen Wertpapieren – gegebenenfalls in Form von Fonds und ETFs. Dabei gibt es noch viel mehr Wege, sein Geld zu vermehren und gleichzeitig das Verlustrisiko zu minimieren – etwa mit dem Kauf von Lego-Sets.

Lego? Das Spielzeug?

Ganz genau.

Sein Geld in Spielzeug anzulegen, klingt zunächst wie ein Witz. Doch Ökonom:innen der HSE Universität in Russland haben sich genauer mit dem Thema alternative Anlageformen beschäftigt und dabei festgestellt, dass Lego-Sets eine durchschnittlichen Rendite von 11 Prozent pro Jahr verzeichnen – und damit schneller im Wert steigen als Gold, Aktien oder Anleihen.

Dabei handelt es sich um keine kurzfristige Betrachtung. Für die Studie wurde die Preisentwicklung von 2322 Lego-Sets in den Jahren 1987 bis 2015 analysiert. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in der Zeitschrift Research in International Business and Finance.

Lego behauptet sich neben Antiquitäten und Schmuck

Der Trend ist nicht ganz neu. Das US-Portal Bloomberg bezeichnete Lego-Sets bereits vor zwei Jahren als „the hot new asset class“, also „die heiße neue Anlageklasse“. Das liegt nicht nur an üppigen jährlichen Wachstumsraten bis in den zweistelligen Bereich, sondern auch an ihrer Robustheit. Denn der Wert von Lego-Sets korreliert nicht zwangsläufig mit dem Aktienmarkt. Heißt: Wenn es an den Märkten wackelt, bleiben Lego-Sets von den Turbulenzen weitgehend unberührt. Damit können sie ein guter Baustein zur Diversifikation des Portfolios sein.

Doch warum verzeichnet ein Kinderspielzeug überhaupt solche Wachstumsraten?

Es ist die Verbindung aus limitierter Verfügbarkeit, einem wachsenden Geschäft mit Auktionsplattformen und einer Marke, die seit Jahrzehnten die Massen begeistert.

„Wir sind daran gewöhnt, dass Menschen Gegenstände wie Schmuck, Antiquitäten oder Kunstwerke als Investition kaufen“, sagt Victoria Dobrynskaya, außerordentliche Professorin an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der HSE und eine der Autorinnen der Studie. „Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, zum Beispiel Sammlerspielzeug.“ 

So würden auf dem Lego-Zweitmarkt Zehntausende von Verkäufen pro Jahr getätigt werden. Selbst wenn man die geringen Preise der meisten Sets berücksichtige, „handelt es sich um einen riesigen Markt, der bei den traditionellen Anlegern nicht sehr bekannt ist“, so Dobrynskaya.

Darum sind einige Lego-Sets so teuer

Was heißt das nun? Ab in den Lego-Store, ein beliebiges Lego-Set kaufen, ein paar Jahre liegen lassen und dann fette Renditen einstreichen? Ganz so einfach ist es leider nicht. 

Denn nicht jedes Lego-Set ist automatisch ein gutes Investment. Damit es zum Renditebringer wird, müssen mehrere Faktoren berücksichtigt werden, etwa der Zustand. Generell gilt: Originalverpackte Lego-Sets haben das größte Wertzuwachspotential, gebrauchte und bereits geöffnete Sets werden mit deutlichen Abschlägen gehandelt.

Vor allem aber wirken sich Produktionsauflage und Thema auf die Preise aus. „Sets, die vor 20 bis 30 Jahren produziert wurden, machen Lego-Fans nostalgisch und die Preise für sie gehen durch die Decke“, erklärt Dobrynskaya. Um die Nuancen des Marktes und das Investitionspotenzial eines bestimmten Sets zu erkennen, müsse man schon tief in der Materie stecken.

Der HSE-Studie zufolge beginnen die Preise in der Regel zwei bis drei Jahre, nachdem ein Set vom Markt genommen wurde, zu steigen. Die Renditen schwanken dabei stark, von wenigen Prozent bis zu einem Zuwachs von 600 Prozent jährlich.

Fakten über Lego
Quelle: der fonds

Diese Lego-Sets sind am teuersten

Interessant: Die Preise für kleine und sehr große Sets steigen der Studie zufolge schneller als die Preise für mittelgroße Sets. Einer der Gründe könnte sein, dass kleine Sets häufig einzigartige Teile oder Figuren enthalten, während große Sets in kleinen Mengen produziert werden und für Erwachsene attraktiver sind. 

Am stärksten legten im historischen Vergleich die Preise für thematische Sets zu, die berühmten Gebäuden, beliebten Filmen oder saisonalen Feiertagen wie Ostern oder Weihnachten gewidmet sind.

Blickt man auf die verkauften Lego-Sets auf Sekundärmarkt-Plattformen wie Ebay, gehören der Millennium Falcon (Star Wars), Café Corner (Lego Creator Expert Modular Building), das Taj Mahal, der Todesstern II (Star Wars) und der imperiale Sternenzerstörer (Star Wars) zu den gewinnträchtigsten Modellen.

Eine weitere, aus Investitionssicht attraktive Kategorie sind Sets, die in limitierter Auflage erschienen sind oder als Goodies bei Werbeveranstaltungen verteilt wurden. Die Seltenheit erhöht ihren Wert.

Auf Portalen wie brickpicker.com (englischsprachig) kannst du dich über potenzielle Renditebringer aus dem Hause Lego informieren. Dort findest du in einer Übersicht alle Informationen zu demnächst auslaufenden und neuen Lego-Sets.

Um ein Gefühl für die mögliche Preissteigerung zu bekommen: Das Lego-Set „Black Pearl“ (Nummer 4184) zur beliebten Filmreihe „Fluch der Karibik“ ist einer der Rendite-Champions. Der Grund: Die Figur Davy Jones war exklusiv in diesem Set erhältlich. Im Handel kostete das Set unter 100 Euro, originalverpackt geht es auf Ebay & Co. mittlerweile für mehr als 300 Euro über den Tisch. Die Figur Davy Jones allein kostet mehr als 100 Euro.

Nicht schlecht, für ein paar Gramm Plastik, oder?

Quelle: der fonds

Investieren in Lego – das musst du beachten

Wenn du in Lego investieren möchtest, solltest du auf folgende Punkte achten:

  • Kaufe nur neue, originalverpackte Lego-Sets – gebrauchte Sets erzielen eine viel geringere Rendite
  • Kaufe nicht blind irgendwelche Sets, sondern halte gezielt nach limitierten Sammler-Editionen und zeitlich begrenzt erhältlichen Lego-Sets Ausschau
  • Lagere die Sets trocken, kühl und vor der Sonne geschützt
  • Die Größe des Sets – also die Anzahl der Steine - ist nicht relevant für die Rendite

Der Fokus auf alternative Assets

Einer Umfrage von Barclays zufolge investieren reiche Menschen ungefähr 10 Prozent ihres Vermögens in Schmuck, Kunst, Antiquitäten, Sammlerweine oder Autos, ergänzend zu traditionellen Anlagen in Aktien oder Fonds. In Regionen wie den Vereinigten Arabischen Emiraten und China sind es sogar noch deutlich mehr.

In den vergangenen Jahren zogen aber auch viele weitere Anlageklassen das Interesse von professionellen Investor:innen auf sich – etwa Sneaker, Pokémon-Sammelkarten, Modellautos und -eisenbahnen, Barbie-Puppen, Rum sowie Whisky und eben Lego-Sets.

Risiko von Lego-Investments

Auch wenn man mit dem Kauf und Verkauf von Lego-Sets in kurzer Zeit vergleichsweise viel Rendite erzielen kann, bestehen natürlich auch Risiken. Das größte Risiko ist, dass die dänische Marke Lego an Charme einbüßt und die treue Fangemeinde weltweit kleiner wird. Weniger Fans macht weniger Sammler macht weniger Rendite. Angesichts der Tatsache, dass das Unternehmen seit vielen Jahrzehnten am Markt ist und wachsende Umsätze erzielt, ist das zumindest kurz- bis mittelfristig aber eher unwahrscheinlich. 

Ein weiteres Risiko ist, dass Lego seine Produktionspolitik ändert und bereits vergriffene Sets (in der Fachsprache als EOL bekannt, die Abkürzung steht für End-of-Life) dadurch wieder verfügbar werden. Wirtschaftlich wäre dieser Schritt für Lego jedoch nicht sinnvoll, da der Hype um einige Sets auch die Marke positiv auflädt. Insofern ist dieses Szenario eher unwahrscheinlich.

Eine allgemeine Wirtschaftskrise würde sich ebenso negativ auf den Handel mit Lego-Sets auswirken. Schließlich würden viele Investor:innen ihr Geld für andere Zwecke benötigen und im Zweifel aus alternativen Anlageklassen abziehen.

Zur Marke Lego

Der dänische Spielzeughersteller Lego wurde 1932 gegründet und produziert seit mehr als 80 Jahren die ikonischen Kunststoff-Klemmbausteine. Das Wort Lego leitet sich vom dänischen leg godt („spiel gut“) ab. Wirtschaftlich geht es dem Unternehmen blendend, im Jahr 2020 lag der Umsatz dem Jahresbericht zufolge bei rund 5,8 Milliarden Euro.

Ein Erfolgsfaktor: Lego besitzt zahlreiche Markenrechte und darf offizielle Figuren aus dem Harry Potter-, Star Wars-, Nintendo- und Marvel-Universum auf den Markt bringen. Ein Alleinstellungsmerkmal, das Lego von vielen Nachahmern abgrenzt.

Das Unternehmen Lego ist nicht börsennotiert, man kann als Privatanleger:in also keine Aktien beziehungsweise Unternehmensanteile erwerben.