MSCI-Studie Wie nachhaltig sind ETF-Investments?

MSCI ESG Research hat die durchschnittlichen CO2-Emissionen von ETFs gemessen und diese nach Anlageregion gewichtet. Dadurch können Anleger die Umweltauswirkungen einzelner Indexfonds vergleichen.

28.05.2021, aktualisiert 03.06.2021 - 09:4203.06.21 - 09:42
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in  ETFs
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Anlegestelle in Skandinavien
Anlegestelle in Skandinavien: ETFs mit Fokus auf nordische Unternehmen gehören zu den Anlageprodukten mit der geringsten CO2-Intensität© IMAGO / MASKOT

ESG-Investitionen sind weltweit auf dem Vormarsch und wurden in den vergangenen Jahren durch ein wachsendes Angebot an entsprechenden Fonds erleichtert. ESG-ETFs verzeichneten 2020 Rekordzuflüsse von mehr als 75 Milliarden US-Dollar – mehr als das Dreifache des Vorjahres. Seit 2015 ist das verwaltete Vermögen um das 25-fache gewachsen – von knapp 6 Milliarden US-Dollar auf etwa 150 Milliarden im Jahr 2020.

Dennoch: Während das verwaltete Vermögen von ESG-ETFs zunimmt, machen sie aktuell nur einen Bruchteil aller ETF-Bestände aus: 410 Indexfonds weltweit, also etwas mehr als 5 Prozent, gelten als nachhaltig. Der Großteil der ESG-ETFs sind Aktienfonds, die etwa 80 Prozent der Anlageprodukte ausmachen. Indexfonds aus Anleihen stecken mit weniger als 20 Prozent Marktanteil noch in den Kinderschuhen.

Bis 2015 wuchs die Zahl von ESG-ETFs mit weniger als 20 neuen Fonds pro Jahr relativ langsam. Dann beschleunigte sich der Anstieg von ESG-ETFs insbesondere wegen des Pariser Klimaabkommens. Jetzt steht Europa bei ESG-Emissionen an erster Stelle, gefolgt von Nordamerika. Etwa 120 ESG-ETFs wurden 2020 lanciert, von denen sich die meisten auf Aktien konzentrierten. Aber auch Rentenfonds gewinnen allmählich an Bedeutung.

CO2-Fußabdruck messen

Aber wie nachhaltig ist das globale ETF-Universum insgesamt? Das hat das ESG-Analysehaus MSCI ESG anhand von 4.900 ETFs untersucht.

Für die Überprüfung der CO2-Intensität greifen die Experten auf den MSCI Fund Weighted Average Carbon Intensity (WACI) zurück. Dieser misst das Engagement von Fonds in kohlenstoffintensiven Unternehmen und basiert auf den geschätzten CO2-Emissionen pro 1 Million US-Dollar Umsatz. Das ermöglicht Investoren den Vergleich der CO2-Emissionen zwischen Fonds unterschiedlicher Größe.

Die Kohlenstoffintensität eines Unternehmens hängt logischerweise von der Branche ab, und aufgrund der jeweils unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen damit auch von der Region. Aus diesem Grund wurde das Anlageuniversum basierend auf dem Länder-/Regionenfokus der Fondsindizes der Aktien- und Renten-ETFs regional unterteilt. Bei Anleihe-ETFs ist zu beachten, dass die CO2-Intensität nur für Unternehmens- und nicht für Staatsanleihen gilt. Der WACI eines Fonds kann zwischen weniger als 10 und 4.000 variieren. Die ETFs mit der geringsten CO2-Intensität legen ihren Fokus auf den Finanzsektor. Diese Branche hat naturgemäß einen geringeren CO2-Ausstoß als das verarbeitende Gewerbe. ETFs mit Fokus auf Schwellenländer weisen im Durchschnitt eine höhere Kohlenstoffintensität auf – fast doppelt so hoch wie jene mit Fokus auf Industrieländer. Indexfonds mit Fokus auf nordische Unternehmen gehören zu den Produkten mit der geringsten CO2-Intensität.

Die meisten der untersuchten ETFs (50 Prozent) hatten eine moderate gewichtete durchschnittliche Kohlenstoffintensität (WACI) von 70 bis 250 Tonnen pro 1 Million US-Dollar Umsatz. 18,4 Prozent fallen in die Kategorie „Gering“ (15-69 Tonnen) und 5,7 Prozent sind im weitesten Sinne klimafreundlich (siehe Grafik 1).

Grafik 1: Wie nachhaltig sind ETFs

Europa führend bei der Governance

Hinsichtlich der Governance untersuchte die Studie die Zusammensetzung der Unternehmensführung. Das Ergebnis: ETFs, die europäische Titel abbilden, schneiden in Bezug auf effektiv geführte Unternehmen basierend auf der MSCI-Bewertung zum 31. Dezember 2020 besser ab als ihre Konkurrenten. Sie liegen vor Nord- und Südamerika sowie Asien.

Schließlich wurde das ETF-Universum auf Verstöße gegen globale Normen überprüft. Basis bildet der prozentuale Anteil des Fondswerts, der in Unternehmen investiert, die gegen die Prinzipien des UN Global Compact (UNGC) verstoßen: Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umwelt und Korruptionsbekämpfung. Daneben wurde der prozentuale Wert des Fondsportfolios, der kontroversen Waffen ausgesetzt ist, analysiert.

Das Ergebnis: Die Mehrheit der globalen ETFs hat kein Engagement in Beteiligungen, die gegen die Prinzipien des UN Global Compact verstoßen. Mehr als 50 Prozent der Aktien- und Anleihen-ETFs sind vollständig konform. Ein kleiner Teil von 26 ETFs verstößt erheblich gegen die UNGC-Prinzipien. Produkte mit einem hohen Engagement in der Rohstoffindustrie sind am stärksten von UNGC-Verletzungen betroffen. Der Anteil von Unternehmen mit Bezug zu kontroversen Waffen liegt bei 99 Prozent der ETFs zwischen 0 und 5 Prozent. Die wenigen ETFs, die ein höheres Engagement aufweisen, bilden explizit Indizes aus der Waffen- und Verteidigungsbranche ab.