iPhones auf Rädern Wie vernetzte Elektroautos Einnahmen generieren

Viele Aktien aus dem Bereich Elektromobilität haben sich in den letzten Jahren hervorragend entwickelt. Dennoch scheinen viele Analysten und Investoren die wirklichen Chancen im Bereich der Elektrofahrzeuge noch nicht erkannt zu haben. Welche das sind, erläutert Owuraka Koney, Equity Research Analyst bei Jennison Associates.

25.03.2022 - 14:5825.03.22 - 14:58
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Mercedes-Konzept
Mercedes-Konzept: Künftig wird es weniger darauf ankommen, wie viele Autos ein Unternehmen produziert – sondern wie es damit langfristige Einkommensströme erzielt© Imago Images / MiS
Owukara Koney, Jennison Associates

Es gibt heute mehr als eine Milliarde Autos auf den Straßen. Einen wiederkehrenden Einkommensstrom generieren dabei vor allem Tankstellen, Werkstätten und Versicherungsunternehmen – nicht aber die Hersteller. Dessen Beziehung zum Kunden endet, sobald er mit seinem neuen Auto vom Hof fährt. Das ändert sich gerade aber radikal.

Mit vollständig vernetzten Elektro- und autonomen Fahrzeugen können Automobilhersteller über die Lebensdauer von zehn bis 15 Jahren Einnahmen generieren. Autos werden sozusagen zu „iPhones auf Rädern“. Wie bei der Entwicklung vom Klapphandy zum Smartphone kann der Hersteller auf der Plattform nunmehr Dienste aufbauen oder Abonnements vertreiben. So betreibt der Hersteller die Ladestation selbst, verwandelt die Werkstatt in ein hauseigenes Service-Center und stellt die Versicherung über die Telematik des Autos bereit.

Einnahmen über die gesamte Lebensdauer

Dies kann ein grundlegender Wandel mit weitreichenden Auswirkungen in der Branche sein – von der Preisgestaltung bis hin zur Wettbewerbsdynamik.

Ein Beispiel: Ein Unternehmen verkauft zehn Millionen Autos pro Jahr, alle elektrisch oder mit Verbrennungsmotor, aber ohne die notwendige Hardware zur vollständigen Vernetzung oder zum autonomen Fahren – sozusagen Klapphandys, deren Ertragspotenzial am Tag der Anschaffung größtenteils erschöpft ist. Ein anderes Unternehmen verkauft zwar nur eine Million Autos pro Jahr, jedoch sind diese allesamt elektrisch, voll vernetzt, mit der Hardware für volle Autonomie – und generieren über die gesamte Lebensdauer hinweg attraktive Einnahmeströme. Allein schon deswegen kann das vermeintlich kleinere Unternehmen für Investoren deutlich wertvoller sein.

Denn es kommt in Zukunft nicht mehr darauf an, wie viele Autos man baut. Es kommt darauf an, wie viele intelligente, vollständig vernetzte Autos ein Hersteller produziert. Denn das ist es, was das langfristige Monetarisierungspotenzial ausmachen wird. Es braucht also künftig nicht mehr nur Unternehmen, die ein attraktives Produkt mit ansprechendem Design und Zugang zu Kapital haben. Vielmehr müssen Investoren jene Unternehmen identifizieren, die über die größte Basis an langfristig monetarisierbaren Anlagen verfügen, da diese Unternehmen ein deutlich höheres Potenzial für wiederkehrenden Einnahmen und Gewinnströmen haben.