Nachhaltige Banken Wo steckt wirklich drin, was draufsteht?

Der Run auf nachhaltige Geldanlagen ist enorm. Aber was ist eigentlich mit den Kreditinstituten, die sie verkaufen? Wir erklären, was nachhaltige Banken ausmacht, wie man sie findet und welche Sicherheiten es gibt.

Rast auf einer Bank im Grünen
Rast auf einer Bank im Grünen: Immer mehr Anleger achten darauf, dass ihr Kreditinstitut nicht nur mit Nachhaltigkeit wirbt, sondern auch verantwortungsbewusste Investitionsentscheidungen trifft© IMAGO / Kickner

Das Ersparte nachhaltig anlegen, so dass es der Umwelt und den Menschen dient? Das ist für 65 Prozent der Anleger ein wichtiges oder sogar sehr wichtiges Entscheidungskriterium, wie eine Untersuchung des Bundesverbands deutscher Banken aus dem Dezember 2020 belegt.

Auf den Wunsch der Kunden, Geld mit gutem Gewissen anzulegen, haben sich inzwischen auch die Kreditinstitute eingestellt. Die Nachfrage steigt stetig: Nach Berechnungen des Forums Nachhaltige Geldanlagen investierten allein private Anleger bis Ende 2020 rund 40 Milliarden Euro in nachhaltige Fonds und Mandate – 21,4 Milliarden Euro mehr als 2019.

Was Banken unter verantwortungsbewusstem Handeln verstehen, ist sehr unterschiedlich

Das hat zur Folge, dass immer mehr Anleger sich fragen, wie nachhaltig eigentlich die Bank oder Sparkasse ist, bei der sie ihre Wertpapiere oder Fondsanteile kaufen und verkaufen, ihr Depot unterhalten oder etwa den Zahlungsverkehr abwickeln.

Die Antwort ist komplex. Klar ist: Die Institute haben das Thema Nachhaltigkeit nicht nur für ihre Produkte, sondern auch für sich selbst entdeckt und werben kräftig damit. Was sich dahinter genau verbirgt, ist allerdings nicht immer deutlich zu erkennen. Für manches Institut ist das Thema mit dem papierlosen Konto bereits abgehakt. Andere setzen beim Betrieb der Rechenzentren und Filialen auf Öko-Strom. Sie heizen, dämmen und bauen umweltfreundlich, subventionieren Mitarbeitern das Abo für Bus und Bahn oder schaffen Dienstfahrräder für die Belegschaft an.

Weniger Verbrauch bei Papier und Energie, weniger Protz am Bau – viele Kunden empfinden das zunehmend als Marketingmasche. Sie möchten ihr Geld nicht nur nachhaltig anlegen, sondern sicher sein, dass sich ihre Bank auch sonst nachhaltig verhält.

Was eine nachhaltige Bank ausmacht

Aber ab wann handelt ein Kreditinstitut wirklich nachhaltig? Nach Meinung von Experten ist das der Fall, wenn seine gesamte Geschäftstätigkeit auf sozialen und ökologischen Grundsätzen beruht. Anders gesagt: Wenn diese Kriterien nicht nur den Alltag vor Ort – etwa bei der Filialgestaltung –, sondern auch das Kerngeschäft prägen. Dazu gehören unter anderem Investitionsentscheidungen, die die Bank für sich selbst trifft. Aber genauso, welche Produkte zur Geldanlage angeboten werden und nach welchen Richtlinien Kredite vergeben werden.

Banken, die es ernst meinen mit der Nachhaltigkeit, akzeptieren neben Privatkunden oft nur ethisch vertretbare Unternehmen und fördern mit ihren Investitionen und Geldanlagen die nachhaltige Entwicklung und soziale Projekte. In Deutschland trifft das bislang erst auf eine relativ kleine, wenn auch wachsende Nische zu. Die entsprechenden Kreditinstitute unterscheiden sich in ihrem Angebotsspektrum kaum von dem der klassischen Anbieter. Sie bieten ihrer Kundschaft Girokonten, Sparanlagen und Investmentfonds an und vergeben Konsumentenkredite sowie Bau- und Immobilienfinanzierungen.

Was sie unterscheidet ist das, was sie hinter den Kulissen tun oder eben nicht tun. Grundsätzlich

  • machen nachhaltige Banken keine Geschäfte mit Unternehmen, die Arbeits- und Menschenrechte verletzen oder Kinderarbeit dulden.
  • unterhalten nachhaltige Banken keine Geschäftsverbindungen zu Produzenten von Waffen und Rüstung.
  • haben nachhaltige Banken eindeutige Positiv- und/oder Negativ-Kriterien für Investitionen, die sie auch öffentlich kommunizieren.
  • haben sie ausschließlich nachhaltige Produkte im Portfolio.
  • können sie nachweisen, welche positiven Effekte ihr Handeln auf Gesellschaft und Umwelt hat.

Welche Banken nachhaltig wirtschaften – und wie man sie findet

Bei der Suche nach einer wirklich nachhaltigen Bank helfen spezialisierte Portale im Internet. Der Fair Finance Guide listet etliche Institute und bietet darüber hinaus Kurzportraits der einzelnen Banken. Die Initiative zeigt auch, nach welchen Ausschlusskriterien die Institute arbeiten und erklärt die jeweilige Geschäftsphilosophie. Das Portal der Verbraucherzentralen bietet ebenfalls einen Überblick. Es listet sowohl Banken mit ökologischem Schwerpunkt als auch solche mit ethischem Fokus und kirchliche Institute.

Besonders gut schneiden auf allen Portalen die GLS-Bank, Triodos, EthikBank, und die Umweltbank ab. Auch einige Banken mit kirchlichem Hintergrund können punkten. Dazu zählen etwa die KD-Bank, Pax-Bank oder Oikocredit.

Sicher ist sicher: Auch Öko- und Ethikbanken gehören dem Einlagensicherungsfonds an

Nachhaltigkeit ist schön und gut – aber auch Sicherheit ist bei der Wahl von Geldanlage und Bank wichtig. Die gute Nachricht: Die renommierten Institute im Nachhaltigkeitssegment gehören genauso wie die traditionellen Banken und Sparkassen dem Einlagensicherungsfonds an. Wer Gewissheit haben möchte, kann hier noch einmal checken, ob die Bank der Wahl zu den Mitgliedern gehört.

Die gesetzliche Einlagensicherung greift dabei bis zu einem Wert von 100.000 Euro pro Einleger und Bank. Darüber hinaus gehören die meisten Kreditinstitute freiwilligen Einlagensicherungssystemen an. So lässt sich Geld nicht nur mit gutem Gewissen, sondern auch sicher anlegen.