Rohstoffpreise und InflationWorauf es für die Schwellenländer ankommt

China, Korea und Taiwan haben rasch auf die Krise reagiert. Doch wie steht es um andere aufstrebende Volkswirtschaften? James Donald, Leiter der Schwellenländer-Plattform bei Lazard AM, gibt Auskunft.

21.07.2021 - 16:30 Uhr21.07.21 16:30
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Seilbahn entlang eines Strands in Brasilien
Seilbahn entlang eines Strands in Brasilien: Das Wirtschaftswachstum befindet sich auf dem Vorkrisenniveau und es bieten sich wieder Anlagechancen© IMAGO / Danita Delimont

„In den Schwellenländern erwarte ich in der zweiten Jahreshälfte eine noch stärkere Erholung als bisher“, sagt James Donald, Leiter der Schwellenländer-Plattform bei Lazard Asset Management. Doch es gibt auch einige Fallstricke. Dazu zählt unter anderem das uneinheitliche Bild des Aufschwungs.

„China, Korea und Taiwan haben schnell reagiert, um die Pandemie unter Kontrolle zu bringen, und seit einigen Quartalen ihre Wirtschaft wieder geöffnet“, erläutert Donald. Indien hingegen habe erst jüngst eine zweite Welle erlebt, die das gesamte Gesundheitssystem des Landes überfordert hat. Auch Teile Lateinamerikas seien nach wie vor stark betroffen. „Nichtsdestotrotz erwarten wir, dass sich die Schwellenländer in der zweiten Jahreshälfte 2021 ernsthaft zu erholen beginnen und sich das bis ins Jahr 2022 fortsetzen wird.“

Neue Corona-Wellen könnten die Erholung aber ebenso belasten wie wieder sinkende Rohstoffpreis. Sollten die aktuell steigenden Notierungen wieder nachgeben, könnten viele der Regionen unter Druck geraten. Denn: Die meisten Schwellenländer sind Rohstoffexporteure – weshalb ihre weitere wirtschaftliche Erholung auch von der Entwicklung der Rohstoffpreise abhängt.

Unternehmen fangen wieder an zu investieren

Diese Abhängigkeit bedeutet im Umkehrschluss auch: Die Schwellenländer könnten von der konjunkturellen Erholung in den entwickelten Ländern profitieren. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung, neuen Infrastrukturprogrammen und dem Fokus auf Nachhaltigkeit dürften die Investitionsausgaben der dortigen Unternehmen wieder steigen.

In den USA beispielsweise könnten sie in diesem Jahr gegenüber 2020 um 8 Prozent zulegen. Das würde auch Ländern wie Kolumbien, Argentinien und Indien zugutekommen. „Da viele Unternehmen aus den Schwellenländern in der globalen Lieferkette als Zulieferer eine wichtige Rolle einnehmen, ist ein Erstarken der weltweiten Investitionsausgaben ein gutes Signal für Aktien aus diesen Regionen“, erläutert Donald. Das gilt insbesondere für Unternehmen, die von höheren Rohstoffpreisen profitieren und Handelswaren anstatt Dienstleistungen anbieten.

Inflation als Zeichen für das Erstarken der Wirtschaft

Auch die steigende Inflation könnte für Investments in Schwellenländer sprechen. Die Verbraucherpreise lagen in den USA im Mai knapp 5 Prozent höher als im Vorjahr; die Kerninflationsrate erreichte mit 3,8 Prozent den höchsten Stand seit 1992. Auch in den Schwellenländern ist die Teuerung angestiegen, getrieben durch eine Kombination aus pandemiebedingter Unsicherheit, Lieferengpässen, logistischen Problemen sowie höheren Energiepreisen.

Inzwischen sind die Erzeugerpreise in den Schwellenländern deutlich in die Höhe geklettert, wenn auch die Auswirkungen auf die Verbraucherpreise bislang uneinheitlich seien. „Die steigende Inflation ist ein Anzeichen für ein starkes Wirtschaftswachstum und damit generell gut für Aktien aus den Schwellenländern“, meint Donald. Die Gewinnaussichten seien besonders gut für Unternehmen, die bei steigenden Umsätzen höhere Gewinnmargen erzielen. Doch es gibt auch Bedenken: „Meine größte Sorge ist, dass die Inflation ein so hohes Niveau erreicht, dass sie das globale Wachstum gefährdet. Das wäre ein klarer Nachteil für die Anlageklasse“, warnt Donald.

In Lateinamerika brodelt es

Von den drei großen Schwellenregionen hat Lateinamerika bei Weitem den größten menschlichen und wirtschaftlichen Tribut an das Corona-Virus gezahlt. „Es ist daher nicht überraschend, dass eine Reihe großer politischer Veränderungen stattfanden“, so Donald. In Kolumbien etwa waren im April 2021 Massenproteste gegen die angekündigte Steuererhöhung ausgebrochen, während in Peru und Mexiko überraschende Wahlergebnisse die politische Landschaft der Länder neu ordneten.

Doch es gibt auch positive Nachrichten aus der Region: In Brasilien, der größten lateinamerikanischen Volkswirtschaft, sind mittlerweile 27 Prozent der erwachsenen Bevölkerung mindestens einmal gegen das Corona-Virus geimpft. Zudem befindet sich das Wirtschaftswachstum wieder auf dem Vorkrisenniveau. Dennoch: „Die Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr dürften umkämpft sein“, sagt Donald. Investoren sollten sich also nicht zu sicher sein, dass die gesellschaftliche Stabilität von langer Dauer ist.

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