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Düngung im brasilianischen Ökolandbau

ETFs & ESG Zunehmende Vielfalt, abnehmende Kosten

Nachhaltigkeitsaspekte spielen für immer mehr Investoren eine bedeutende Rolle. Gleichzeitig werden Indexfonds zunehmend beliebter. Anbieter reagieren darauf und erweitern ihre Produktpalette entsprechend. Ein Überblick über den Wachstumsmarkt ESG im ETF-Segment.

08.01.2021 - 12:20 Uhr | in News

Ob Pensionsfonds oder Privatanleger – immer mehr Investoren setzen auf nachhaltige ETFs. So belegt beispielsweise eine Studie der Fondsgesellschaft Invesco, dass sich das in entsprechend konzipierten ETFs verwaltete Vermögen in der EMEA-Region in den vergangenen fünf Jahren von vier auf 48 Milliarden US-Dollar verzwölffacht hat. Und das ist erst der Anfang: So wollen 55 Prozent der 101 europäischen Institutionellen, die im Rahmen der Studie befragt wurden, ihre ESG-Investments in den kommenden fünf Jahren überwiegend über passive Produkte wie zum Beispiel nachhaltige ETFs abdecken. Ähnlich sieht der Trend bei Privatanlegern aus.

ESG muss nicht auf Kosten der Rendite gehen

Wie eine Auswertung von „Finanztest“ zeigt, sind nachhaltige ETFs nicht nur fürs gute Gewissen erste Wahl, sondern auch fürs Depot, da sie mit einer tendenziell höheren Performance punkten. So habe sich der MSCI World SRI – das ESG-Pendant zum MSCI World – seit Jahren besser als der Weltaktienindex-Klassiker, was „Finanztest“ unter anderem auf die Entwicklung im Energiesektor zurückführt: So seien die Geschäfte von Ölkonzernen in den vergangen Jahren schlechter gelaufen als die von Produzenten sauberer Energie.

Angesichts dieser Entwicklung verwundert es nicht, dass seit Auflegung des ersten ESG-ETF – dem iShares Dow Jones Eurozone Sustainability Screened Ucits ETF – im März 2006 immer mehr ETF-Anbieter auf den Zug aufgesprungen sind und ihre Produktpalette um entsprechende Indexfonds ergänzen. „Spürbar in Fahrt gekommen ist der Markt allerdings seit 2016. Und in den letzten beiden Jahren hat die Wachstumsdynamik noch einmal deutlich zugenommen“, erläutert André Härtel, Analyst bei der Ratingagentur Scope und Co-Autor einer Studie zum Thema. Zu den Anbietern, die forciert auf solche neuen Produkte setzen, gehört unter anderem die Deka, die allein im September fünf neue ESG-ETFs auf den Markt gebracht hat.

Breites Angebot für jeden Geschmack

Entsprechend umfangreich ist das Angebot mittlerweile sowohl auf der Aktien- als auch auf der Anleiheseite: Wer beispielsweise auf der ETF-Plattform extraetf.com nach dem Stichwort Nachhaltigkeit filtert, erhält 202 Treffer. Doch wie nachhaltig sind diese ETFs unterm Strich? Das hängt von der Konstruktion des zugrundeliegenden Index ab – und da gibt es durchaus Unterschiede und Kritikpunkte. So enthalten diese Indizes mitunter auch Unternehmen aus kritischen Branchen wie etwa der Kohleindustrie. Dies ist dann der Fall, wenn der Index gemäß dem Best in Class-Ansatz auch solche Unternehmen umfasst, die beispielsweise in solchen umweltschädigenden Branchen tätig sind, aber innerhalb der Branche zu den Vorreitern hinsichtlich der Umsetzung von ESG-Standards gehören.

Einen solchen Ansatz verfolgt unter anderem MSCI mit dem MSCI World SRI. Dieser umfasst weltweit 358 Unternehmen (Stand 31. Dezember 2020), die innerhalb ihrer Branche im hausinternen ESG-Ranking zu den Besten gehören. Zudem wendet MSCI auch das Ausschlussprinzip an und schließt Firmen aus kritischen Branchen wie Alkohol, Glücksspiel, Atomkraft, Pornografie, Tabak, Waffen und Gentechnik generell aus. Die unterschiedliche Herangehensweise bei der Indexzusammensetzung führt nicht nur zu einem deutlich konzentrierteren Portfolio gegenüber dem mit 1.607 Einzeltiteln sehr breit aufgestellten konventionellen Index. Sie bringt auch mit sich, dass aktuell beispielsweise Apple im MSCI World mit 4,5 Prozent die größte Indexposition darstellt und in den Top Ten des MSCI World SRI fehlt. Anleger, die besonders strenge Maßstäbe an ihr ESG-Investment legen, sollten sich daher vor dem ETF-Kauf umfassend über die Indexkonzeption informieren.

ETFS auf MSCI-Indizes dominieren das Angebot

Zu den Marktführern in diesem Segment gehört neben Blackrock auch UBS, insgesamt bieten mittlerweile rund zwei Dutzend Gesellschaften nachhaltige ETFs an. Zunehmend haben sie nicht mehr nur globale Aktien-ETFs mit ESG-Fokus im Angebot, sondern auch solche mit speziellen regionalen und thematischen Schwerpunkten: „Waren es in den Anfangsjahren vor allem ökologische Investmentthemen wie Wasser oder erneuerbare Energien, kam es zuletzt zu einer stärkeren Differenzierung des ESG-Themas. Das lässt sich gut an den verschiedenen investierbaren MSCI-ESG-Indizes belegen“, so Härtel. Das trifft auch auf die neue Produktreihe der Deka zu, die die Entwicklung des MSCI Climate Change ESG-Index für mehrere Regionen nachbildet, darunter auch Deutschland oder Europa. Insgesamt machen ETFs auf MSCI-Nachhaltigkeitsindizes den Löwenanteil des Angebots nach ETFs mit ESG-Fokus aus, wie die Scope-Studie belegt: Stand Herbst 2019 stammten rund zwei Drittel der ETF-Benchmarks aus dem Hause MSCI.

Kosten im Sinkflug

Als Nachteil wertet das auf Nachhaltigkeitsthemen spezialisierte Online-Portal ecoreporter.de, dass bei ETFs mit ESG-Fokus aus Kostengründen auf Nachhaltigkeitsgremien verzichtet wird, die bei vielen aktiv gemanagten Fonds die Aktienauswahl hinsichtlich der jeweiligen ESG-Kriterien überprüfen. Abgesehen von diesem Kritikpunkt überzeugen die ETFs jedoch mit niedrigen Kosten, die laut einer Studie der Ratingagentur Scope in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken sind: Mussten Anleger 2007 im Schnitt noch 0,64 Prozent jährlich berappen, waren es Ende 2019 nur noch durchschnittlich 0,24 Prozent. Je nach Produkt liegen die Gebühren Scope zufolge derzeit teils nur noch marginal über denen konventioneller ETFs. „Wir gehen davon aus, dass der Kostendruck aufgrund des zunehmenden Wettbewerbs bestehen bleibt und sich die Gebühren von nachhaltigen ETFs denen von konventionellen Indexfonds angleichen werden“, ist Härtel überzeugt.

Für Investoren bieten sich Chancen

Zwei Indexfonds, die in den vergangenen Monaten den breiten Markt schlagen konnten, sind beispielsweise der UBS - MSCI ACWI Socially Responsible UCITS ETF (USD) A-dis (ISIN: IE00BDR55364) und der iShares MSCI World SRI UCITS ETF USD (Dist) (ISIN: IE00BDZZTM54).