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Kreuzfahrtschiff beim Auslaufen aus dem Hamburger Hafen

Aktienpositionierung Zykliker und strukturelle Werte laufen

Die wirtschaftliche Erholung läuft weltweit auf Hochtouren. Vieles davon spiegelt sich jedoch bereits in den Kursen wider, sagt Till Budelmann, Investmentchef bei der Schweizer Privatbank Bergos. Aufgrund dessen rechnet er mit einer volatilen Seitwärtsbewegung.

03.06.2021 - 13:45 Uhr | in News

„Wir sehen derzeit sehr starke Zahlen, sowohl für den gesamtwirtschaftlichen Bereich als auch auf Unternehmensebene“, sagt Till Budelmann, Investmentchef bei der Schweizer Privatbank Bergos. „Als Konsequenz haben wir unsere ohnehin schon optimistischen Prognosen weiter angehoben und erwarten in den wichtigsten Regionen eine stärkere Erholung als der Durchschnitt der Ökonomen.“

Für die USA geht Bergos von einem Wirtschaftswachstum von 7,2 Prozent für 2021 aus. „Das macht den 2020er-Rückgang um 3,5 Prozent mehr als wett“, kommentiert Budelmann. „In der Eurozone rechnen wir für dieses Jahr mit einem Zuwachs von 4,5 Prozent, wobei Deutschland auf 3,8 Prozent und die Schweiz auf 2,5 Prozent kommt. Wachstums-Spitzenreiter bleibt China. Hier erwarten wir, dass die staatlichen Behörden ein Plus von 9 Prozent für das Gesamtjahr vermelden werden.“

Untermauert wird die wirtschaftliche Erholung durch den Impffortschritt und eine weiterhin historisch expansive Geld- und Fiskalpolitik. „Die Konsumenten sind in bester Laune, die privaten Haushalte haben in der Corona-Krise viel Geld gespart, das nun ausgegeben werden kann“, erläutert Budelmann. Darüber hinaus beginnen die Unternehmen ihre Investitionsausgaben für Anlagegüter zu erhöhen.

Keine großen politischen Hindernisse

„Von politischer Seite erwarten wir keine großen Hindernisse“, sagt Budelmann. In den USA ist nicht mit übermäßig starken Steuererhöhungen zu rechnen. Auch von der anstehenden Bundestagswahl in Deutschland, die für die globale Wirtschaft ohnehin von relativ geringer Bedeutung ist, droht kein Ungemach: Eine grün-rot-rote Regierung, die ein erhebliches Risiko für Wirtschaft und Finanzmärkte in Deutschland und damit Europa darstellen könnte, ist derzeit eher unwahrscheinlich. „Wir rechnen im Basisszenario mit einem Kanzler Armin Laschet, in dessen Umfeld wirtschaftsfreundlichere Kräfte um Friedrich Merz und Carsten Linnemann eine gewisse Rolle spielen sollten“, prognostiziert der Bergos-Investmentchef.

Aktienpositionierung angepasst

Auf Unternehmensebene steigen die Gewinne derzeit signifikant, viele Firmen liefern positive Überraschungen. „Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Aktienkurse ihre schwungvolle Aufwärtsbewegung ungebremst fortsetzen“, gibt Budelmann zu Bedenken. Unternehmen wurden zuletzt an der Börse nicht mehr so stark belohnt, wenn sie mit ihren Zahlen die Erwartungen übertrafen. Das sei ein Zeichen dafür, dass inzwischen sehr viel Positives in den Kursen eingepreist ist.

„Gleich nach der US-Präsidentschaftswahl im November 2020 sind wir mit Aktien ins Übergewicht gegangen“, sagt Budelmann. Jetzt sei diese Positionierung neutral. Die starken Kurszuwächse in den vergangenen Monaten haben die relative Attraktivität von Aktien gegenüber Anleihen weiter schrumpfen lassen. Die Differenz zwischen der Gewinnrendite der Aktien im marktbreiten S&P 500 und der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen hat sich verkleinert. Sie liegt nur noch minimal über dem historischen Durchschnitt.

Ein weiteres, wenn auch weniger ausschlaggebendes Argument ist die Saisonalität. So gehöre der Juni zu den historisch schlechtesten Börsenmonaten, gerade wenn der Jahresstart gut war.