Sie besuchen der fonds mit einem veralteten Internet Explorer. Darstellung und Nutzungserlebnis sind deshalb nicht optimal.
Aktuelle Version kostenlos herunterladen »
Entwurf der Zukunftsstadt BiodiverCity in Malaysia

Die grüne Welle des Wachstums Die Jagd nach Rendite geht weiter

Fünf Wachstumszyklen lassen sich seit der industriellen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts feststellen – alle ausgelöst von neuen Technologien. Doch welche Innovation wird die nächste lange Welle prägen? Hans-Jörg Naumer, Leiter Kapitalmarktanalyse bei Allianz Global Investors, teilt seine Erkenntnisse.

19.03.2021 - 14:00 Uhr | in News

Gemäß der russischen Ökonomen Nikolai Dmitrijewitsch Kondratjew (ältere Transkription: Kondratieff) und Leo Nefiodow gab es fünf Wachstumszyklen seit der industriellen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts. Auf die Welle der Dampfmaschine folgten zunächst Stahl und Eisenbahn als neue Technologien. Diese wurden von Chemie und Elektrifizierung abgelöst, bevor sich die Petrochemie und das Automobil durchsetzen konnten. Die bisher jüngste Welle wird nun von Informationstechnologien und Kommunikation geprägt.

Tabelle 1: Nach Kondratjew und Nefiodow lassen sich bisher 5 Kondratieff-Wellen unterscheiden

                         Quelle: L. A. Nefiodow, „Der sechste Kondratieff“

Das Interessante: Alle neuen Wachstumswellen wurden von Krisen gebrochen, bevor der nächste Aufschwung aus ihnen hervorging. Sei es die Panik infolge der US-Immobilienblase von 1837, die Gründerkrise des späten 19. Jahrhunderts, die große Depression 1930 oder auch die beiden Ölpreiskrisen der 1970er Jahre. Die „schöpferische Zerstörung“, wie es der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter ausdrückte, stand immer am Beginn des Neuen. 

Das bedeutet: Kondratieff-Wellen markieren Zeiten des technologischen Umbruchs. Diese erstrecken sich über einen Zeitraum von 40 bis 60 Jahren. Zusammenfassend ergeben sich fünf Kennzeichen, die eine Trendwende zu einem neuen Kondratieff-Zyklus einleiten:

  1. Das Nutzungspotenzial alter Innovation ist zunehmend erschöpft. Neue Erfindungen setzen sich durch, getrieben von einem neu entstehenden Bedarf.
  1. In der Endphase des Zyklus entsteht ein hoher Überschuss an „Finanzkapital“ gegenüber dem langfristig ausgerichteten Realkapital. Es kommt zu Über- und Fehlinvestitionen, da das Finanzkapital keine rentierlichen Anlageformen mehr findet. Die (Real-)Renditen gehen zurück. Blasen bilden sich.
  1. Die auslaufende Welle endet in einer starken Rezessionsphase, bevor es zu einer neuen langen Welle des Wachstums kommt.
  1. Volkswirtschaftliche Engpässe werden durch neue Technologien gelöst. Die entstehende Nachfrage sorgt dafür, dass sich die neuen Innovationen durchsetzen.
  1. Im Zuge der Ablösung alter und der Einführung neuer Technologien kommt es zu starken sozialen/institutionellen Veränderungen bis hin zu Unruhen und Umstürzen. Ein Beispiel: Das zeitliche Umfeld des Kommunistischen Manifests aus dem Jahr 1848 und seine Folgen.