Dr. Jens Ehrhardt im Interview„Ich bin bei Gold aktuell eher vorsichtig“

Die Weltwirtschaft erholt sich von den Folgen der Corona-Pandemie, viele Aktienmärkte haben sich im ersten Halbjahr 2021 gut entwickelt. Doch wie geht es weiter? Dr. Jens Ehrhardt, Gründer und Vorstandsvorsitzender der DJE Kapital AG, blickt auf die kommenden Monate.

25.06.2021 - 15:13 Uhr25.06.21 15:13
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Dr. Jens Ehrhardt, Gründer und Vorstandsvorsitzender der DJE Kapital AG
Dr. Jens Ehrhardt, Gründer und Vorstandsvorsitzender der DJE Kapital AG: Eigentlich ist er ein großer Gold-Fan, sieht derzeit jedoch einige Faktoren, die künftig den Preis belasten könnten© DJE Kapital AG

Herr Dr. Ehrhardt, zunächst ein Blick zurück: Sie haben bei Ausbruch der Covid-Pandemie einen Dax-Stand von 16.000 Punkten für das Frühjahr 2021 vorhergesagt. Hatten Sie einfach eine gute Glaskugel?

Dr. Ehrhardt: Nein – und ich bin eigentlich kein Freund von festen Kurszielen. Aber in diesem Fall hatten wir eine so außergewöhnliche geld- und fiskalpolitische Situation, dass ich der Meinung war, man muss einmal ein Zeichen setzen. Denn ich habe nie zuvor erlebt, dass besonders von der monetären Seite her die Konjunktur so stark angekurbelt wird. Wenn schlagartig viel Geld gedruckt wird, hat das unmittelbare Auswirkungen, vor allem auf die Aktienmärkte. Deshalb habe ich dieses damals sehr optimistische Ziel mutig ins Auge gefasst.

Jetzt haben wir dieses Ziel fast erreicht. Logische Folgefrage: Wo stehen wir in den nächsten Monaten?

Dr. Ehrhardt: Ich erwarte keine Baisse, auch wenn wir die beste Zeit des Jahres wohl hinter uns haben. Viele Anleger sind bereits investiert, die Cashbestände der Fondsmanager betragen laut jüngster Umfrage nur noch 3,9 Prozent. Eine kurzfristige Korrektur ist also möglich. Mittelfristig dürften wir uns dennoch in einem, wenn auch flacheren, Aufwärtstrend bewegen – wobei die Fiskalpolitik für weiteren Rückenwind sorgt. Ich hoffe, dass in Europa weiterhin der Fokus auf fiskalischem Stimulus bleibt und speziell in Deutschland nicht wieder die „schwarze Null“ hervorgeholt wird. Denn zu große fiskalische Zurückhaltung hat sich in der Vergangenheit nicht bewährt.

Wie groß ist die Gefahr, dass wir eine stärkere Korrektur am Aktienmarkt bekommen?

Dr. Ehrhardt: Das wäre möglich, wenn die Notenbanken stark zu bremsen beginnen. Nach den jüngsten Erörterungen der US-Notenbank Fed denke ich aber, man hat verstanden, dass eine 180-Grad-Wende in der Geldpolitik Wirtschaft und Börse schädigen kann – und wird deshalb sehr vorsichtig sein. Natürlich, Investoren sind bereits stark investiert, der Optimismus ist nicht zuletzt auch am Optionsmarkt groß, trotzdem fehlt meiner Meinung nach der klare Hintergrund für eine richtige Baisse.

An der Börse Geld zu verdienen erscheint nicht mehr so einfach wie im vorigen Jahr. Ist dies die Zeit der aktiven Manager?

Dr. Ehrhardt: Auch wenn es nach einem Argument pro domo klingt: Seit einiger Zeit zeichnet sich ab, dass die aktiven Fondsmanager besser abschneiden als indexbasierte Lösungen, etwa Exchange Traded Funds (ETFs). So haben aktive Manager im Mai zu 70 Prozent den Index geschlagen. Woran liegt das? Im vergangenen Jahr haben wir gesehen, dass zunächst eine sehr kleine Zahl großer Tech-Aktien aus den USA den Index nach oben gezogen hat. Aktive Manager dürfen meist nur einen begrenzten Teil des Fondsvermögens in einzelne Titel investieren. Deshalb konnten sie da nicht mithalten. Spätestens ab November erfolgte der Aufschwung aber auf breiter Front. So ergaben sich zahlreiche Gelegenheiten für aktives Management, etwa unter technischen oder Bewertungsaspekten, während passive Anleger vor allem in wenigen Indexschwergewichten investiert waren. Ich denke, dass die Stockpicker auch im weiteren Jahresverlauf ihre Möglichkeiten nutzen und etwas Rendite herausholen können.

Die Fed geht aktuell mehrheitlich von ersten Zinsschritten im Jahr 2023 aus. Wird es so kommen?

Dr. Ehrhardt: Der Markt hat zuletzt so reagiert, als sei die Zinserhöhung 2023 beschlossene Sache. Wenn man allerdings genau hinhört, hat Fed-Chef Jerome Powell zuletzt immer die Flexibilität der Geldpolitik betont. An erster Stelle stehen die Arbeitsplätze, das sagt er immer wieder – und die Inflation kommt im zweiten Satz. Die US-Regierung ist arbeitnehmerfreundlicher als früher, und die Verantwortlichen werden sich hüten, zu schnell zu viel zu machen. Ob die Zinsschritte wie erwartet kommen, ist für mich noch nicht entschieden.

Die Renditen der US-Staatsanleihen sinken seit April, während zugleich der Anstieg der Verbraucher- und Produzentenpreise regelmäßig über den Erwartungen liegt. Wie erklären Sie das?