Pilnys Asia Insights Indien – neuer Star am Investorenhimmel?

Der Subkontinent ist auf dem Sprung. Junge, innovative Unternehmen und eine günstige Bevölkerungsstruktur sorgen für wirtschaftliches Wachstum und rücken Indien in den Fokus ausländischer Investoren. Die südasiatische Ökonomie kann weltweit schon bald eine wichtige Rolle spielen – vorausgesetzt das Potenzial der Digitalisierung wird genutzt.

01.11.2021, aktualisiert 05.11.2021 - 17:3305.11.21 - 17:33
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Der Hauptsitz eines indischen Softwareherstellers in Bangalore
Der Hauptsitz eines indischen Softwareherstellers in Bangalore: Das weltweit tätige IT-Unternehmen Wipro Technologies ist im Aktienindex BSE Sensex gelistet © Imago Images / Indiapicture

Fiktion, Vision, Wunschdenken? Das alles kann in Indien manchmal nah beieinander liegen. Wir wagen einen Blick ins Jahr 2027.

Es ist der 15. August – auf den Tag genau 80 Jahre sind seit der Unabhängigkeit von Großbritannien vergangen. Rahul Gandhi, der Sohn von Sonia Gandhi, sitzt auf dem Balkon des Präsidentenpalastes in Neu-Delhi und denkt über den Aufstieg seines Landes nach.

2004 führte seine Mutter die Kongresspartei zu einem überraschenden Wahlsieg. Ministerpräsident Manmohan Singh verhalf Indien mit seiner weitsichtigen Wirtschaftspolitik zu einer Blüte, die alle Erwartungen übertraf. Sein Nachfolger Narendra Modi spaltete das Land mit seinem nationalistischen Hinduismus, leitete aber auch wichtige Reformprojekte ein und brachte Indien wirtschaftlich auf Vordermann.

Aufstieg mit IT, Pharma und Gentechnik?

2027 liegt Indien mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 8 Prozent nun sogar vor China. Die weltgrößten Stahl-, Medizintechnik-, Pharma- und IT-Outsourcing-Unternehmen – alle stammen aus Indien. Immer mehr Asiaten strömen in die Privatkliniken Nordindiens, um sich mit modernster Gentechnik gezüchtete Organe einpflanzen zu lassen.

Den Staatenbund ASEAN gibt es nicht mehr. Er wurde erweitert zur „Asian Union“, der Gemeinschaft asiatischer Staaten, einer panasiatischen Wirtschafts- und Währungsunion, der auch die südasiatischen Staaten beigetreten waren. Während die Bevölkerung Ostasiens mittlerweile spürbar von der Vergreisung geprägt wird, ist Indien zum jungen und dynamischen Zentrum Asiens und zur drittgrößten Volkswirtschaft der Welt aufgestiegen.

Fiktion, Vision oder indisches Wunschdenken? Klar ist schon heute, im Jahr 2021, dass der Subkontinent das Potenzial hat, weltweit eine bedeutende Rolle zu spielen. Schätzungen der Weltbank zufolge dürfte Indien die heute drittgrößte Ökonomie Japan in weniger als zehn Jahren hinter sich gelassen haben. 2048 könnte die südasiatische Bundesrepublik dann auch die USA überholen und zur zweitgrößten Wirtschaftsnation der Welt hinter China aufsteigen.

Von den 1,38 Milliarden Indern sind laut der Vereinten Nationen (UN) 70 Prozent unter 35 Jahre alt. Bis 2024 dürfte Indien mit 1,5 Milliarden Einwohnern China als bevölkerungsreichstes Land der Erde ablösen. Während 2010 nur 20 Millionen von ihnen über einen Internetzugang verfügten, waren es 2015 schon 350 Millionen und 2020 bereits 730 Millionen. Allein im Metropolraum Delhi leben inzwischen mehr Menschen als in sämtlichen deutschen Großstädten zusammengenommen – bald könnten es mehr als 50 Millionen sein. Indiens IT-Sektor spielt weltweit eine Schlüsselrolle, selbst im Silicon Valley, dem technischen Epizentrum unserer Epoche. Indische Einwanderer gelten mittlerweile als die erfolgreichsten in den USA.

Herausforderungen in der Landwirtschaft

In den vergangenen Jahren hat sich Indien zu einer der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften weltweit entwickelt und lag Daten des Internationen Währungsfonds (IWF) zufolge 2019 mit einem BIP von 2,86 Billionen US-Dollar auf dem fünften Rang. Mit einem geschätzten nominalen BIP von 2,72 Billionen US-Dollar reicht es 2021 für den sechsten Platz. Mit 21 jungen innovativen Unternehmen mit einer Marktbewertung über einer Milliarde US-Dollar, sogenannten Unicorns, mit einem Gesamtwert von 73,2 Milliarden US-Dollar stellt Indien weltweit die viertgrößte Zahl an Unicorns. Bis 2025 soll ihre Zahl laut Credit Suisse auf 100 anwachsen, die etwa 11 Millionen direkte Arbeitsplätze schaffen.

Dennoch bleiben die Herausforderungen groß: Indien muss zwischen 2023 und 2030 rund 90 Millionen Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft schaffen, um ein BIP-Wachstum von 8 bis 8,5 Prozent zu erreichen.

Noch in den 1950er Jahren stammten über 50 Prozent des BIP aus der Landwirtschaft. Dieser Anteil ist im Laufe der Jahrzehnte gesunken. Heute trägt sie laut Weltbank noch etwa 18 Prozent zum BIP des Landes bei und beschäftigt rund 50 Prozent der gesamten Arbeitskräfte. Stattdessen hat sich der Dienstleistungssektor zum wichtigsten Bereich entwickelt.

Großes Potenzial in den Bereichen Industrie, Konsum und Pharma

Indien versucht dem Beispiel Chinas zu folgen und die Industrieproduktion im eigenen Land zu stärken, etwa im Bereich Elektronik. Unter Premierminister Narendra Modi wurden verschiedene Infrastrukturprogramme aufgelegt, um Straßen, Häfen, Bahnstrecken sowie die Luftfahrt zu modernisieren. Das verarbeitende Gewerbe und die Industrie erwirtschaften 26 Prozent des indischen BIP und beschäftigen 22 Prozent der Arbeitskräfte.

Zudem bietet Indien Potenzial in den Konsumsektoren, die von den gestiegenen Löhnen, der allgemeinen Belebung der indischen Wirtschaft und dem Zugang zu einer breiteren Palette von Gütern und Dienstleistungen profitieren werden. Dazu gehören neben Autos das Gesundheitswesen, Internet- und Finanzdienstleistungen.

Die Pharmaindustrie in Indien hat in den vergangenen Jahren stark expandiert. Laut Germany Trade and Invest ist Indien der weltweit größte Generika-Produzent.

Investieren in Indien

Indien hat zwei große Börsen: Die Bombay Stock Exchange (BSE) und die National Stock Exchange of India Limited (NSE). Die BSE wurde 1875 gegründet und gilt als älteste Börse Asiens, während die NSE 1992 gegründet wurde. An beiden Leitbörsen in Mumbai sind mehr Unternehmen notiert als in New York.

Die wichtigsten Indizes des indischen Aktienmarktes, sind der S&P Bombay Stock Exchange Sensitive Index oder BSE SENSEX, ein marktgewichteter Index basierend auf dem Free Float von 30 BSE Unternehmen, der von inländischen Finanzinstituten wie HDFC dominiert wird, und der NIFTY 50, der den gewichteten Durchschnitt von 50 der größten indischen Unternehmen an der NSE untersucht.

Noch ist das BIP von China ungefähr fünfmal so hoch wie das von Indien. Das könnte sich jedoch ändern, wenn die Digitalisierung auch auf dem Land und in kleinen und mittelgroßen Unternehmen Indiens ankommt.

Wer an der Entwicklung Indiens teilhaben will, kann mittels Fonds und ETFs im Land der Gegensätze investieren. Eine Auswahl an Indienfonds findet ihr über unseren Fondsexplorer.

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